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Cathy Hummels und Vitor Pereira.

Make Giesing great again!

Cathy und der Portugal-Pep: Der nicht ganz ernst gemeinte Rückblick

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München - Es war ein wildes Jahr im Sport: eine etwa halbjährige Bayern-Scheidung von Pep Guardiola, Olympiaglanz im Favela-Elend und vieles mehr – wie das Ganze einzuordnen ist, weiß tz-Autor Jörg Heinrich.

Aber Vorsicht: bitte nicht alles ernst nehmen!

Der Heiland auf dem Eiland: Der FC Bayern macht die zweitspektakulärste Promi-Trennung des Jahres durch, nach Brangelina. Pep geht zu ManCity, den Heiland zieht’s aufs Eiland. Immerhin: Im Gegensatz zu Jolie und Pitt gibt’s keinen Streit um die Kinder, Joshua Kimmich bleibt in München. Und auch Pep bleibt – am Ende unvollendet. Aber Bayern schafft trotz Champions-League-Aus gegen Atlético das Triple: Meister, Pokalsieger und Transfer des Jahres! Denn in der Spielerfrauen-Bundesliga kehrt Catherine „Cathy“ Fischer-Hummels heim. Das Tolle daran: Die Kim Kardashian aus Dachau ist ein Eigengewächs und wurde bei Bayern zur Spielerfrau ausgebildet. Sie ist flexibel einsetzbar, sowohl als It-Girl als auch als Fashionista. Und ihren Mann bringt sie auch noch mit. Eine echte Freuverpflichtung! Als Ausgleich zu Glamour-Cathy setzt Pep-Nachfolger Carlo Ancelotti auf Bodenständigkeit: Manuel Neuer kehrt ins Tor zurück, und auch Fußballer mit einem IQ unter 150 kapieren die Taktik wieder. Das Experten-Urteil zu Carlo schwankt noch zwischen „Endlich sind Peps Fesseln weg“ und „Irgendwie hat uns Pep mehr gefesselt“. Das Comeback des Jahres feiert Alt- und Neupräsident Uli Hoeneß. Nachdem David Hasselhoff mit Looking for Freedom die Gefängnismauern niedergesungen hatte, bejubeln die Bayern-Fans Uli mit einem Autokorso an der Münchner Freiheit: „Ich will dich noch mal, ich will dich total!“

Tschö mit bleu: Bei der EM in Frankreich scheitert „Die Mannschaft“ im Halbfinale an Gastgeber Frankreich. Tschö mit bleu! Gleich zum Start gegen die Ukraine sucht Jogi Löw beim engagierten Griff in sein Beinkleid nach Antworten: Ist es ein enges Höschen heute? Haben wir die Ukraine im Sack? Löws geschickte Ballverlagerung von links nach rechts führt zu Schweinis gefeiertem letzten Länderspieltor. Doch die Stars der EM sind nicht die Deutschen, sondern die Isländer. Anstelle von Autokorsos reiten die Fans auf Island-Ponys durch die Städte. Und im Radio läuft pausenlos „La Island bonita“. Hu! Ansonsten ist die EM so fad, dass die Spiele in deutschen Krankenhäusern als Vollnarkose eingesetzt werden. Motto: Die Spieler geben schwach Gas, wir sparen uns das Lachgas!

Lach- und Danebenschießgesellschaft: 2016 wiegen die Löwen ein letztes Mal alle Konkurrenten in trügerischer Sicherheit, um dann ab 2017 unwiderstehlich Richtung Weltherrschaft zu stürmen. Dieses Jahr bleibt’s bei der Lach- und Danebenschießgesellschaft allerdings noch kompliziert. Wenn kleinere Trainerwechsel mitgezählt werden, kommt man auf die Zahl sechs. Der Cassaletten-Recorder muss ständig die gleiche Platte abspielen, Münchens größte Blaustelle kommt nicht zur Ruhe. Hasan Ismaik, der Gerhard Polt der Wüste, will ein Stadion mit echten Löwen bauen, eine Mischung aus Hellabrunn und Kolosseum. Völlig zu Unrecht rügt die Münchner Rügenpresse immer neue Niederlagen. Selbst, wenn 60 gewonnen hat, steht in der Zeitung „Schon wieder verloren“ – findet zumindest der postfaktische Investor. Doch es gibt auch gute Nachrichten: Das Löwenstüberl, der Christl Palace von der Grünwalder Straße, bleibt erhalten. Und mit Vitor Pereira, dem Portugal-Pep, haben die Löwen einen Prachttrainer gefunden, der die Münchner Jammerspiele endlich beenden soll. Make Giesing great again!

