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Jan-Lennard Struff steht mit Atemmaske auf dem Tennissplatz
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Mit Maske: Jan-Lennard Struff aktuell in Australien

Tennisstar Jan-Lennard Struff über seine Quarantäne in Australien, Wettbetrug und „echte Liebe“

Struff: „Das Ziel für 2021: Mein erster Turniersieg“

  • vonDaniel Müksch
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Bald ist es geschafft: Nur noch wenige Tage dann haben die ersten Tennis-Profis in Australien die Quarantäne überstanden. Ab diesem Moment können sie sich auf dem fünften Kontinent so frei wie momentan fast nirgendwo auf der Welt bewegen. Bis dahin heißt es aber auch für Jan-Lennard Struff: fünf Stunden Training am Tag auf der Anlage – die übrigen 19 Stunden des Tages muss der 30-Jährige auf seinem Hotelzimmer verbringen. Im Interview mit unserer Zeitung verrät die Deutsche Nummer zwei, wie er sich die vielen Stunden in Australien alleine vertreibt, was sich im Profitennis dringend ändern muss und wie gefährlich unmoralische Angebote für ihn sind.

  • Mit Netflix vertreibt sich Struff die Zeit in der Quarantäne
  • Struff hört immer wieder Geschichte über Wettbetrug im Tennis
  • Er hofft, dass die Emotionen bald wieder in der Sport zurückkehren

Jan-Lennard Struff, die Saison 2021 nimmt Fahrt auf. Wie lauten Ihre Ziele für das Jahr?

In diesen Zeiten von Zielen für die gesamte Saison zu sprechen, ist schwierig, da sich die Umstände von Woche zu Woche kolossal ändern können. Dennoch habe ich mir vorgenommen, mein erstes ATP-Turnier zu gewinnen. Das ist mir sehr wichtig und würde mir viel bedeuten. Ein paar Mal war ich knapp dran. In 2021 soll es endlich für einen Einzeltitel reichen.

Haben Sie sich an das Leben eines Profis in der Pandemie gewöhnt?

Uns geht es da nicht viel anders als allen anderen Menschen, die mit Corona-Maßnahmen leben müssen. Man gewöhnt sich an den Alltag mit den Einschränkungen. Wir haben das Glück, dass wir trotzdem unseren Beruf weiter ausüben können. Andere Sportler und vor allem andere Berufsgruppen sind viel dramatischer betroffen.

Beeinflussen die Einschränkungen Ihren Alltag?

Auf jeden Fall. Die Maßnahmen werden zur neuen Normalität. Wenn ich zum Beispiel zu Hause mit meinem Sohn spazieren gehe und eigentlich keine Maske tragen müsste, fühlt es sich merkwürdig an und ich suche hektisch nach einer Maske. Es geht ein Stück Unbekümmertheit verloren und das ist mental nicht einfach zu verarbeiten.

Was vermissen Sie als Tennisprofi am meisten bei der Tour aufgrund der Corona-Beschränkungen?

Sich einfach frei bewegen zu können. Wir haben als Profis unter normalen Bedingungen das Glück, in vielen tollen Städten spielen zu dürfen. In denen versuche ich sonst, mir so viel anzuschauen wie möglich. Das fällt jetzt alles weg. Auch mal mit den anderen Jungs essen zu gehen, Spaß zu haben. Das kann keine WhatsApp-Gruppe auffangen.

Mussten Sie als Familienvater überlegen, ob Sie überhaupt nach Australien fliegen?

Nein. Ich bin Tennisprofi. Das hier ist mein Job. Daher war es für mich klar, nach Australien zu fliegen.

Wie verbringen Sie die Zeit in der Quarantäne?

Ich mache im Hotelzimmer ein paar Workouts, habe mir genügend Bücher mitgenommen, schaue ein bisschen Netflix. Bestelle mir öfters was zu essen. Und am Anfang musste ich auch erst einmal mit dem Jetlag klarkommen.

