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Deutsche Wimbledon-Sensation Maria trifft im Halbfinale auf Vertraute: „Sieht meine Kinder fast als ihre an“

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Tatjana Maria
Hat sich im deutschen Duell gegen Jule Niemeier durchgesetzt: Tatjana Maria in Aktion. © Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Mit ihrem bekannten Slice und besonderer Geschichte will Tatjana Maria ins Wimbledon-Finale einziehen. Dabei trifft sie in Ons Jabeur auf eine ihrer besten Freundinnen.

London - In Wimbledon greift eine kaum bekannte deutsche Tennisspielerin nach der Sensation: Tatjana Maria ist nur noch zwei Siege vom Sensationstitel entfernt. Nach dem Viertelfinalsieg im deutschen Duell mit Jule Niemeier trifft die 34-Jährige beim Rasen-Klassiker nun am Donnerstag auf die Weltranglisten-Zweite Ons Jabeur aus Tunesien. Die Geschichte der zweifachen Mutter Maria fasziniert die Tennis-Welt.

Maria ist die Nummer 103 der Weltrangliste, ist bei Grand-Slam-Turnieren bisher noch nie über die dritte Runde hinausgekommen, mit 34 Jahren befindet sie sich außerdem im Spätherbst ihrer Karriere. Auch ihre Technik spricht vor allem auf Rasen nicht für sie: Maria spielt Vor- und Rückhand überwiegend als Slice, also mit Schnitt. Auf Rasen ist das im Vergleich mit den harten und platzierten Schlägen ihrer Konkurrentinnen eher ein Nachteil. Und trotzdem steht die 34 Jahre alte Deutsche im Halbfinale des wohl prestigeträchtigsten Tennis-Turniers der Welt.

Tatjana Maria im Wimbledon-Halbfinale: Duell gegen Ons Jabeur größter Auftritt ihrer Karriere

Das Duell am Donnerstag (Beginn um 14.30 Uhr) ist für Maria nicht nur sportlich ein besonderes. Ons Jabeur ist eine gute Freundin der Familie. Maria und ihre zwei Töchter verbindet eine innige Beziehung zur tunesischen Weltklassespielerin - ausgerechnet im Halbfinale des Rasen-Klassikers treffen die Maria und Jabeur zum größten Auftritt ihrer Karriere aufeinander.

„Wir kennen uns seit Ewigkeiten, sie liebt die Kinder“, beschrieb Maria das im Profisport außergewöhnliche Verhältnis zur Weltranglisten-Zweiten. „Sie sieht meine Kinder fast als ihre Kinder an, deswegen ist sie eigentlich Teil unserer Familie. Wenn sie Charlotte sieht, spielt sie mit Charlotte Tennis. Wenn sie Ceci sieht, ist das ihr Baby. Wir verstehen uns mega.“

Wimbledon-Halbfinale mit Tatjana Maria: Märchenhafte Geschichte der 34-Jährigen

Eigentlich wäre die Geschichte von Maria und ihrem reisenden Familienunternehmen schon so märchenhaft genug: Weniger als ein Jahr nach der Rückkehr nach der Geburt ihrer zweiten Tochter ist die 34-Jährige so gut wie nie zuvor. Ihr Ehemann Charles-Edouard trainiert sie, jeden Morgen steht in Wimbledon zuerst die Tennis-Übungsstunde der achtjährigen Charlotte an, beide Töchter sind während der Matches in der Kinderbetreuung des Turniers.

„Ich freue mich wirklich für sie, dass sie bekommt, was sie verdient“, sagte die 27 Jahre alte Jabeur über ihre gute Freundin Maria. „Sie hatte sehr zu kämpfen. Es ist nicht einfach, zurückzukommen, nachdem man zwei Babys bekommen hat. Es wird ein großartiges Match zwischen uns, mit viel Respekt.“

Auch international wächst die Aufmerksamkeit für die „Mutter aller Comebacks“, wie die britische Daily Mail angesichts der Aufholjagden Marias auch im deutschen Viertelfinal-Krimi gegen Jule Niemeier kalauerte. Bei der BBC durfte Charlotte ihre Mutter interviewen: Wer ist deine Lieblingsspielerin? Antwort: Serena Williams und Ons Jabeur.

Tatjana Maria gegen Ons Jabeur: Wimbledon-Halbfinale mit besonderer Geschichte

In Palm Beach Gardens wohnt die in Bad Saulgau geborene Maria an der Ostküste Floridas in der Nachbarschaft der Williams-Schwestern, tauscht sich mit Serena auch über das Muttersein aus. Beide fordern mehr Rechte für Mütter und Familien auf der Tour, Maria setzt sich unter anderem für gesonderte Regeln bei einer Rückkehr nach Schwangerschaft ein.

Auch über eine Kinderbetreuung im Stile der Grand-Slam-Turniere würde sich Maria flächendeckender freuen. „Es ist super für die Kinder, die kennen sich alle. Es ist schön, dass sie immer zusammen sind, das ist eine super Hilfe für uns“, sagte sie in Wimbledon. „Es ist schade, dass es das bei den anderen größeren Turnieren wie in Indian Wells oder Miami nicht gibt.“

Noch immer sind Mütter auch im Profitennis eher eine Seltenheit. Im Feld dieses Jahres gab es neben Maria und Serena Williams nur noch die Belgierin Yanina Wickmayer. In der 138-jährigen Geschichte des Damen-Tennis in Wimbledon holten sich erst vier Mütter den Titel, nach dem Ersten Weltkrieg war es nur noch die Australierin Evonne Goolagong-Cawley 1980.

Video: „Familienduell“ in Wimbledon: Mama Maria gegen „Tante Ons“

So wäre der vierte Triumph einer deutschen Tennisspielerin an der Church Road nach Cilly Aussem, Steffi Graf und Angelique Kerber gleich aus mehreren Gründen eine absolute Sensation. Trotz aller Freundschaft hat Ons Jabeur aber etwas dagegen. „Es ist schwer, gegen sie zu spielen, und ich habe schon mit Charlotte gescherzt: Wirst du mich unterstützen oder deine Mama? Ich versuche, die Kids auf meine Seite zu ziehen“, sagte die Tunesierin lachend. „Vielleicht sind wir zwei Stunden lang keine Freunde oder wie lange das Match auch dauert. Aber am Ende werden wir wieder Freunde sein.“ (dpa/fmü)

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