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Kommentar: Die Farce von Doha

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Von: Marc Beyer

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In der Hitze der Nacht: Einer von vielen Ausfällen beim 50-km-Gehen.
In der Hitze der Nacht: Einer von vielen Ausfällen beim 50-km-Gehen. © AFP / MUSTAFA ABUMUNES

Kollabierende Athleten, leere Ränge,ein Marathonlauf mitten in der Nacht - es sind verstörende Bilder, die die Leichtathletik-WM in Doha produziert. Genau so, wie man sie im Vorfeld erwartet hat.

Nichts ist für den Sport und seine Vermarktung wichtiger als eindrucksvolle Bilder. Bei der Leichtathletik-WM in Katar gibt es sie zuhauf: Ein Marathon mitten in der Nacht, kollabierende Athleten, halbleere Ränge und ein 100-m-Sieger mit Dopingvergangenheit. Es sind Bilder, die verstören und empören, manche stoßen regelrecht ab. Nur dass sie überraschend kämen, kann keiner sagen.

Die Entscheidung, diese stolze Veranstaltung an den Wüstenstaat zu vergeben, war von Anfang an absurd. Das Klima ist für Leistungssport untauglich, das Interesse vor Ort minimal, das Land berüchtigt für Menschenrechtsverletzungen und Korruption. Es gab etliche Argumente, doch keines wog das eine, das alles entscheidende auf: das Geld, das die Gastgeber einsetzten, um ihr Image als Sportstandort zu pflegen und die Entscheider zu bezirzen.

Wie durch ein Brennglas zeigen sich all die Probleme des Sports – und des Funktionärswesens. Die Athleten haben zu funktionieren, aber nichts zu sagen. Sie sind nicht Mittelpunkt, sondern Kulisse für eine Sause, die sich auf einer ganz anderen Ebene rechnet. Das ist auch ein Vorgeschmack auf die Fußball-WM 2022, die aus ebenso durchsichtigen Gründen in die Wüste vergeben wurde. Der Unterschied ist nur, dass Fußball ein globaler Renner ist. Er wird noch viel mehr Bilder in die Welt senden. Und manchmal wird man dann vielleicht sogar vergessen, dass auch diese Veranstaltung auf einer Farce beruht.

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