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Highspeed und Tradition: Hinze und das dramatische Fotofinisch

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Von: Günter Klein

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Moment der Sprinter: Der Niederländer Fabio Jakobsen triumphierte auf der Leopoldstraße.
Moment der Sprinter: Der Niederländer Fabio Jakobsen triumphierte auf der Leopoldstraße. © epa/LEONHARD SIMON

Im Sprint und dem 1000-Meter-Zeitfahren gibt‘s weiteren deutschen Bahnrad-Medaillen. Emma Hinze ist nach ihrer Goldmedaille platt.

München – Am Dienstag wird auf der Münchner Radrennbahn in der Messe Riem Keirin und Madison gefahren, diese neuen Disziplinen, die beim ersten Zuschauen den Eindruck erwecken, man bräuchte ein mehrsemestriges Studium, um sie zu verstehen. Der Montag aber ließ das Herz der Traditionalisten Sprünge vollführen.

Auf dem Programm: Sprint der Frauen und das zum Bedauern vieler nicht mehr olympische 1000-Meter-Zeitfahren der Männer. Für die deutsche Mannschaft gab es nach einem erfolgreichen Wochenende (Gold für Emma Hinze über 500 Meter, Gold und Silber für Mieke Kröger und Lisa Brennauer in der Einzel-Verfolgung, EM-Titel auch für Nicolas Heinrich in der Verfolgung, Silber für Theo Reinhardt im Ausscheidungsfahren) weitere Medaillen: Emma Hinze, die Zuverlässige, gewann Gold, und Maximilian Dörnbach holte Bronze über die 1000 Meter.

Sprint ist das Überleben des Stärkeren, Rücksichtsloseren. Die Blicke gehen nicht nach vorne auf die Bahn, sondern auch zur Seite (böses Stare-down beim Start) und während der Fahrt auch nach hinten – nicht dass man überrascht wird. Das Finalduell der Frauen zwischen Emma Hinze und Laurine van Riessen wurde zum Best of Three, die dritte Runde brachte die Gold-Entscheidung zugunsten von Emma Hinze – nach Auswertung des Zielfotos brach der Jubel aus.

Hinze fuhr auf der letzten Rille: „Ich hatte Magenprobleme, musste mich nach erstem und zweitem Lauf übergeben und hätte nicht gedacht, dass ich gewinne.“ Als hilfreich für die Regeneration erwies sich eine halbstündige Unterbrechung nach einem Sturz mehrerer Frauen im Omnium (zwei mussten auf der Trage von der Bahn gebracht werden). Den Start im Keirin strich sie: „Ich habe entschieden: Das war’s jetzt.“ Sie verlässt München als dreifache Europameisterin.

Max Dörnbach Dritter und mit Marc Jurczyk ein zweiter Deutscher im Finale (Platz 6) – bei der Hatz über den Kilometer, den Sieger Melvin Landerneau (Frankreich) als Einziger unter einer Minute schaffte, herrschte in der Messehalle C1 gute alte Sechstagerennen-Stimmung. Allein gegen die Uhr – wenigstens bei der EM lebt dieser epische Kampf noch. Glorreiche Geschichte verblasst. „Mir liegen die 1000 Meter – aber es sind immer weniger, die das machen. Denn in den Verbänden wird sich nach dem gerichtet, was olympisch ist“, erklärt Marc Jurczyk. Er ist daher vor allem im Sprint unterwegs. „Mit Madison ist eine schöne Disziplin dazugekommen.“ Wäre der Kilometer weiterhin olympisch, „müsste man Entscheidungen treffen, was man als Sprinter fährt.“ Daher: „Lachendes und weinendes Auge.“

Moment der Sprinter: Der Niederländer Fabio Jakobsen triumphierte auf der Leopoldstraße.
Moment der Sprinter: Der Niederländer Fabio Jakobsen triumphierte auf der Leopoldstraße. © epa/LEONHARD SIMON

Auf der Bahn sind die Starterfelder übersichtlich, die Hierarchien klar, die Beteiligten wissen im Voraus, was drin sein kann. Auf der Straße ist das nicht der Fall.

Das konnte man am Sonntag sehen, als das über 200 Kilometer lange Rennen mit einer Spurt-Entscheidung endete. Kernig war der Kurs zum Beginn gewesen, nach dem Start in Murnau, Kesselberg inklusive kamen 1200 Höhenmeter zusammen. Die Bilder waren wie vom bayerischen Tourismusbüro bestellt, der Österreicher Lukas Pöstlberger und der Schweizer Silvan Dillier fuhren lange als Ausreißer vorneweg, das Auge der Fernsehzuschauer konnte über die Landschaften schweifen.

Den Sieg holte sich der Niederländer Fabio Jakobsen im Sprint auf der Münchner Leopoldstraße. Bester Deutscher war als 18. Phil Bauhaus, der Sprinter im Team. Schneller Mann – aber nicht so fix wie die Jungs von der Bahn.

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