Sehen Sie auch positive Dinge, die die Pandemie mit sich bringt?

Auf den ersten Blick ist es sicher schwierig, dieser Pandemie positive Dinge abzugewinnen – zumindest in Bezug auf die Tennisprofitour. Wenn überhaupt, dann sehe ich mit viel Respekt, wie viele Menschen mit großer Leidenschaft daran arbeiten, dass die Tour stattfinden kann. So wie die Veranstalter hier in Australien. Alle versuchen, es uns so angenehm wie möglich zu machen.

Dieses Jahr laufen Sie für den TC Großhesselohe in der Bundesliga auf. Wie kam es dazu?

Den Verein kenne ich seit Jahren und habe mich dort immer superwohl gefühlt. Vor ein paar Jahren bin ich beim Challenger IsarOpen bis ins Finale kommen – ich verbinde mit der Anlage viele positiven Erinnerungen und kenne einige Leute dort.

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass beim Turnier in Halle im Sommer mutmaßlich Wettmanipulationen stattgefunden haben. Was denken Sie, wenn sie solche Schlagzeilen lesen?

Als ich davon erfahren habe, dachte ich zunächst einmal: krass. Es betrifft ja bestimmt nicht nur das Turnier in Halle. Ich habe dort super gerne gespielt, und es war ein tolles Event. Ich hatte damals die Möglichkeit, vor den US Open Matches auf Hartplatz in Deutschland zu bestreiten. Dass jetzt ein solcher Verdacht im Raum steht, tut mir für die Verantwortlichen in Halle um Andre Begemann sehr leid, da sie aus meiner Sicht einen super Job gemacht haben.

Wir präsent sind Wettmanipulationen im Profitennis?

Es gibt immer Spieler, die für solche Angebote empfänglich sind. Ich persönlich habe noch nie eine Anfrage zur Wettmanipulation erhalten. Aber natürlich hört man von Geschichten, dass es vorkommt. Hauptsächlich bei kleineren Turnieren.

Weil die Spieler dort empfänglicher sind.

Genau. Diese Profis haben einfach viel größere Probleme, mit dem Sport ihr Leben zu finanzieren. Sie stehen finanziell teilweise am Abgrund. Nehmen wir einfach mal an, ein Spieler bekommt dort 5000 Euro angeboten, damit er ein Match freiwillig verliert. Das ist für ihn im Vergleich zu dem niedrigen Preisgeld verlockend. So kann er seine Fixkosten für die nächsten Wochen erst einmal abdecken.

Also haben die Spieler keine Alternative?

Doch, natürlich. Für mich gibt es keine Entschuldigungen, auf solche Angebote einzugehen. Dafür bin ich zu sehr Sportler. Vielmehr sollte man für eine gerechtere Preisgeldverteilung arbeiten. Das ist der Weg und nicht, Matches für Geld abzuschenken. Dafür ist niemand Profi-Sportler geworden.

Sie bewegen sich in einer ganz anderen Preisgeldliga. Ist das Thema in Ihrem Umfeld daher überhaupt Gesprächsthema?

In jeder Liga werden Spieler mit diesem Thema konfrontiert. Wir Tennisprofis sind verpflichtet, jegliche Art von Anfragen oder Vorfällen in Richtung Manipulation an die TIU zu melden, sonst können wir sanktioniert werden.

Bei vielen Fußball-Fans ist etwas weniger Leidenschaft für ihren Club durch Covid-19 eingetreten. Hat Ihre „echte Liebe“ zum BVB auch gelitten?

Ich muss gestehen, ein wenig schon. Die Leidenschaft, mit der man die Spiele verfolgt, ist nicht so intensiv. Der Sport lebt von den Emotionen und die bleiben auf der Strecke. Aber ich bin absolut optimistisch, dass mit den Fans in den Stadien auch die Emotionen in gewohnter Stärke zurückkommen. Im Tennis wie im Fußball.

Interview: Daniel Müksch

Kraftvoll: Jan -Lennard Struff

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