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Lächeln für ein Produkt mit stark nachlassenden Umsatzzahlen: Ralph Hasenhüttl.

Vorsicht, Satire: 

So wird das Sportjahr 2017

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Dortmund performt eine Dose und verändert die Bundesliga – Was 1860 anstellt und wer Uli Hoeneß ärgert – Schweinsteiger weint wieder

Von Günter Klein

Januar

Greift RB Leipzig in der Meisterschaft doch noch einmal richtig an? Der Aufsteiger überrascht mit einem Transfer, der nicht über die Salzburg-Schiene läuft. Er entdeckt beim brasilianischen Meister Palmeiras Sao Paulo den gewünschten ballgewandten, laufstarken, hochmotivierten Mittelfeldspieler, der dem eigenen Kader noch fehlte: Zé Roberto. Der Ex-Bayern-Star ist 42. Wollte Leipzig nicht ausschließlich Spieler bis 24 verpflichten? Manager Ralf Rangnick winkt lässig ab: „24, 42 – es sind dieselben Zahlen. Wir haben nie eine verbindliche Reihenfolge festgelegt. 42 ist 24 2.0.“

Umbauarbeiten auf dem Gelände des TSV 1860 an der Grünwalder Straße: Aus dem „Löwenstüberl“ wird die Shisha-Lounge „Pearl of Arabia“, zur Happy Hour gibt es auf alles „50 Prozent + 1 Rabatt“.

Beim FC Bayern nutzt Jerome Boateng die Verletzungszeit, mit seinem Manager, dem Star-Rapper Jay-Z, nimmt er einen Song auf, der weltweit in die Charts geht: „Back to Earth.“ Jay-Z lobt die getragene Rap-Stimme seines Kumpels, eine Alternative zu den aggressiven Schnellsprechern der Branche.

Februar

Laura Dahlmeier räumt bei der Biathlon-WM in Hochfilzen ab, sie gewinnt Fans in aller Welt, vor allem in Asien, das sich auf die Winterspiele 2018 in Pyeongchang und 2022 Peking vorbereitet. Koreanische und chinesische Touristen pilgern in Scharen in Lauras Bayern und stehen andächtig vor dem Dallmayr-Haus in München.

FIFA-Präsident Gianni Infantino legt einen Plan für ein neues WM-Format ab 2026 vor: National- und Vereinsmannschaften sollen um den Titel spielen. Einwand der kritischen Presse: Spielt Messi dann für Argentinien oder Barcelona? Infantino: „In knapp zehn Jahren spielt Messi gar nicht mehr.“

Alpine Ski-WM in St. Moritz – mit Stargast Bastian Schweinsteiger. Der große deutsche Fußballstar rührt mit seinen Tränen. Nachdem er gesehen hat, was während der WM ein Doppelzimmer im „Badrutt’s Palace“ kostet. Er sagt: „Und ich brauche doch nur einen Spind.“

März

Schock für den FC Bayern, der im Achtelfinale der Champions League am FC Arsenal scheitert. Der Stadion-DJ spielt zum traurigen Münchner Abgang „Back to Earth“. In Leipzig kommentiert Ralf Rangnick genüsslich: „Ab jetzt liegen die Bayern jeden Mittwoch auf dem Sofa. Das macht sie gefährlich.“

Beim TSV 1860 geht es unter dem neuen Coach Vitor Pereira nur schleppend voran, noch immer sind die Löwen nur 14. Hatte Pereira bei seiner Vorstellung nicht angekündigt: „We go to the top“? Er sei vom jubelnden Fanvolk unterbrochen worden, sagt er nun, er habe sagen wollen: „We go to the top thirteen.“

Lukas Podolski erzielt bei seinem Abschieds-Länderspiel gegen England in Dortmund drei Tore und sagt begeistert: „So kann man nicht aufhören.“ Ab sofort ist er wieder Nationalspieler.

April

Die Basketballer des FC Bayern fliegen in der ersten Playoff-Runde raus. Präsident Uli Hoeneß ist maßlos enttäuscht: „Das habe ich auf manchem Hof schon besser gesehen.“

Der Hamburger SV steckt im Abstiegskampf, bezieht Hoffnung aber aus einer neuen Figur im Aufsichtsrat: Tatort-Kommissar Nick Tschiller will dem Verein ein paar lästige Konkurrenten vom Hals schaffen.

Der TSV 1860 zieht die Notbremse, entlässt Vitor Pereira. Trainer wird Stürmer Sascha Mölders, der bislang als Hobby den Landesligisten in seinem Wohnort Mering gecoacht hatte. Mölders ringt den Löwen einen Deal ab: Er trainiert die Profimannschaft, dafür darf er für Mering spielen.

Mai

Der FC Liverpool ist englischer Meister, die Briten wünschen sich Jürgen Klopp weit vor den Prinzen William und Harry als Thronfolger. Die Werte von Pep Guardiola (Manchester City/Sechster) und Jose Mourinho (Manchester United/Zehnter) sind noch schlechter als die von Charles und Camilla.

