Späths Vorstoß in die Weltspitze

- Garmisch-Partenkirchen - Am Anfang waren die Superstars. Mit vereinter Sangesfreude stimmten die zehn RTL-Barden im Olympiastadion von Garmisch-Partenkirchen den aufmunternden Titel an: "Believe in miracles." Glaube an Wunder. Georg Späth, 22, hielt sich prompt daran. Der Sportsoldat hatte schon auf seiner Heimschanze in Oberstdorf überrascht, Siebter war er da und egalisierte damit seine bisher beste Weltcupplatzierung. Beim Neujahrsspringen vor 30 000 Zuschauern aber präsentierte sich Georg Späth, wie man ihn noch nie gesehen hat. Als Weltklassemann nämlich.

<P>Dritter wurde der stille Mann aus dem Allgäu, geschlagen nur vom Norweger Sigurd Pettersen, Doppelsieger bei der Tournee nunmehr und Favorit, sowie Martin Höllwarth aus Österreich. Späth, der Beste einer starken deutschen Mannschaft (vier unter den Top 12) und nun auch Gesamtdritter (39,0 Punkte zurück), sagte zu seinem Sprung aufs Podest: "Es geht derzeit fast alles von alleine. Jeder Sprung ist wie der andere - er klappt."</P><P>Sven Hannawald kann das derzeit nicht von sich behaupten. Nach dem ersten Durchgang schimpfte er noch: "Die Probleme werden von Sprung zu Sprung mehr. Dass in so kurzer Zeit alles in die Hose geht, macht mich sprachlos." Im zweiten Versuch verbesserte sich der letztjährige Tournee-Zweite noch von Rang 12 auf 9. Es geht also aufwärts, wenngleich mit kleinen Schritten. Bundestrainer Wolfgang Steiert belobigte dennoch seinen immer noch schwächelnden Star: "Svens Leistung ist nicht hoch genug einzuordnen, viele haben ja heute damit gerechnet, dass er abstürzt."</P><P>Den Absturz vermieden, in der Gesamtwertung 12. (satte 74,2 Punkte hinter Pettersen), Hannawald muss sich derzeit mit ungewohnt bescheidenen Erfolgserlebnissen begnügen. Er sagte: "Ich habe meinen neunten Platz genossen." Noch schlichter sind die Fortschritte von Martin Schmitt. In Oberstdorf wurde er 27., diesmal 22. Nach dem ersten Versuch war er noch 15. Sein tröstlicher Befund: "Ein ordentlicher Versuch."</P><P>Auf weitaus höherem Niveau hat sich mittlerweile Michael Uhrmann stabilisiert. Mit Platz 7 behauptete sich der Ruhpoldinger in der Gesamtwertung auf Rang 4 (42,5 Punkte zurück). Dabei bremsten ihn Materialprobleme: "Es hapert mit dem Speed." Sein Ski lief rund 1 km/h langsamer als bei seinen Konkurrenten. Ins erfreuliche Gesamtbild (Steiert: "Eine starke Mannschaftsleistung") passte auch der Auftritt des 19-jährigen Maxi Mechler (12. gestern, 11. in der Gesamtwertung).</P><P>Nachdem in Oberstdorf die Gefühlslage im deutschen Lager noch sehr gemischt war, heiterte sich die Laune nun doch merklich auf. Das entspannteste Lächeln beherrschte dabei die freundlichen Gesichtszüge des Georg Späth. Die Freude über seinen gewaltigen Leistungssprung ließen finanzielle Aspekte nebensächlich werden. Er habe keine Ahnung, gestand er, wie hoch die Prämie für Platz drei sei. 10 000 Euro sind's immerhin. Späth zeigte sich angenehm überrascht. Steierts Meinung lagen sogar die 30 000 Euro, die der Sieger Pettersen kassierte, in Reichweite: "Georg hätte heute ohne Probleme siegen können, wenn er technisch besser gesprungen wäre", so das gestrenge Urteil des Cheftrainers. Eher nüchtern klang auch die Einschätzung von Späths Vorstoß in die Weltspitze: "Für mich ist das keine Überraschung. Er war schon im Training immer unheimlich gut."</P><P>Der bisherige Mann der Tournee aber ist Pettersen. Im Kampf um die Gesamtwertung hat der Norweger unter normalen Umständen wohl nur noch den diesmal um 0,7 Punkte geschlagenen Höllwarth (26,8 zurück) zu fürchten. Schon nach seinem Triumph nach Oberstdorf ist Pettersen gefragt worden, ob er sich stark genug fühle, um zwei Jahre nach Sven Hannawald als zweiter Athlet alle vier Tournee-Springen zu gewinnen. Seine gestrige Antwort blieb die gleiche: "Alles ist möglich."</P>

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