Da Bach-blüht gar nix: Am 5. August ereilt die Welt diese Krankmeldung: Das olympische Feuer ist entzündet! Viele Sportfans hatten schon länger das Gefühl, dass es ihrer ehemaligen großen Flamme gar nicht mehr gut geht, doch in Rio bricht die Krankheit offen aus. Entzündungshemmende Mittel versagen ebenso wie sanfte Naturmedizin. Da Bach-blüht gar nix in Brasilien. Und auch die Angina corruptis scheint unheilbar. IOC-Boss Thomas Bach denkt schon über Olympia in Katar nach – man kann die Geschäfte mit den Diktatoren schließlich nicht allein dem Fußball überlassen. Noch ist allerdings unklar, ob Katar Sommer- oder Winterspiele bekommt, oder beides gleichzeitig. Vor Rio ergibt der McLaren-Report, dass gedopte russische Läufer oft schneller unterwegs sind als Formel-1-Autos. Und das alles ist jammerschade. Denn an sich ist Olympia so ein großartiges Ereignis – nur traurig, dass es vom IOC veranstaltet wird. Das ist ungefähr so, wie wenn einem Donald Trump den besten Schweinsbraten der Welt auftischt. Aber nicht einmal Bach und sein IOC können uns den Spaß an tollen Olympiasiegern wie Reckturner Fabian Hambüchen, den Beachvolleyballerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst oder den Fußballfrauen verderben.

Kroos und sein Toni-Polster: Was gibt’s 2016 noch im Fußball? Weltmeister Toni Kroos unterschreibt bei Real Madrid einen Megavertrag, der ihm bis zum Jahr 2022 insgesamt 120 Millionen Euro bringt. Er hat jetzt ein Toni-Polster und wird der deutschen Rentenkasse nicht mehr zur Last fallen. In England wird Leicester City, das Darmstadt 98 von der Insel, sensationell Meister. Das ist der Unterschied zwischen Premier League und Bundesliga: Bei uns lästern viele über den Meister, in England wird Leicester Meister. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus wird weiterhin nicht in die Bundesliga befördert. Begründung des DFB: Sie tritt zu dominant auf. Der Verband wünscht sich, dass Bibi Rudelbildungen eher auf frauliche Art löst: „Wollt’s nicht erst einmal einen Prosecco?“ Amazon bekommt ab 2017 Fernsehrechte an der Bundesliga, Heute im Stadion wird umgetauft in „Heute im Warenkorb“. Auch hier soll prompt geliefert werden – am Freitag einen Bayernsieg bestellt, am Samstag schon da. Bei einem Amateurspiel in Schweden wird ein Kicker wegen Pupsens vom Platz gestellt. Olli Kahn zeigt Verständnis: „Auch in den unteren Klassen wird der Druck immer größer.“ Stefan Effenberg scheitert mit seinem waghalsigen Experiment, aus dem Expertendasein ins Berufsleben zurückzukehren. Er wird in Paderborn gefeuert, als sich rausstellt, dass er weder Trainer- noch Führerschein hat. Davon abgeschreckt, verlängern Mehmet Scholl und Lothar Matthäus ihre Expertenverträge in aller Eile bis ins Jahr 2038.

Boris sucht Doris: Ein Experte hat dann doch den Absprung geschafft: Boris Becker wirkt als Coach von Novak Djokovic drei Jahre lang überaus erfolgreich. Respekt! Ende 2016 ist trotzdem Schluss, und Becker fahndet nun nach einem neuen Spieler – oder einer neuen Spielerin. Er kann sich auch einen Job im Frauentennis vorstellen: Boris sucht Doris! Angelique Kerber schafft es auch ohne Becker bravourös zur Nummer eins. Und Horst Seehofer entgleisen vor lauter Schreck die Züge, als er vor dem Finale der Australian Open in allen Zeitungen liest: „Angie, du schaffst das!“ Sein verzweifelter Brief an Serena Williams, den Spuk sofort zu beenden, kommt zu spät in Melbourne an. Nico Rosberg schafft es auch, wird Formel-1-Weltmeister – und ist vom Schaffen so geschafft, dass er es schafft, gleich danach zurückzutreten. Nun ist der junge Mann mit 31 Frührentner, und seine ersten Zukunftspläne sind bekannt. In einer Neuverfilmung von Loriots Pappa ante Portas ist Nico zu sehen, wie er als umtriebiger Pensionist Frau und Tochter auf die Nerven fällt: „Habe das Auto gewaschen“, „War mit dem Auto beim Tanken“. Highlight: Nico kauft 20 000 Scheibenwischer für seinen Mercedes, die gerade im Angebot sind.

Am Ende noch die traurigste Meldung des Jahres: Muhammad Ali stirbt mit 74. Der Champ war schon vor 50 Jahren klüger als mancher Politiker heute: „Leute aufgrund ihrer Hautfarbe zu hassen, ist falsch. Und es ist egal, welche Farbe hasst. Es ist grundsätzlich falsch.“ Heute meinen viele, sie wären die Größten. Muhammad Ali war der Größte.

Jörg Heinrich

Gewinner und Verlierer des Sportjahres 2016

Gewinner und Verlierer des Sportjahres 2016

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