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Startpass nur nach Herzcheck

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Todesfälle bei Volksmarathons: - Neuss - Mediziner fordern nach den Marathon-Toten an der Ruhr, dass Läufer im fortgeschrittenen Alter Startpässe künftig nur noch nach gründlichem Herzcheck erhalten. Vorschäden und Überforderung aus falschem Ehrgeiz sind aus Sicht der Experten eine tödliche Kombination.

Doch zu Panik besteht kein Grund: "Gesunde Läufer haben nichts zu befürchten, sie können sich auch mal überfordern", sagt Dr. Joachim Schubert als medizinischer Chef der Veranstaltung beim Ruhr-Marathon.

Bei dem Lauf mit über 20 000 Teilnehmern hätte es am Sonntag fast noch ein drittes Opfer gegeben, doch der von der Polizei bereits als tot gemeldete 53-Jährige konnte noch gerettet werden. "Zustand nach Reanimation" erklärte Jens Koralewski als Pressesprecher der Veranstaltung, bei der es schon vor zwei Jahren ein Opfer gegeben hatte. Bei dem 56 Jahre alten Walker erwies sich das Herz als vorgeschädigt - ein klassischer Fall.

Tote beim Silvesterlauf in Bietigheim/Baden-Württemberg, am 1. April beim Berliner Halbmarathon (39-Jähriger), am 23. April bei extremen Bedingungen in London (Opfer war erst 22) - das sind die Zahlen des Jahres. Zwei Tote bei einem Rennen hatte es in den beiden letzten Jahren in Stuttgart (2005) und Los Angeles (2006) gegeben.

In fast allen Fällen konnten Notärzte nicht mehr helfen, auch wenn wie beim Ruhr-Marathon 60 (außerdem 600 Rot-Kreuz-Helfer) im Einsatz und binnen drei Minuten zur Stelle waren. Viele Läufer der schwächeren Leistungsklasse wirkten laut Dr. Schubert, einst Bundesliga-Arzt beim VfL Bochum, vom Marathon überfordert ("Bei Bluthochdruck lebensgefährlich"), waren übergewichtig, im fortgeschrittenen Alter zu ehrgeizig, schlecht vorbereitet (ohne Frühstück) oder hatten wie in einem Fall Fieber.

Dr. Willi Heepe, langjähriger Rennarzt beim Berlin-Marathon, sagt: "Aus einer soliden Laufbewegung wurde eine Event-Bewegung. Viele trainieren wie wild, haben teilweise Vorschäden. 80 bis 90 Prozent der Todesfälle im Sport hängen mit Herzmuskelentzündungen zusammen, die nur durch Spezialuntersuchungen erkennbar werden." Heepe fordert mehr Risiko-Aufklärung durch Veranstalter und präzise kardiologische Untersuchungen.

Professor Wilfried Kindermann, Chefmediziner des deutschen Olympiateams und der Fußball-Nationalmannschaft: "Marathon-Starts dürften bei Läufern über 35 Jahren oder Sportanfängern künftig nur noch möglich sein, wenn eine gründliche ärztliche Untersuchung des Herzens vorausgegangen ist." Der Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Saar-Universität fordert gründliche Anamnese, um über Vorerkrankungen informiert zu sein, eine internistische Untersuchung mit Belastungs-EKG, bei Unregelmäßigkeiten weitere Überprüfungen.

Sollte alles erfolgreich absolviert sein, könnte dies eine Bescheinigung "sporttauglich für Marathonlauf" bestätigen. Diese dürfe nicht älter als ein Jahr sein, um Startrecht zu erhalten. Zur Tatsache, dass es sich fast bei allen Marathon-Toten um Männer handelt, sagt Kindermann: "Ab 50 nehmen beim Marathon die Risiken für das Herz-Kreislauf-System zu, vor allem die Kranzgefäße sind das Problem. Bei Frauen setzt dieser Effekt zehn bis 15 Jahre später ein. Wobei die Frauen mächtig aufgeholt haben, weil so viele rauchen." sid

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