DFB setzt Sonderkommission ein

- Paderborn/Frankfurt (M.) - Drei Tage nach der Vernehmung von Robert Hoyzer durch die Berliner Staatsanwaltschaft hat die "Bild"-Zeitung alle Namen veröffentlicht, die der geständige Schiedsrichter im Wettskandal genannt haben soll. Dabei handelt es sich um drei Schiedsrichter, neun Spieler der Vereine Dynamo Dresden, Chemnitzer FC, SC Paderborn und Energie Cottbus sowie einen Funktionär aus Dresden.

Einer der Beschuldigten, Paderborns Mannschaftskapitän Thijs Waterink, gestand gestern den Empfang von 10 000 Euro. Zwei andere, Erstliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen und der Cottbuser Torhüter Tomislav Piplica, bestritten in Eidesstattlichen Erklärungen jede Beteiligung an dem Skandal. Auch alle Spieler von Dynamo Dresden unterzeichneten entsprechende Eidesstattliche Erklärungen.

Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger wollte die Namensliste von "Bild" bei einer Pressekonferenz am Abend in Frankfurt weder bestätigen noch dementieren. Maßgeblich seien für den DFB ausschließlich die Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft, von der der Verband bislang noch keine Akteneinsicht erhalten habe. Er habe allerdings "sehr, sehr positive Gespräche" mit der Ermittlungsbehörde geführt und sei zuversichtlich, dass man "schnell" die notwendigen Informationen erhalte, um den Skandal auch durch das Sportgericht aufarbeiten und auch den kommenden Spieltag absichern zu können. Der Verband bildete eine sechsköpfige "Sonderkommission Wett- und Spielmanipulationen", die unter Führung von DFB-Justiziar Götz Eilers den "für den deutschen Fußball sehr schlimmen Fall" aufarbeiten soll.

In Thijs Waterink hat erstmals ein Spieler seine Beteiligung an dem Skandal eingeräumt. Der Mannschaftskapitän des Regionalligisten SC Paderborn sagte aus, dass er vor dem DFB-Pokalspiel des Regionalligisten gegen den Hamburger SV am 21. August 2004 (4:2) von einem unbekannten und "südländisch anmutenden Mann" 10 000 Euro in Empfang genommen habe. Der vom Verein suspendierte Waterink bestritt, seine Mitspieler vorab davon in Kenntnis gesetzt zu haben. Er habe erst einen Tag nach der Partie jedem Spieler 500 Euro gegeben. Auch habe der Geldbote nicht versucht, den Abwehrspieler zu Täuschungsversuchen aufzufordern. Tatsächlich hatte Hoyzer beim Stand von 0:2 nach einer Schwalbe von Waterink einen von insgesamt zwei unberechtigten Elfmetern für Paderborn gepfiffen und HSV-Angreifer Emile Mpenza nach Protesten über diese Entscheidung vom Platz gestellt.

Paderborns Präsident Wilfried Finke deutete auf einer Pressekonferenz indirekt an, dass möglicherweise auch Hamburger Spieler an dem Skandal beteiligt gewesen sein könnten. "Ich habe mir am Wochenende die Aufzeichnungen des Spiels mehrfach angesehen. Ich meine, da sind einige Auffälligkeiten dabei", sagte er. HSV-Chef Bernd Hoffmann wies die Anschuldigungen als "glatte Unverschämtheit" zurück und kündigte an: "Wir werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen."

Einig sind sich beide Klubchefs lediglich, dass die Partie wiederholt werden soll. Dies hat der DFB bislang unter Hinweis auf seine Statuten abgelehnt, möglicherweise zu Unrecht. Denn die Rechts- und Verfahrensordnung des Verbandes sieht vor, dass Pokalspiele selbst im vorangeschrittenen Wettbewerbs-Stadium wiederholt werden können, wenn ein zuvor eingeleitetes Verfahren noch anhängig ist. Ein solches hatte der DFB-Kontrollausschuss unter seinem Vorsitzenden Horst Hilpert im August nach einer Anzeige des Wettanbieters Oddset eröffnet, danach ruhen lassen und erst vor zwei Wochen wieder aufgenommen.

Unterdessen geriet der DFB unter Rechtfertigungsdruck, warum er frühzeitigen Hinweisen nicht konsequent genug nachgegangen ist. Der staatliche Wettanbieter Oddset bekräftigte in einer Presseerklärung, er habe den DFB am 23. August 2004, zwei Tage nach dem Pokalspiel in Paderborn, über Unregelmäßigkeiten informiert.
 

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