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Üble Prügel-Szene auf Münchner Sportplatz: Mehrere Spieler rasten aus - „Entsetzt wäre untertrieben“

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Von: Moritz Bletzinger

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Niek K. wurde auf dem Sportplatz gewürgt und niedergeschlagen.
Niek K. wurde auf dem Sportplatz gewürgt und niedergeschlagen. © S. Hecken/fkn

Hässliche Szenen ereigneten sich nach der Partie des TSV Solln II gegen den ESV München II. Ein Spieler wurde nach Abpfiff brutal attackiert. Die Situation ist unübersichtlich.

München - „Das war das Extremste, was ich in über 35 Jahren Fußball erlebt habe“, berichtet der Abteilungsleiter des TSV München-Solln, Marcus Schulz, vom vergangenen Wochenende. Nach dem Spiel seiner zweiten Mannschaft gegen die Reserve des ESV München kam es zu einer heftigen Attacke.

Schon in der Schlussphase war es zu einer Rudelbildung gekommen. Eskaliert ist die Situation aber erst nach Abpfiff. Mehrere Spieler des ESV rasteten offenbar aus. Sie gingen auf einen Spieler des TSV Solln los, der noch während der Partie einen seiner Gegenspieler verbal beleidigt haben soll. Er konnte nach der ersten Attacke fliehen, berichtet der Heimverein. Dann geriet einer seiner Teamkollegen in die Mangel.

Gewalt auf dem Fußballplatz: Situation nach A-Klassen-Spiel eskaliert - Polizei schickt zwei Streifen

Ein ESV-Akteur soll ihn von hinten in einen Würgegriff genommen, die beiden anderen mehrere Faustschläge in sein Gesicht geschmettert haben, heißt es im Polizeibericht. Zwei Streifen der Polizei München waren nach dem Vorfall vor Ort und nahmen Zeugenaussagen auf.

Die Folgen der Attacke waren heftig und bestätigen die Schilderung. Der Sollner Spieler blieb in Atemnot am Boden liegen. Ein Notarzt wurde gebraucht. Nach ambulanter Versorgung der Verletzungen in Hals- und Gesichtsbereich wurde der Spieler auf einer Trage abtransportiert und zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht.

Gehirnerschütterung und Prellungen im Gesicht: Spieler des TSV Solln übel zugerichtet - aber wohlauf

„Es sah nicht gut aus. Aber im Krankenhaus stellte es sich zum Glück als nicht ganz so schlimm heraus, wie angenommen“, kann Sollns Abteilungsleiter Schulz am Mittwoch Entwarnung geben. Der Spieler erlitt Prellungen im Gesicht und an der Hüfte sowie eine Gehirnerschütterung.

Der Vorfall wird beide Vereine und auch die Justiz wohl noch eine Weile beschäftigen. Vor allem, weil Fragen offen sind. Die drängendste: Wer war es?

„Entsetzt, wäre noch untertrieben“: ESV München will auf Solln-Vorfall reagieren - aber Täter noch unklar

„Dass wir entsetzt waren, als wir davon gehört haben, wäre noch untertrieben“, sagt Andreas Hinmüller, Abteilungsleiter des ESV München. Er selbst war beim Vorfall nicht vor Ort und findet sich jetzt in einer unschönen Lage. „Dass das auf dem Fußballplatz nichts - aber überhaupt nichts - zu suchen hat, darüber müssen wir nicht reden. Das ist nicht tolerierbar“, stellt er klar. Aber: „Es wird einige Zeit dauern, das einzuordnen“, verweist er auf die offenen Fragen: „Welche Spieler waren es? Welche Zeugen gibt es?“

Hinmüller habe bereits mit einzelnen Spielern geredet, konnte aber noch keine klaren Erkenntnisse gewinnen. Eines ist für ihn trotzdem schon klar: „Wenn es sich herausstellt, dass alles so war, wie berichtet, dann muss ich die Spieler aus dem Verein ausschließen. Das ist nicht tragbar. Wenn die Spieler feststehen, werden wir sofort handeln, da gibt es überhaupt kein Zögern.“

Auch Konsequenzen für die ganze Mannschaft schließt er nicht aus. „Wie kann man weitermachen?“, fragt Hinmüller, „da kann man nicht sagen, da sind zwei ausgeflippt und gut ist. Das ist schlimm, das muss bestraft werden. Das Schlimmste wäre, wenn sich herausstellt, der Sollner Spieler wurde geschlagen und es lässt sich nicht herausfinden, von wem.“

München: Attacke auf Spieler des TSV Solln - Wer hat zugeschlagen? „Eine unübersichtliche Situation“

Momentan befindet er sich aber „in einer unübersichtlichen Situation“. Solange er nichts mit Sicherheit wisse, möchte er ganz rechtstaatlich handeln. Auf Verdacht könne er keinen Spieler aus dem Verein ausschließen. „Ich kann erst handeln, wenn ich weiß, was stimmt“, erklärt er, „wenn ich dabei gewesen wäre, wäre es ganz einfach.“ Nur auf die Aussagen aus Solln möchte er sich nicht verlassen, zumal im ersten Bericht der Heimmannschaft wohl bereits einige Ungenauigkeiten erkennbar waren.

Noch schwieriger wird es für ihn vor allem dadurch, dass sich Stellungnahme des TSV Solln und Bericht des Schiedsrichters in einem entscheidenden Punkt unterscheiden. Solln bezeichnet einen ESV-Spieler als Täter, der laut Schiedsrichter während der Attacke neben dem Referee abseits des Tumults gestanden haben, berichtet Hinmüller.

„Es wäre schön, wenn einer aufsteht und sagt: ‚Ich habe Mist gebaut‘“, appelliert der Abteilungsleiter beinahe. Beim ersten Training nach dem Vorfall hat das noch keiner getan. „Ich kann nur den Gerichten zuarbeiten und möchte so gut es geht zur Aufklärung beitragen“, verspricht er, „nachdem das Ganze über die Polizei läuft, wird es da geklärt werden müssen.“

Attacke in Solln: Spieler des ESV München wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung angezeigt

Der Fall ist mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft. Es wurden Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung und wegen Bedrohung gestellt, bestätigt die Polizei. Der TSV Solln berichtet, einer der ESV-Spieler habe während des gewalttätigen Angriffs mehrfach geschrien: „Ich bringe dich um!“ und soll sogar nach der Attacke in Ruhe bekräftigt haben, er würde wieder Gewalt anwenden, sollte ihn ein Gegenspieler ähnlich beleidigen.

Er appelliert an den Verband, die Null-Toleranz-Politik bezüglich Gewalt an Sportplätzen zu beherzigen und hat bereits lebenslanges Hausverbot für die Verdächtigen ausgesprochen. „Ich möchte aber auf keinen Fall den Verein in die Tonne treten“, merkt er an, „viele aus der Mannschaft des ESV haben versucht, es zu verhindern. Dem Trainer kann man ebenfalls keinen Vorwurf machen. Die erste Mannschaft, die danach bei uns spielte, war auch sehr nett.“

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