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Totalschaden einer Partnerschaft

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- Es war wohl der übermütige Ritt nach dem Start beim Großen Preis von Indianapolis, der Juan Pablo Montoya den Job kostete. Der Kolumbianer krachte schon in der zweiten Kurve des US-Grand-Prix ins Heck seines Teamkollegen Kimi Räikkönen. Daraus folgte eine Kettenreaktion. Räikkönen knallte in den den Honda von Jenson Button, der Engländer in den BMW von Nick Heidfeld, der daraufhin mit einem vierfachen Salto im Kiesbett landete.

Diese Showeinlage war wohl zu viel für die Verantwortlichen von McLaren-Mercedes. Schließlich musste der Daimler-Chef Dieter Zetsche, der extra nach Indianapolis angereist war, mit eigenen Augen zusehen, wie beide Mercedes in der ersten Runde ausfielen.

Die Gerüchte, Montoya würde mit sofortiger Wirkung entlassen, kursierten schon in Indianapolis. Da hat McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh sie aber noch dementiert. Gestern Mittag schickte Mercedes dann doch eine Mitteilung los, die wohl die Karriere des charismatischen Kolumbianers in der Formel 1 beendet.

Team McLaren-Mercedes und Juan Pablo Montoya haben im gegenseitigen Einvernehmen entschieden, dass der Kolumbianer bei den nächsten Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft nicht an den Start gehen wird, steht da. Das sind die üblichen Nettigkeiten, mit denen man eine irreparable Partnerschaft nach außen möglichst glatt beendet. Der spanische Testfahrer des Teams, Pedro de la Rosa, wird Montoya schon am kommenden Wochenende in Magny-Cours ersetzen.

Die Mitteilung verrät jedoch nicht, ob Montoya gleich für den Rest der Saison suspendiert ist. Das hat wohl rein vertragsrechtliche Gründe, denn es macht keinen Sinn, Montoya noch fahren zu lassen, wenn er, wie seit Sonntag bekannt ist, ab 2007 in die US-amerikanische NASCAR-Serie wechselt. Schon 2004, als bekannt war, dass Montoya von Williams zu McLaren-Mercedes wechselt, verbreitete der Kolumbianer nichts als schlechte Laune in seinem alten Rennstall, obwohl er dann doch sein Abschiedsrennen in Sã~o Paulo gewann. Insofern wäre Mercedes schon der Stimmung wegen gut beraten, Montoya draußen zu lassen.

Der Rauswurf von Montoya ist das traurige Ende der Formel-1-Karriere des Kolumbianers, der in seinen 94 Grand Prix sieben Siege und 13 Pole Positions erreichte. Er gehörte zweifelsohne zu den talentiertesten Rennfahrern der Formel 1, stand aber wegen seines Temperaments oft sich selbst im Wege. Das zeigt auch seine Fahrweise in Indianapolis. Weil Montoya als unkontrollierbar gilt, gehört der Teamgeist auch nicht zu seinen Stärken. Dennoch hielten es viele Experten für möglich, ganz besonders zu seiner Zeit bei Williams, dass er eines Tages Weltmeister wird. Bei McLaren-Mercedes wurde Montoya jedoch immer mehr von Kimi Räikkönen entzaubert, und nun verlässt er die Serie ohne die ersehnte Krone des Weltmeisters.

Schon die Verpflichtung von Alonso im vergangenen Dezember muss dem launischen Kolumbianer klar gemacht haben, dass er wohl einen neuen Arbeitgeber suchen muss. Da half das viele Geld, angeblich neun Millionen Euro pro Jahr, auch wenig. "Was bringt mir das Geld, wenn ich den ganzen Tag schlecht gelaunt bin", sagte er mal. Und jetzt sagt er zu Formel 1: "Das Kapitel ist für mich abgeschlossen."

Montoya wird die nächste Zeit bei seiner Familie in Miami verbringen. Im September wird er auch zum zweiten Mal Vater. Seine Zukunft in der NASCAR-Serie mit geschlossenen Autos sieht er, wie für sein Temperament nicht anders zu erwarten, rosarot. "Wenn man von der Formel 1 zu NASCAR wechselt, denken viele, dass ich verrückt bin", sagte er. "Aber ich finde es spannend. Es ist eine großartige Herausforderung für meine Karriere, vielleicht die härteste überhaupt."

Auf jeden Fall verlässt Montoya nun die globale Bühne des Motorsports. Denn NASCAR ist zwar die erfolgreichste Motorsportserie in den USA, außerhalb des Kontinents aber kaum bekannt. Vielleicht trifft er da auch auf alte Bekannte. Denn Jacques Villeneuve, BMW-Fahrer noch ohne Vertrag für 2007, liebäugelt ebenfalls mit Wechsel zu NASCAR.

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