Steroide bleiben der Renner

- Helsinki - Der Leichtathletik-Weltverband IAAF reagiert bei der WM in Helsinki mit einer Groß-Offensive auf die Dopingfälle der jüngsten Vergangenheit und verdoppelt die Zahl der Kontrollen unter den gut 1800 Athleten aus 196 Ländern auf 850. Bei Olympia in Athen verloren drei Werfer ihr Gold wegen Dopings. In der Geschichte der Leichtathletik-WM wurden sieben Sieger der Manipulation überführt, zuletzt 2003 in Paris 100- und 200-m-Weltmeisterin Kelli White (USA).

"Es ist das ehrgeizigste und umfassendste System von Tests, das es je bei einer WM gab", sagt Weltverbands-Präsident Lamine Diack (Senegal). In Paris waren nur 405 Kontrollen genommen worden. Damals wurden neben White drei Finalisten überführt: Fouad Chouki (Frankreich/1500 m) sowie die Amerikaner Kevin Toth (Kugelstoßen) und Chris Phillips (110 m Hürden). >p> "Erstmals können auch Fremdblut-Doper entlarvt werden, aber anabole Steroide werden der Renner bleiben", sagt Wilhelm Schänzer, Leiter des vom IOC akkreditierten Dopinglabors in Köln. Wachstumshormone können wie 2004 in Athen noch immer nicht hinreichend nachgewiesen werden, doch Proben werden dauergelagert und nach Beseitigung der technischen Probleme analysiert. Schänzer schließt nicht aus, dass Athleten erst mit viel Zeitverzug überführt werden könnten.

Helmut Digel, Vizepräsident des Weltverbandes, ereiferte sich angesichts des amerikanischen Vorschlages, nur Anabolika-Doping künftig lebenslang zu bestrafen: "Dieser Antrag ist von der Substanz her peinlich, wenn man weiß, mit was heute so gedopt wird." Digel rechnet mit neuen Tricks der Athleten, nachdem die ungarischen Olympiasieger Robert Fazekas (Diskus) und Adrian Annus (Hammer) in Athen mit Fremdurin erwischt worden waren. Aber auch die Fahnder seien klüger geworden. Digel rechnet daher "eher mit einer friedlichen WM, nicht mit einer hohen Zahl an positiven Proben". In Helsinki werden schon vor den Wettkämpfen 350 Athleten beim Einzug ins Olympische Dorf von 1952 kontrolliert (Urin und Blut). Während der Titelkämpfe werden bei 500 Athleten Urin-Tests genommen, bei 100 von ihnen zusätzlich Bluttests.

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