Deutschland begeistert sich für Darmstadt 98, das fünf Spieltage vor Schluss Dirk Schuster als Trainer zurückholt. Mit fünf 1:0-Siegen und den 15 Punkten, die sie noch gebraucht hatten, bleiben die Lilien in der Bundesliga. Schuster wird zum „Trainer des Jahres“ gewählt.

Der FC Bayern ist Meister – und zufrieden. Kalle Rummenigge: „Wir haben immer gesagt: Die Bundesliga ist unser Brot-und-Butter-Geschäft, und wir sind glücklich, mit Carlo Ancelotti einen Trainer zu haben, der Brot und Butter noch zu schätzen weiß.“

Es gibt Spekulationen, die Bayern würden Cristiano Ronaldo umgarnen, der Superstar ist mit Uli Hoeneß gesichtet worden. Es war aber ein privates Treffen: Ronaldo hatte Hoeneß nach einem guten Steuerberater gefragt.

Juni

Der Confederations Cup in Russland findet wie von Joachim Löw angekündigt ohne die großen deutschen Namen statt. Der Bundestrainer hatte sogar etliche Leipziger nominieren wollen, erfuhr dann aber, dass die meisten von ihnen Österreicher sind. Löw selbst ist auch gar nicht beim Confed Cup, er lässt sich von Horst Hrubesch, dem Olympia-Helden, vertreten: „Des hätt der Horscht sich au amal verdient.“ Kapitän des DFB-Teams ist Lukas Podolski. Ausrüster Hugo Boss ist verstimmt über die Nichtteilnahme Löws am Confed Cup. Die Metzinger Designer hatten für Löw eigens eine eingriffssichere Hose entwickelt. Hrubesch trägt so etwas natürlich nicht.

Zum WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino ist Löw allerdings noch da. Beim 15:0 über den Fußball-Zwerg trifft Podolski sieben Mal. Er steht allerdings immer völlig ungedeckt im Strafraum, weil die Sechserkette von San Marino, angefeuert vom Pressesprecher des Verbandes, beschäftigt ist, Thomas Müller einzukreisen, der torlos bleibt. Riesenjubel in San Marino über diesen größten Erfolg in der Geschichte des Nationalteams.

Juli

Hat das Projekt RB Leipzig noch eine Zukunft? Erschreckendes ist eingetreten: Mutterhaus Red Bull hat einen gigantischen Umsatzeinbruch erlitten, seit zu Beginn des Jahres ein konkurrierender Energy Drink mit dem Namen „Rasenball – Dein Sport-drink“ auf den Markt gekommen ist. Erst jetzt stellt sich heraus, wer dahinter steckt: der findige Dortmunder Hans-Joachim Watzke. „Wir waren ja selbst überrascht, aber der Begriff Rasenballsport war rechtlich nicht geschützt – kleines Versäumnis von Herrn Mateschitz“, sagt der Geschäftsführer der „BVB- und Rasenball Sport-drink GmbH“. Er strahlt: „Mit jedem Erfolg von Leipzig klingelt es bei uns in der Kasse. Alle wollen das Zeug.“ Mit den Zusatzerlösen begibt sich Dortmund auf eine Stufe mit den vermögenden Klubs der Premier League, in München zürnt Karl-Heinz Rummenigge: „Herrn Watzke geht es offenbar nur darum, eine Dose zu performen.“

Nur Pierre-Emerick Aubameyang ist für Dortmund nicht zu halten. Ihn zieht es zum AC Mailand: „Aus modischen Gründen“, wie er sagt. „Und wenn ich von dort noch einmal weggehe, dann zu Inter.“

Das Jahr steht bislang im Zeichen russischer Sportler. Das mag überraschen, weil viele wegen Dopings aus dem Verkehr gezogen wurden. Doch massenhaft sind neue Turner, Leichtathleten, Skiläufer, Schützen, Gewichtheber, Ringer aufgetaucht. „Wir mussten dafür einige Talente aus dem Russischen Staatszirkus und den Ballett-Theatern in Moskau und Sankt Petersburg abziehen“, sagt Wladimir Putin, „aber das sind eben richtige Alleskönner.“

August

Leichtathletik-WM in London. Überraschung beim Diskuswerfen: Es gewinnt der alte Harting, Robert. Der junge Harting, der favorisierte Olympiasieger Christoph, scheitert in der Qualifikation. Freundlich klatscht er ZDF-Moderator Norbert König ab und erklärt: „Es war leider zu wenig Zeit zum Trainieren. Ich bin halt mehr der Medienhengst mit all diesen Samstagabend-Spielshows, zu denen ich nun eingeladen werde. Aber schade: Hätte natürlich gerne unsere Hymne gehört.“

Sky hat mit Beginn der neuen Fußball-Saison einen Teil der Exklusivrechte verloren – rüstet aber an anderer Stelle auf: Das Samstagabend-Topspiel gibt es auch in einer Island-Option, es wird kommentiert vom bei der EM zum Kult gewordenen Gudmundur Benedikt-sson. Für die deutsche Übersetzung der aufregendsten Momente sorgt Sky-Neuzugang Frank Buschmann.

