Seizinger: Immer noch ein Leben aus dem Koffer

- München - Vermutlich wird Katja Seizinger keinen Gedanken an ihr kleines Gold-Jubiläum verschwenden. So wie sie nie besonders viel Aufhebens um ihre Erfolge gemacht hat. Sie genießt derzeit die letzten Tage ihres Skiurlaubs in den nordamerikanischen Rocky Mountains. Lillehammer und der 19. Februar 1994, als die damals 21 Jahre alte Skirennläuferin zum ersten Mal Olympiasiegerin wurde, sind weit weg.

<P>Die Welt der Katja Seizinger sind nicht mehr die Berge und die Skipisten, seit beinahe sechs Jahren. Ihr ist geglückt, womit viele Leistungssportler große Probleme haben: dem reibungslosen Übergang in das Leben nach der Karriere. Plötzlich nicht mehr im Rampenlicht zu stehen, hat ihr nichts ausgemacht, weil es ihr zuvor auch nicht besonders wichtig war. Sie hatte nie Angst vor der großen Leere im Leben nach dem Sport, weil sie ihre Karriere früh akribisch plante, sowohl die auf Skiern als auch die berufliche, die sie in das väterliche Stahlunternehmen im badischen Eberbach führen sollte.</P><P>Katja Seizinger hatte sich vorgenommen, 1999 ihre Karriere zu beenden. Das hat sie offiziell auch getan, aber eigentlich ist es wegen einer schweren Knieverletzung schon ein Jahr früher passiert, nach ihrer erfolgreichsten Saison mit zweimal Olympia-Gold in Nagano und dem zweiten Gesamtweltcupsieg. Das findet sie im Nachhinein gar nicht so schlecht. "Ich bin auf dem Höhepunkt abgetreten. Das Glück haben nicht viele."</P><P>Familienplanung mit Ehemann Kai-Uwe noch drei Jahre zurückgestellt</P><P>Sie konzentrierte sich zunächst auf den Abschluss ihre Betriebswirtschaftsstudiums und absolvierte nebenbei ein Praktikum in einer Heidelberger Steuerkanzlei, in der sie anschließend auch drei Jahr lang als Wirtschaftsprüfer-Assistentin beschäftigt war. Erst seit vergangenen September arbeitet Katja Seizinger im Unternehmen des Vaters. "Da bin ich so was wie ein Azubi." Sie durchläuft verschiedene Abteilungen, derzeit ist sie im "Schrotteinkauf" tätig. Denn "ich soll mich ja in allen Bereichen auskennen", ehe sie dann eine leitende Funktion übernehmen wird.</P><P>Eines hat sich aber auch nach ihrer Skikarriere nicht geändert. Sie führt noch immer ein Leben aus dem Koffer. "Es ist fast schlimmer als früher, dabei habe ich doch deshalb aufgehört mit dem Skifahren", sagt sie mit einem Schmunzeln. Zunächst pendelte sie zwischen Heidelberg und Konstanz, zwischen Arbeitsplatz und Ehemann. Mittlerweile ist Kai-Uwe Weber zwar nach Eberbach umgesiedelt und ebenfalls im Seizinger-Betrieb beschäftigt, aber dafür ist Katja Seizinger oft auf Dienstreise oder arbeitet die Woche über in ausgelagerten Werken. Eine Weile muss sie noch durchhalten, "circa drei Jahre, hat der Papa gemeint", dauert die Lehrzeit. Anschließend will die 31-Jährige aber nicht gleich ins operative Geschäft einsteigen, schließlich werde es dann wohl langsam Zeit an die Familienplanung zu denken.</P><P>Katja Seizinger taucht nur noch selten auf im Skizirkus. Ein-, zweimal in der Saison ist sie höchstens bei Weltcuprennen, und das vor allem, weil sie einen Vertrag hat mit Audi, dem Hauptsponsor des Deutschen Skiverbandes. Dann trifft sie die ehemaligen Kolleginnen wieder und stellt von Jahr zu Jahr fest, "dass fast immer noch die gleichen fahren wie bei mir". Die Kontakte zur deutschen Mannschaft sind spärlicher geworden, "es verläuft sich einfach", aber er ist nie abgerissen. Nicht zu Hilde Gerg, nicht zu Cheftrainer Wolfgang Maier. Und wenn Katja Seizinger zu Besuch ins deutsche Quartier kommt, "ist es, als ob ich erst gestern aufgehört hätte".</P><P>Manchmal, wenn sie Weltcuprennen im Fernseher oder vor Ort verfolgt, verspürt sie sogar wieder ein Kribbeln wie früher. "Die Abfahrten vermisse ich schon, die Geschwindigkeit, die Sprünge." Aber die Sehnsucht verschwindet schnell wieder. Die Welt der Katja Seizinger sind längst nicht mehr die Berge und Pisten.</P>

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