Ski-WM wird zur "Frage der Ehre"

- Garmisch-Partenkirchen - Der Zufall wollte es so, dass sich die beiden Bewerber für die alpine Ski-WM 2011 in dieser Woche direkt hintereinander der Welt präsentieren dürfen. Am Dienstag war der Weltcup in Schladming zu Gast, für das Wochenende putzt sich nun Garmisch-Partenkirchen heraus, um bestmöglich seine Speedrennen (Samstag Abfahrt, Sonntag Super-G) zu präsentieren. Langsam kommt Musik in das deutsch-österreichische Duell. Als der Garmischer OK-Chef Peter Fischer vorgestern im österreichischen Fernsehen den Nachtslalom des Konkurrenten verfolgte, platzte ihm fast der Kragen, wie da Stimmung gemacht wurde. Immer wieder wurde auf die Zuschauerzahl von angeblich 48 000 hingewiesen, und Moderator Rainer Pariasek fügte süffisant an: "Da wollen wir mal sehen, was Garmisch zu bieten hat."

Schladming wuchert mit seinem Pfund, dem größten Fan-Ansturm im Ski-Weltcup, und bohrt damit auch in der größten Wunde der Garmischer, denen die Zuschauerzahlen nach wie vor Sorgen bereiten. In Fischer regt sich nun Kampfgeist: "Wenn man mich herausfordert, nehme ich den Kampf an." Ab sofort, rief er gestern aus, sei das Duell um die WM 2011 "eine Frage der Ehre". Der emsige Präsident des Skiclubs Garmisch, dem der WM-Zuschlag einen Lebenstraum erfüllen würde, packt die ganze Bevölkerung bei der Ehre, in der Gemeinde, in der ganzen Region. 10 000 Zuschauer wünscht sich Fischer an jedem Renntag, das könne die Bewerbung noch mal anschieben.

"Wir sind nicht schlechter als Schladming", sagt Fischer trotzig, im Gegenteil, "mit unserer Strecke kann Schladming nicht mithalten." Der Vergleich zwischen einem Slalom und einer Abfahrt hinkt vom organisatorischen Aufwand sowieso, "so einen Nachtslalom, den bringe ich auch noch nebenbei runter" (Fischer). Vor allem ihre Kandahar-Strecke sehen die Garmischer als Trumpf, denn der wird im Falle des WM-Zuschlags ein ganz neues Design verpasst. Ende Januar erwartet man das Okay vom Landratsamt. Damen- und Herren-Strecken werden dann teilweise parallel verlaufen, vom neuen Zielstadion an der Kreuzeckbahn könnte man endlich mehr von der Strecke einsehen, was bislang als großes Manko gilt. Künftig sähe man von unten bis zum Abschnitt "Hölle" - das hat doch was -, und damit die Läufer sogar noch länger als auf der Kitzbühler Streif.

Garmisch oder Schladming - am 25. Mai fällt die Entscheidung beim FIS-Kongress in Portugal. Beide Kandidaten waren vor zwei Jahren im Rennen um die WM 2009 an Val d'Isere gescheitert. Beide hatten die WM schon, Garmisch 1978, Schladming 1982, auch hier ein Patt. Nach '78 startet Garmisch nun bereits den sechsten WM-Anlauf, fünf blieben erfolglos. Mit gewohnter Gründlichkeit hat man seine Hausaufgaben erledigt, eine Delegation des Weltverbandes schien bei ihrer Inspektion im Herbst schwer beeindruckt.

Peter Fischer erwartet nun die volle Unterstützung der Bevölkerung. "Vom Maurer bis zum Installateur, vom Taxifahrer bis zum Einzelhandel", alle müssten kapieren, was die Ski-WM der Region bringen würde, finanziell und an Arbeitsplätzen. "Jeder weiß, um was es geht", sagt Fischer, "jetzt zählen keine Ausreden mehr."

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