Stark mit der linken Geraden

- So schön, wie sie ist, hätte sie Grund genug gehabt, harte Schläge an den Kopf zu fürchten: Doch noch immer sitzt die Nase kerzengrade zwischen den großen, blauen Augen. Ein Hauch afrikanischer Schönheit liegt in den Gesichtszügen der bayerischen Boxerin. Vielleicht rührt die Bewunderung für Muhammad Alis Tochter Leila auch daher.

 Die 19-jährige Münchnerin Cindy Metz ist zwar noch nicht Profiweltmeisterin. Aber immerhin war sie 2003 schon Vizeweltmeisterin der Kickbox-Amateurinnen. Neben Amateurweltmeisterin Christine Theiss ist Metz damit erfolgreichste Kickboxerin der Stadt. Beim Boxen hält sie allein die lokale Spitze. Vor allem ist Cindy Metz aber ein hoffnungsvolles Talent auf nationaler und internationaler Ebene.

"Über Risiken habe ich mir nie Gedanken gemacht. Ich wollte boxen und bin da reingegangen" - wenn Cindy Metz spricht, tut sie das knapp und schnörkellos. Schon als Kind hat sie es so gemacht. Hat nicht viel geredet, aber viel Sport getrieben. Mit elf war es Karate, mit 14 wurde daraus Kickboxen und zwei Jahre später kam Boxen dazu. Klassisches Boxen liegt ihr am meisten. Ab kommendem Jahr will sie sich darauf besonders konzentrieren. Kampfsport, sagt sie, sei Seite ihres Frauseins. Und als Frau fühlt sich die Faustkämpferin mit der Mannequinfigur "ganz und gar".

Ihr Kampftalent hat etwas mit Tochtersein zu tun: Metz` 47-jähriger Vater war schon Dritter bei den Kickboxweltmeisterschaften der Senioren. Die Mutter trainiert den Sport seit ein paar Jahren. Und Schwester Corinna boxt ebenfalls erfolgreich. Wer Cindy Metz in Aktion gesehen hat, beispielsweise beim Gewinn der internationalen, deutschen Profimeisterschaft nach Version der World Kickboxing Association (WKA) im vergangenen Dezember, versteht ihren Hang zum Boxen.

Selten setzte sie Kicks ein. Dafür platzierte sie starke Geraden, besonders mit der linken Führhand: "Meine Stärke". So hielt sich Metz die temperamentvolle Klara Lochova auf Distanz. Dominierte mit dynamischer Ruhe, ihrem Markenzeichen. Doch mit einer blitzschnellen Attacke demonstrierte sie gegen Ende ihr breites Spektrum.

Die sportliche Klasse der Athletin lässt sich an Titeln wie dem der Vizeweltmeisterin, der erwähnten internationalen deutschen Profimeisterin und auch der deutschen Profimeisterin nach Version der International Sport Kickboxing Association (ISKA) ablesen. 2005 wurde Metz Kickbox-Europameisterin der Amateure. Bei den Boxerinnen ist sie deutsche Amateurmeisterin.

Diese Siege erkämpfte die schlanke 54-Kilo-Frau, während in der Ringecke ihre beiden Trainer, die Ex-Kickboxweltmeister Pavlica und Mladen Steko, sekundierten. "Etwas Besseres, als von solchen Kämpfern trainiert zu werden, kann mir nicht passieren", sagt Metz. In der Wettkampfphase sind es bis zu zehn Trainingseinheiten wöchentlich, die sie parallel zu ihrer Ausbildung als Gastronomiefachfrau in einem der beiden Münchner Steko-Gyms durchzieht.

Heuer steht vor allem die Verteidigung der Kickbox-Titel an. Beim Boxen überlegt sich Metz die Teilnahme an der Profieuropameisterschaft. "Ich bin als Ich in den Sport reingegangen. Und ich bleibe ich" - mit boxerischen Vorbildern will sich Cindy Metz nicht belasten. Auch interessieren sie sportliche Vorgeschichte, Stil und Qualifikation ihrer Gegnerinnen nicht. Kein falscher Respekt soll lähmen. Bisher ist sie damit gut gefahren. "Ich habe noch nie eine Gegnerin unterschätzt." Das spricht für Charakter. In puncto Vorbild lässt sich die Münchnerin dann doch noch den Respekt vor "der Ali" herauslocken. Der Glaube an sich selbst ist ihr dagegen deutlich anzumerken. So müssen Boxerinnen sein.

Auch interessant

Kommentare