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"Triathlon - ein Sport für Egozentriker"

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- Hawaii/München - Genau ein Jahr ist es nun schon wieder her seit Faris Al-Sultan mit der bayerischen Fahne das Zielband in Kailua Kona durchriss. Als dritter Deutscher trug sich der Münchner seinerzeit in die Siegerlisten des Ironman Hawaii ein. Am Samstag steht nun die Titelverteidigung auf dem Programm.

Faris Al-Sultan, am Samstag geht es wieder los auf Hawaii. Liegt die bayerische Fahne schon wieder parat?

Al-Sultan (lacht): Ich habe keine eingepackt, nein. Aber der Tobi (Tobias Wandinger, Freund und Betreuer, Anm. der Redaktion) hat bestimmt eine, wenn es nötig sein sollte.

Hawaii wurde am Wochenende von einem Erdbeben erschüttert. Nicht die beste Voraussetzung für eine konzentrierte Vorbereitung.

Al-Sultan: Ja, das Beben hat uns auch voll erwischt. Das Epizentrum war direkt hier bei uns. Aber dafür, dass das Stärke 6,5 gehabt haben soll, war es eigentlich ziemlich unspektakulär. Bei uns sind ein paar Gläser kaputt gegangen, in der Anlage sind wohl ein paar Fernseher runter gefallen und in den Straßen waren Risse. Alles halb so wild. Die Amerikaner sind da auch ziemlich pragmatisch. Die räumen einmal auf und der Fall ist erledigt.

Also kein Hindernis für die Titelverteidigung. Wie sieht es sportlich aus? Sie waren in diesem Jahr ja ungewöhnlich aktiv.

Al-Sultan: Die Form ist auf jeden Fall da, ich bin fit für das Rennen. Ich habe im letzten Monat in San Diego noch einmal gut trainiert. Das passt schon. Aber es stimmt schon, mein Programm war sehr anstrengend. Zu viele Wettbewerbe, zu viele Medientermine - das würde ich sicher nicht noch einmal so machen.

Immerhin waren Sie als Weltmeister für ein Jahr das Gesicht des Triathlons.

Al-Sultan: Ja, und es ist ja auch schön, wenn die Leute etwas von einem wollen. Jeder ist eitel. Und natürlich stehst du als Hawaii-Sieger in der Pflicht. Du bist plötzlich Botschafter für den Sport und du musst natürlich zusehen, dass du mit dem Erfolg auch Geld verdienst.

Andere Athleten nehmen sich dafür einen Manager. Sie bevorzugen sportlich wie wirtschaftlich die Selbstverwaltung. Ist es Ihnen besonders wichtig, der eigene Herr zu sein?

Al-Sultan: Ich lege schon Wert darauf, der Chef zu sein. Verträge abschließen, das kann ich selbst auch. Genauso sieht es mit der Trainingsplanung aus. Und wenn nötig, dann habe ich in allen Bereichen Leute, die ich um Rat fragen kann.

Auch zum Thema Doping. Sie sind in diesem Bereich sehr offensiv gewesen. Wie ist das unter den Athleten angekommen?

Al-Sultan: Grundsätzlich ist Triathlon ja ein Sport für Egozentriker, da denkt jeder erst einmal an sich selbst. Die meisten Athleten sind zwar schon für eine verbesserte Dopingbekämpfung, aber richtig einsetzen tun sich wenige. In diesem Kreis haben wir eine Athleten-Gewerkschaft gebildet und versuchen Einfluss zu nehmen. Aber das ist schwer.

Keine Angst, selbst den eigenen Bemühungen zum Opfer zu fallen? Es sind ja schon Athleten positiv getestet worden, weil sie ein verseuchtes Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen hatten.

Al-Sultan: Ich nehme nur Produkte von großen Herstellern. Firmen, von denen ich weiß, dass sie ihre eigenen Fertigungsanlagen haben und nicht einfach nur ihr Etikett auf Produkte von Zulieferern kleben. Aber eine Garantie hast du natürlich nie. Umso mehr ist es für mich ein Wahnsinn, wenn dann ein Dopingbekämpfer wie Professor Schänzer sagt, er weiß von so und so vielen Mitteln, dass sie verseucht sind, weil er sie selbst getestet hat. Aber er darf es nicht sagen, weil die Firmen sonst nichts mehr verkaufen würden. Dazu weiß man, dass ein Mineralwasser in Bayern verseucht ist, doch die Sorte darf nicht bekannt werden, weil es der Firma schaden würde. Für Athleten ist so etwas Irrsinn.

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