Verdruss bei Trainer und Mitspielern

- Unterhaching - Nicht mal mit seinen Schuhen ist Nemanja Vucicevic im Sportpark aufgefallen. Die strahlend blauen Treter hatte der serbische Stürmer nicht im Gepäck, ganz profan ging er mit schwarzem Schuhwerk an die Arbeit. So bewahrheitete sich auch dieser Teil der vermeintlichen Heldengeschichte nicht, genau so wie jene vollmundige Ankündigung, die Vucicevic im Trainingslager zugeschrieben worden war, dass er nämlich "Unterhaching im Alleingang besiegen" werde. Dass er diese Äußerung nur im Scherz machte, ging auf dem Weg von Zypern nach München irgendwie verloren.

Dichtung und Wahrheit, das hat das Debüt des Serben gezeigt, sind zwei Paar Schuhe. Nach 52 Minuten war sein Auftritt beendet, bis dahin hatte er mit seinem eigensinnigen Spiel Trainer und Mitspielern viel Verdruss bereitet. Vucicevic habe sich "nicht in die Mannschaft eingegliedert", rügte Reiner Maurer. "Das hat mir nicht so gepasst." Paul Agostino, dem Nebenmann im Angriff, auch nicht. "Wenn er nicht zum Abschluss kommt, sieht er schlecht aus."

Zum Abschluss kam Vucicevic eigentlich nie. Kurz vor der Pause hatten die Löwen eine Konterchance, die ihr Neuer auf ernüchternde, aber typische Weise vergab. Zwei Unterhachinger ließ er aussteigen, am dritten blieb er hängen, sehr zum Ärger der vier frei stehenden Mitspieler. So macht man sich keine Freunde, das weiß auch Vucicevic, der hinterher kleinlaut einräumte, "mehr gedribbelt als geschossen" zu haben. Das könne er "viel besser".

Ob das tatsächlich stimmt, konnte in der Praxis bisher nicht überprüft werden. Echte Arbeitsnachweise gibt es von ihm kaum. Auf Zypern, wo ihn eine Fischallergie stoppte, nahm er nur an einem von drei Testspielen teil. So mutete Maurers Bekenntnis, Vucicevic sei für den Auftakt gesetzt, durchaus verwegen an. Wie es nun weiter geht, wird interessant zu beobachten sein. Die Konkurrenz schläft nicht. Mit dem Tausch gegen Michal Kolomaznik, den erfolgreichsten Löwen-Stürmer der Vorrunde, habe es "eine Verbesserung gegeben", stellte Maurer fest.

Wenn es auf Seiten der Gastgeber ein Pendant als Neuentdeckung gab, dann Rajko Tavcar. Der Slowene kam zwar schon Anfang September und bestritt gestern sein fünftes Spiel, aber in drei der ersten vier kam er lediglich als Teilzeitkraft zum Einsatz. Gestern gefiel er 90 Minuten lang, sowohl in seiner defensiven Stammposition als auch offensiv im Verbund mit Carsten Sträßer.

Von Tavcar kam die Flanke zum 1:0. "Ein Riesenkompliment" dafür von Andreas Brehme, doch noch scheint ihm der Slowene etwas fremd zu sein. Tavcar wird "Tautscher" gesprochen, Brehme aber beharrt auf "Tafka". Es gibt also noch viel Spielraum für Verbesserungen. Auf Hachinger wie auf Löwen-Seite.

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