Vereine sollen über TV-Gelder mitentscheiden

- Frankfurt/Main - Eine Entscheidung über die Verteilung der 420 Millionen Euro TV-Gelder von der kommenden Saison an ist auch bei der zweiten Vorstandssitzung des Liga-Verbandes an diesem Dienstag nicht zu erwarten. Voraussichtlich wird das Gremium ein Modell auswählen und es den 36 Profi-Clubs vorlegen. Die Vereine sollen dann endgültig über dieses Modell beschließen. "Das ist der sinnvollste Weg. Die Vereine sind im Grunde genommen ja auch die Inhaber der Rechte, sie haben einen Anspruch darauf", sagte Vorstandsmitglied Harald Strutz am Montag der dpa.

Das Gremium, das laut Satzung die Entscheidung alleine treffen kann, sei gewissermaßen nur "treuhänderisch beauftragt", meinte der Jurist und Präsident des Bundesligisten FSV Mainz 05: "Wir sind letztlich ein Vorbereitungsorgan." Der Beschluss, der den Geldfluss der nächsten drei Spielzeiten regeln wird, sei zudem viel zu wichtig, um ihn voreilig zu fassen. "So stark ist der Zeitdruck nicht", betonte Strutz.

Bereits nach der ersten Sitzung vor einer Woche in einem Frankfurter Nobel-Hotel hatte Liga-Verbandspräsident Werner Hackmann erklärt, dass eine mögliche Vollversammlung von der "Rückkopplung" der Vereine abhängig gemacht werden soll. Allerdings soll den Vereinen mit Blick auf das anstehende Lizenzierungsverfahren auch die nötige Planungssicherheit gewährleistet werden. Die Beteiligten sprechen sich einheitlich für eine definitive Regelung bis Mitte Februar aus.

Eine Lösung bereits bei der Sitzung an diesem Dienstag in Frankfurt/Main, in der die weiter überarbeiteten Vorschläge der Geschäftsführung diskutiert werden, schloss Strutz indes auch nicht kategorisch aus: "Es ist alles möglich." Es sei nicht so brisant, dass es nicht klappen könnte, sagte Kurt Gaugler vom Zweitligisten SV Wacker Burghausen der dpa. Kriterien bei der Verteilung der über 1,26 Milliarden Euro bis zur Saison 2008/2009 sollen das Leistungsprinzip und der Solidaritätsgedanke bleiben.

Vor einer Woche hatte der achtköpfige Ligavorstand sich vertagt. "Man muss abwarten. Es gibt eine Tendenz, aber mit Tendenzen ist Bayern München nicht geholfen", hatte sich daraufhin Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge geäußert. Es sei ein Spagat, der nicht einfach ist. "Ich hoffe, dass sich niemand dabei verletzt." Die Bayern favorisieren einen Schlüssel, demzufolge die Verteilung zu einem Viertel nach dem Verlauf der aktuellen Meisterschaft und zu drei Vierteln nach den Saisonergebnissen der jeweils vergangenen drei Jahre berechnet wird. Demnach könnten die Bayern-Erlöse von 16 Millionen auf 30 Millionen Euro steigen.

Die Kunst sei es, den Grad der Unzufriedenheit möglichst gering zu halten, meinte Leverkusens Holzhäuser. Der Vizepräsident des LigaVerbandes betonte außerdem, dass der Eindruck, es gebe einen Klassenkampf in der Liga, falsch sei. Vorausgegangen waren heftige verbale Attacken von Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzendem Heribert Bruchhagen an die Adresse von Rummenigge und der Deutschen Fußball Liga DFL. "Es ist ein Witz, dass das Fernseh-Geld dafür sorgen soll, dass Bayern München nicht deutscher Meister wird", so Holzhäusers Kommentar.

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