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Boulderin Meul begeistert den Königsplatz: „Ich hatte Gänsehaut“

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Von: Thomas Jensen

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Lachte: Hannah Meul. afp
Lachte: Hannah Meul. afp © TOBIAS SCHWARZ

Welche eine Begeisterung und welch Emotionen am Königsplatz. Hannah Meul bouldert zu Silber hinter Olympiasiegerin Janja Garnbret

München – Hannah Meul lehnte ihren Kopf nach hinten und lachte die Menge auf dem Königsplatz an. Gerade hatte sie den dritten von vier Bouldern im Boulderfinale am Sonntag „geflasht“, also auf den ersten Versuch durchklettert. Dafür gibt es beim Bouldern extra viel Punkte, für die 21-Jährige entscheidend auf dem Weg zur Silbermedaille.

„Träumen darf man ja, aber das dieser Traum jetzt Realität ist, das ist unglaublich“, sagte die gebürtige Frechenerin (bei Köln) später im TV. Nur eine war besser gewesen: Die Überfliegerin Janja Garnbret, die auch am Vortag im Lead, – Klettern am Seil – Gold geholt hatte.

Vereint waren die Deutsche und die Slowenin nicht nur auf dem Podest (mit derFranzösin Oriane Bertone), sondern auch in ihrer Meinung zur Stimmung auf dem Königsplatz vor 5 000 Zuschauern. „Genial, vor so einem Publikum zu klettern. Ich hatte Gänsehaut“, sagte Meul schon am Samstag, als sie im Lead 7. wurde. Die 23-jährige Garnbret formulierte es so: „Wenn die Menge so abgeht, spürt man das. Es treibt einen an, noch zwei oder drei Griffe mehr zu packen, als man gedacht hat.“

Bei Meul könnte dieser Effekt eine große Rolle gespielt haben, denn die Phase vor der EM lief für sie holprig. Wegen einer Corona-Infektion im Juni verpasste sie einige Weltcups, und fühlt sich erst seit im August an der Wand „wieder nach mir selbst“, wie sie im Vorfeld gemeint hatte. Die Hoffnungen auf die Medaille gab sie trotzdem nicht auf, dazu war die Saison zu stark. Ihre ersten beiden Podeste im Weltcup hatte sie erbouldert und auch im Lead waren ihr erstmals Top-10-Ergebnisse gelungen.

Ihre Fähigkeiten waren also nicht mehr geheim, wohl aber etwas, von dem sie nach dem Silber-Coup sprach: „Es war mein geheimer Wunsch, alle Finals zu klettern. Ich habe mich nicht einmal getraut, das für mich selbst auszusprechen.“ Dieses Ziel hat sie erreicht, durch ihre guten Ergebnisse hat sie sich für das Boulder & Lead Finale am Mittwoch und Donnerstag qualifiziert. Das neue Kombinationsformat wird so auch bei den Olympischen Spielen 2024 ausgetragen. „Ich gebe nochmal alles“, sagte Meul.

Vorgenommen hatten sich das auch die deutschen Männer, die aber ohne Medaille blieben. Alexander Megos (29) und Yannick Flohé (23) wurden im Lead am Sonntag 5. und 6., im Bouldern hatten sie es am Samstag nicht ins Finale geschafft. Flohé hatte sich da über die Routen beschwert, nachdem er im Halbfinale ausgeschieden war. „Das war ein einziger Haufen Mist“, berichtete der Essener der die Griffabfolge als zu schwierig und teilweise „nicht wettkampftauglich“ empfand. THOMAS JENSEN

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