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Francesca Jones

Francesca Jones trotzt Gendefekt

Tennis-Heldin mit acht Fingern und sieben Zehen qualifiziert sich für die Australian Open

  • Mathias Müller
    vonMathias Müller
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Francesca Jones hat nur acht Finger und sieben Zehen. Trotzdem hat sie sich jetzt erstmals in ein Grand-Slam-Hauptfeld gespielt. 

  • Francesca Jones hat nur acht Finger und sieben Zehen
  • Ein Arzt prophezeit: „Du wirst nie Tennis-Profi“
  • In der Qualifikation schlug Jones die ehemalige Nummer 28 der Welt

Francesca Jones verbrachte in ihrer Kindheit viel Zeit in Krankenhäusern. Irgendwann sagte ihr ein Arzt, dass sie nie professionell Tennis spielen können würde. Doch die Britin ließ sich von ihrem Traum nicht abbringen, auch nicht durch ihr angeborenes Handicap, das für eine Tenniskarriere in der Tat nicht sonderlich förderlich scheint. Denn Jones hat wegen eines Gendefekts nur acht Finger (jeweils drei Finger und einen Daumen) und sieben Zehen.

Am Dienstag wurde die 20-Jährige für ihre Hartnäckigkeit belohnt. Durch einen glatten 6:0, 6:1-Sieg über die Chinesin Lu Jiajing (31) qualifizierte sie sich erstmals für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers. Auf ihrem Weg zu den Australian Open (ab 8. Februar) hatte sie unter anderem auch die Rumänin Monica Niculescu (33, Nummer 144) - immerhin dreifache Turniersiegerin auf der WTA-Tour und ehemalige Nummer 28 der Welt - aus dem Weg geräumt. Nicht schlecht für ein Mädchen, dass früher kaum den Schläger halten konnte und sich wegen ihrer nur drei Zehen am rechten Fuß nicht immer perfekt auszubalancieren wusste. Auch mit Krafttraining hatte sie entwicklungsbedingt erst vor zwei Jahren begonnen.

Jones: „Ich will andere Menschen inspirieren“

„Ich will mit meinem Weg und meinen Leistungen andere Menschen inspirieren“, sagt Jones im englischen Guardian. „Es wäre toll, wenn ich junge Kinder und Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich, motivieren könnte.“ Jones selbst ging mit neun Jahren in die Tennisakademie der beiden spanischen Ex-Profis Sergio Casal (58) und Emilio Sánchez Vicario (55) in Barcelona. Weit weg von England und weit weg von ihrer Familie. „Sie haben alles für mich geopfert, sie sind tolle Eltern“, sagt Jones, der man die Behinderung bei ihrer kraftvollen Topspinvorhand oder der beidhändigen Rückand nicht mehr anmerkt. Bei all diesen weicheren Faktoren hat aber auch sie vor allem ein Ziel: sie will gewinnen.

Von Platz 350 auf Rang 241

In den vergangenen Wochen und Monaten ist ihr das gelungen. Vor der Pandemie-Pause hatte sie nie eine Top-200-Spielerin besiegt, Niculescu war seit August nun schon ihr viertes Opfer. Auch in der Rangliste blieben die Erfolge nicht ohne Auswirkung. Anfang des Jahres stand Francesca Jones noch auf Position 350. Aktuell hat sie sich auf Platz 241 vorgearbeitet. Tendenz steigend.

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