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Wie ein Staatsmann stand Tiger Woods bei seiner Entschuldigung am Pult – Millionen sahen live im TV zu.

Tiger Woods: Show & Sühne

Ponte Vedra Beach - Mit Tränen in den Augen und zittriger Stimme hat sich Tiger Woods öffentlich entschuldigt. Bei seiner Frau, die er mit mehreren Frauen betrogen hatte. Bei Freunden und Fans. Oder war der Auftritt des Golf-Superstars nur ein PR-Coup?

 In den USA wird darüber heftig debattiert. „Das war eine der bemerkenswertesten öffentlichen Stellungnahmen in der Geschichte“, sagte zum Beispiel TV-Moderator George Stephanopoulos vom Fernsehsender ABC. „Er hat reinen Tisch gemacht. Das war ein Mann, der eine Menge über sein Handeln nachgedacht hat.“

Andere Medien waren in der Beurteilung des knapp 13-minütigen Statements, das von allen wichtigen Fernsehsendern des Landes übertragen worden war, deutlich zurückhaltender. Der Ausnahmesportler verlas wie ein Staatsmann an einem Rednerpult seine vorformulierte Rede. Lediglich geladene Gäste und ausgewählte Journalisten waren in Ponte Vedra Beach zugelassen – Nachfragen waren nicht erlaubt. Die Washington Post kommentierte: „Die Entschuldigung von Tiger Woods war so exakt einstudiert, dass sie sich unaufrichtig anfühlte. Im Endeffekt war es nur eine falsche Pressekonferenz, um falsches Verhalten zu entschuldigen.“

Tiger Woods: Bilder einer Ehe

Tiger Woods und Elin: Bilder einer angeknacksten Ehe

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Rick Cerone, ehemaliger PR-Chef des Baseball-Klubs New York Yankees im Nachrichtensender CNN: „Was ich gesehen habe, war Arroganz. Das war hauptsächlich eine Werbeveranstaltung.“ Laut einer Blitzumfrage nach der Ausstrahlung fanden 64 Prozent der Zuschauer die Erklärung „ausreichend“. Wie auch Woods’ Mutter, die „stolz“ auf die öffentliche Entschuldigung ihres Sohns war. Laut der Online-Ausgabe des People Magazine sagte sie ihrem Sohn: „Mom wird immer für dich da sein und dich lieben.“ Scheinbar trifft das auch wieder für Woods Frau Elin zu: Laut Bunte haben die beiden am Sonntag gemeinsam Tennis gespielt und Orlando zusammen im Privatjet verlassen Auch mehrere Sponsoren begrüßten seine Beichte.

Eine Sprecherin des Sportartikelherstellers Nike: „.Wir freuen uns, wenn er zum Golfspielen zurückkehrt.“ Ein Termin dafür steht noch nicht fest, doch die TV-Sender dürften sich schon die Hände reiben: wegen der Einschaltquoten. Schon an der Beichte des ersten Sport-Milliardärs der Geschichte war das Interesse ungemein groß. Die TV-Sender CBS und NBC unterbrachen sogar ihre Olympia-Übertragung, um die Rede live zu zeigen. Medien sprachen von der „meistgesehensten öffentlichen Entschuldigung“ seit der Erklärung des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton zur „unangemessenen Beziehung“ zu Monica Lewinsky. Selbst auf die New Yorker Börse Wall Street strahlte der Woods Auftritt aus. Laut des Finanzsenders Bloomberg fiel der Umsatz während der Sendung von 576,8 auf 456 Millionen gehandelter Aktien.

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