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Spanier fordern Aragones' Kopf

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- München - Zwei Mal hat der spanische Nationaltrainer Luis Aragones in den drei Monaten seit der WM schon seinen Rücktritt angeboten, sich aber immer zum Weitermachen überreden lassen. Nach Spaniens 0:2 im EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden verlangen Fans und Medien nun lauthals die Ablösung des 68-Jährigen. Aber jetzt will der Coach nichts mehr davon wissen. "Ich bleibe", erklärte er trotzig. "Ich habe im Fußball schon häufiger schwierige Situationen überstanden."

Die Spanier haben mit ihren Schlappen in Nordirland und Schweden ihren schlechtesten Start in einer WM- oder EM-Ausscheidung hingelegt. Sie laufen Gefahr, erstmals seit 16 Jahren bei einem großen Turnier zu fehlen. Zuletzt hatten sie 1992 bei der EM in Schweden zuschauen müssen. Die Fans, die das 0:2 im Rasunda-Stadion miterlebt hatten, skandierten: "Luis, tritt zurück! Hau endlich ab, Opa!"

Die Presse stimmte gestern ein. "Raus mit ihm!", forderte "El Mundo Deportivo" auf dem Titel. Und "Marca" ergänzte: "Das hält niemand mehr aus. Es muss etwas geschehen." Nach einer Umfrage fordern 90 Prozent der Fans Aragones' Kopf. Der Verband geht darauf jedoch nicht ein. "Wir halten an dem Trainer fest", sagte Präsident Angel Maria Villar.

Auch in Frankreich und England herrscht blankes Entsetzen. Der Vizeweltmeister musste sich nach der zweiten Niederlage im 32. Spiel unter Trainer Raymond Domenech harsche Kritik an der Chancenverwertung gefallen lassen. "Wie die Anfänger - die Mannschaft ist tief gefallen", lästerte "Le Parisien". Stürmer Thierry Henry traf beim 0:1 gegen den verlustpunktfreien Gruppenersten Schottland nur den Pfosten, zudem wurden Treffer durch Patrick Vieira und David Trezeguet nicht anerkannt. Torschütze Gary Caldwell sprach später von "einem der größten Triumphe in der Geschichte des schottischen Fußballs".

Der schottische Jubeltag wurde durch Englands 0:0 gegen Mazedonien weiter versüßt. Für die ohne den verletzten Münchner Owen Hargreaves spielenden Briten durfte zwar Wayne Rooney nach seiner Rot-Sperre wieder angreifen, doch das Jahrhunderttalent blieb wie das gesamte Team blass. "Es lief nicht gut für uns. Wir müssen uns steigern", forderte Rooney für die Partie am Mittwoch in Kroatien. England führt punktgleich mit Israel (1:1 in Russland) die Gruppe E an. "Ende der Flitterwochen", kündigte "The Sun" dem neuen Trainer Steve McClaren ab sofort eine härtere Gangart an.

Italien hat unterdessen nach zuvor nur einem Punkt aus zwei Spielen mit einem 2:0 über die Ukraine wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden. "Donadoni lacht wieder. Die schlimme Zeit ist vorbei", schrieb die Zeitung "Corriere dello Sport".

Nach seiner Kritik an den Medien hat Rehhagel durch den 1:0-Sieg gegen Norwegen wieder bessere Karten. Allerdings musste der frühere Bundesliga-Trainer länger als erwartet auf die Erlösung warten, da ein Gewitterregen den Anpfiff in Athen um 50 Minuten verzögerte. "Mit zwei Siegen in zwei Spielen kann man bislang zufrieden sein", bilanzierte er.

Die Niederländer suchen unterdessen weiterhin den Weg aus der Krise. Ohne die zurückgetretenen Mark van Bommel und Ruud van Nistelrooy kam Oranje in der Gruppe G nicht über ein 1:1 in Bulgarien hinaus. Bondscoach Marco van Basten meinte trotzdem trotzig, er sei zufrieden: "Wir wollten ordentlich spielen, das ist gelungen." Ob ordentlich auf Dauer reicht, ist aber zu bezweifeln. Van Bommel wird die Geschichte von München aus interessiert verfolgen.

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