Wie Trabertrainerin Karin Port ihr Paradies im Allgäu fand

- München - Eigentlich ist sie Bäckerin. Diesen Beruf jedenfalls hat sie erlernt. Doch nur weil der Vater es so wollte. Nach der Gesellenprüfung freilich kündigte Karin Port in der Backstube und machte sich auf, ihrer Berufung zu folgen. 1989 begann sie noch einmal eine Lehre. Bei Traber-Trainer Bernhard Riedl. Und heute ist die zierliche Person die einzige Frau, die sich in der Männer-Domäne Trabrennsport als Trainerin durchsetzen konnte: "Darauf bin ich auch stolz."

Freilich war sie bei ihrer Entscheidung für die schnellen Pferde erblich vorbelastet. Vater Walter Port ist in Bayern in der Branche durchaus ein Begriff, züchtet heute noch Pferde und ist noch immer im Rennsport engagiert. Er war es, der bei seiner Tochter auf einen "anständigen" Beruf drängte. Heute kann die 36-Jährige über den Vater lächeln, damals war ihr in der Bäcker-Lehre eher zum Heulen zumute. 1996 machte Karin Port, die inzwischen bei Rolf Ebener, Lothar Hanke und Gerd Biendl gearbeitet hatte, ihre Trainerprüfung. Doch erst rund vier Jahre später wagte sie den Sprung in die Selbständigkeit, der sich bei den heutigen Gegebenheiten im Trabrennsport als recht schwierig erwies.Ports unbestrittene Begabung, bereits abgeschriebene Traber wieder zum Laufen zu bringen, ebnete ihr schließlich vor einem Jahr doch noch den Weg zu einem Art Paradies auf Erden. Der Weilheimer Pferdebesitzer Otto Stumpf war von Ports Siegesserie mit seinem zuvor recht mäßig gelaufenen Wallach Walhall so begeistert, dass er der Trainerin einen Hof in Obergammenried in der Nähe von Bad Wörishofen zur Pacht anbot.Das Anwesen im schönen Allgäu erfüllt alle Kriterien, die an ein modernes Traber-Zentrum gestellt werden: Eine 1200-Meter-Trainingsbahn, großzügige Stallungen, viele Koppeln (200 Meter Länge für jedes Pferd), eine Bewegungshalle. Und schließlich auch noch ein schmuckes Haus, das für Port und ihren Lebensgefährten Andreas Haagen genügend Platz bietet. Zwei Angestellte (Christina Berger und Josef Frey - in Traberkreisen als Turbo-Sepp bekannt) helfen in der Landwirtschaft und im Stall.Die Idylle ist fast komplett. Nur die weiten Anreisen zu den Rennen in Daglfing (100 km) und Pfaffenhofen (120 km) sind ein Handicap. Port: "Bei vier oder fünf Startern ist das auch ein logistisches Problem für uns."19 Pferde trainiert Port derzeit für ihre Besitzer, die alle pünktlich ihre Rechnung bezahlen. Karin Port: "Das ist in der jetzigen Zeit leider eine Seltenheit."Absoluter Star im Stall ist momentan Che Guevara, ein siebenjähriger Wallach, der seine letzten sieben Rennen allesamt gewann. Port: "Seine vorherigen Besitzer gaben ihn ganz günstig ab, weil er nicht mehr kämpfen wollte. Bei mir läuft er wieder mit Biss." Besitzer Matthias Porn zog das große Los und hofft jetzt darauf, dass sein Crack am 4. Juli ein Standard-Rennen in Pfaffenhofen um 10 000 Euro gewinnt. Port: "Dann würde sich die Siegesserie auch finanziell lohnen."Zur Zeit gibt es in Daglfing nämlich nur noch 600 Euro für den Sieger. Port weiß: "Die Zeiten werden immer schwieriger." Und deshalb hat sie auch für die Zeit der Krise bereits vorgesorgt: "Die große Reithalle ist das Standbein für eine eventuelle Zukunft ohne Trabrennsport."Um seine Zukunft keine Sorgen zu machen braucht sich indes der neunjährige Wallach Torrid Wish. Er bekommt in Obergammenried sein Gnadenbrot. Port: "Das bin ich ihm schuldig. Als frischgebackene Trainerin konnte ich mit ihm viermal hintereinander gewinnen und mich in größeren Renen profilieren." Auch als Pferd braucht man halt ein bisschen Glück im Leben.

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