Der Sport gerät zur schönen Nebensache

- Wer meist ein Leben im Verborgenen geführt hat, der hat für große Gesten in der Regel nicht viel übrig. Insofern wird es auch kaum jemand gewundert haben, dass man auch dem großen Tag des Reit-Clubs Halali kaum anmerken konnte, dass er ein besonderer war. Vielleicht waren es ja ein paar Leute mehr als sonst, die sich da in die kleine Galerie der alt ehrwürdigen Universitätsreitschule drängten. Vielleicht war die Stimmung eine Spur andächtiger und vielleicht galoppierten die Pferde ein wenig aufrechter als gewöhnlich durch den düsteren Innenraum. Aber so recht zeugten nur ein paar Zettelchen an der Wand davon, dass hier eine Institution Geburtstag feierte.

<P>Irgendwie typisch für diesen Klub, der sich mit seinen nunmehr 75 Jahren mit Fug und Recht als ältester Vertreter seiner Disziplin in München bezeichnen darf. Der Reit-Club Halali München hat selten lautstark auf sich aufmerksam gemacht. Er hat keine Reiter, die auf den Anlagen dieser Welt Medaillen sammeln würden. Er ist kein Treffpunkt der Massen. Dieser Verein führt sein Leben im Kleinen. Und er tut es gerne. "So haben wir schon etwas von einer Familie", sagt Bernd Neuß, ein Halali-Urgestein. Und genau dieses Gefühl ist es, das die rund 60 Mitglieder, die der Verein heute unter seinem Dach vereint, zusammenhält.<BR><BR>Wer einmal dazu gehört, den stört es nicht, dass Halali sportlich eigentlich wenig zu bieten hat. Selbst die wöchentliche Übungsstunde, die Dusan Tavornak, der Pächter der Reitschule am Englischen Garten, dem Urgestein der Münchner Reit-Clubs vorbehalten hat, ist für die Reiter nur gegen bare Münze zu haben. 19 Euro muss schon auf den Tisch legen, wer auf einem der Pferde, die die Schule ihren Gästen zur Verfügung stellt, an seinen Künsten feilen will. </P><P>"Keine Frage, das ist schon auch Geld intensiv", sagt Klub-Sprecherin Ellinor Gaaz. Aber der Sport ist für die "Halalier" ja auch gar nicht unbedingt der Hauptinhalt des Klublebens. Was sich auch bestens daran ablesen lässt, dass sich nur rund ein Drittel der Mitglieder als "Aktive" bezeichnen wollen, die von Zeit zu Zeit auch einmal bei Turnieren und Vergleichswettkämpfen mit den Vereinen der Umgebung in Erscheinung treten.<BR><BR>Im Mittelpunkt steht das Gesellschaftliche. Von den gemeinsamen Klubausflügen bis hin zu jener Tradition, die dem Verein einst maßgeblich bei der Namensgebung half: Einmal im Jahr, immer im Herbst, stellt der Verein im Englischen Garten eine Fuchsjagd nach. Und die Macher des Klubs wachen ziemlich eifersüchtig darüber, dass ihr funktionierendes Biotop inmitten der Großstadt nicht von außen in Schieflage gebracht wird. Wer sich dem RC Halali anschließen will, der muss nicht nur gut reiten können, sondern auch menschlich ins Gefüge passen. </P><P>Was Klubchef Andreas Schmitz und Kollegen in der Regel lieber nicht dem Zufall überlassen wollen. Man betreibt keine offene Mitgliederwerbung. Geeignet erscheinende Kandidaten werden in der Reitschule von Zeit zu Zeit gezielt angesprochen. Wer meist ein Leben im Verborgenen geführt hat, der möchte eben auch gerne im Verborgenen bleiben.<BR></P>

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