Spektakulärster und teuerster Bundesliga-Transfer: Der Hamburger SV hat auf Wunsch seines Investors Klaus-Michael Kühne den Nordiren Will Grigg geholt. Klare Vorgabe aber: Grigg darf nie von Beginn an aufgestellt werden – damit die Fans ihn fordern können.

Wieder erobert die Bundesliga einen neuen Markt. Die Paarung TSG Hoffenheim – Eintracht Frankfurt wird auf Vermittlung von Tim Wiese (Ex-Hoffenheim) bei der Wrestling-Liga WWE als 22-man-tag-team-match ausgetragen.

1860-Investor Ismaik feuert Geschäftsführer Anthony Power. Er hatte ihm den Auftrag erteilt, „aus den zehn Bestplatzierten bei der Wahl zu Deutschlands Fußballer des Jahres mindestens drei Spieler für unsere Löwen zu verpflichten“. Power handelt und schließt hochdotierte Verträge mit Islacker (Frankfurt), Mittag (Paris St. Germain), Bremer (Lyon). Ismaik will sich schon freuen, als er erfährt: Das sind Fußballerinnen, Power hat die falsche Wahl-Tabelle aufgerufen. Hasan Ismaik kündigt an: „Wir brauchen einen fachkundigen jungen Sportdirektor. Das müsste doch was für diesen Philipp Lahm von den Bayern sein.“

September

Hajo Seppelt von der ARD-Dopingredaktion recherchiert in der russischen Showbranche und findet heraus: Die Don Kosaken bestreiten ihre Auftritte bisweilen mit Playback-Unterstützung. Skandal!

Neues gibt es auch beim Portal „FootballLeaks“, die Enthüllungen betreffen Reinhard Grindel: Das Torfstecher-Diplom, das der DFB-Präsident in seiner Heimat erworben hatte, um als Politiker zu punkten, soll vergeben worden sein, ohne dass die Prüfungskommission vollständig besetzt gewesen wäre.

Nichts herausgekommen ist bei den Nachforschungen zum Sommermärchen 2006 und der ominösen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung über Franz Beckenbauer. Der Fußball-Kaiser wagt sich langsam wieder ans Licht der Öffentlichkeit, und weil er keinen Medienpartner mehr hat, gründet er ein eigenes Portal: „FootballLeagues“. Aus dem Stegreif analysiert der Franz jede Liga der Welt.

Red Bull verkauft seinen Eishockey-Zweig an Capri- Sonne, aus dem EHC Red Bull München wird der EHC Capri-Sonne München. Die Fans der 13 anderen DEL-Vereine bedauern das, denn sie können die Münchner nicht mehr als Dosenklub schmähen. Capri Sonne gibt es nämlich im „Standbodenbeutel“.

Oktober

Neuer Formel-1-Weltmeister ist Max Verstappen, der im Laufe der Saison jedes andere Team mindestens einmal von der Piste gefahren hat. Möglich, dass ihn Red Bull aber nicht wird halten können und er zum neuen deutschen Rennstall „Rasenball“ wechselt.

Bayern-Star Thomas Müller überrascht die Öffentlichkeit mit einer Mitteilung: Er ist Vater geworden. „Ich hätte es gerne früher verraten und zum Jubeln den Daumen in den Mund oder den Ball unters Trikot gesteckt. Doch dazu hätte ich ein Tor schießen müssen.“

Marathon-Herbstsaison mit den großen traditionellen Stadtläufen – und einem Newcomer: dem von Anna und Lisa Hahner veranstalteten „Ersten Hand-in-Hand-Marathon“. Die gesamte Strecke muss als Paar zurückgelegt werden, für Lächeln gibt es Zeitgutschriften.

November

Gestern galten sie noch als innovative Trainer, nun stehen Leute wie Julian Nagelsmann (Hoffenheim), Martin Schmidt (Mainz), Markus Weinzierl (Schalke) und Christian Streich (Freiburg) unten in der Tabelle. Auf den oberen Plätzen Friedhelm Funkel mit Überraschungs-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf, Dirk Schuster (Wolfsburg), Bruno Labbadia (HSV-Rückkehrer) – Trainer, die ihre Mannschaften nicht mit ausschweifenden Matchplänen überfrachten. Angebrochen sind „posttaktische Zeiten“.

RB Leipzig ist weit weg von höheren Regionen, freut sich aber, dass einer seiner Spieler ausgezeichnet wird: Timo Werner wird zum „Vogel des Jahres“ gewählt.

Dezember

Das Darts-Fieber erreicht China. Das größte Land der Welt kündigt an, in den kommenden fünf Jahren 20 000 Darts-Nachwuchszentren zu eröffnen mit 400 000 hauptamtlichen Trainern.

Hasan Ismaik hat von Fußball genug, seine Anteile verschenkt er. Die Erlebnisse als Investor verarbeitet er in einem Erzählband: „Märchen aus fünfzigundeiner Nacht.“ Die Sechziger feiern ihre Freiheit mit einer „Fünfzig plus zehn“-Party.

Die FIFA setzt ein Zeichen und entzieht Russland die Fußball-WM 2018. Als Ersatzausrichter bestimmt sie Katar.

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