Die Solidaritäts-Appelle fruchten

- München/Hamburg - Nach dem schwersten Wochenende ihrer Laufbahn konnten die deutschen Schiedsrichter zunächst einmal aufatmen. Die Appelle zur Solidarität mit den Referees angesichts des Manipulations-Skandals im deutschen Fußball hatten in den Bundesliga-Stadien weitgehend Gehör gefunden. "Spieler, Fans und Verantwortliche haben uns unsere Aufgabe nicht erschwert. Allen gebührt ein Riesenkompliment", meinte Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel.

Beispielhaft war etwa der Aufruf von Thomas Doll. Der Trainer des Hamburger SV mahnte kurz vor Beginn des Spiels gegen Mainz per Video-Botschaft im Stadion zu Fairness gegenüber Spielleiter Franz-Xaver Wack. Nur wenige Fans reagierten mit Pfiffen, obwohl sich gerade die HSV-Anhänger aufgrund des von Hoyzer verschobenen Pokalspiels ihres Teams in Paderborn betrogen fühlen dürfen. Ungeachtet diverser Transparente der Zuschauer ("Wir setzen alles!") machte Wack, der vor der Partie "besonders nervös" gewesen war, seine Sache insgesamt gut. Nachher freute er sich darüber, dass es so gut wie keine Anfeindungen gegeben hatte: "Die Fußball-Familie ist zusammengerückt. Das zeigt, dass man zu uns hält, wenn es uns Schiedsrichtern schlecht geht."

In Leverkusen wurde vor dem Match gegen Bochum alles zur Unterstützung von Uwe Kemmling getan. Der Klub ließ 10 000 Flugblätter verteilen, auf denen die Zuschauer zu Fairness gegenüber dem Referee aufgerufen wurden. Kemmling pfiff anschließend fehlerfrei.

Trotz der breiten Unterstützung für die Unparrteiischen fürchtet Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell (München) für die Zukunft Probleme: "Es wird noch zehn Jahre dauern, bis wir das Vertrauen wieder aufgebaut haben", meinte er.

In dieser Situation hält Trainer Matthias Sammer vom VfB Stuttgart eine Rückkehr zur Normalität für den besten Weg: "Man sollte sie in Ruhe pfeifen lassen, schließlich sind unsere Schiedsrichter weltweit die besten."

Referee Felix Brych allerdings musste bei der Partie Bielefeld - Hannover ein Fan-Plakat mit der Aufschrift lesen: "Felix, wir wissen, dass du Oddset spielst". Doch Brych ließ sich nichts anmerken. Mit dem Spiel hatte er keine Probleme.

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