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"So viel Dreistigkeit ist unbeschreiblich"

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- München - Ewald Strohmeier ist seit 1980 Chef der Bayern-Rundfahrt, die seit 1989 als Profirennen ausgetragen wird und mittlerweile zu den führenden Rundfahrten in Deutschland zählt. Der Radsport-Enthusiast aus Wartenberg bei Erding nahm im Gespräch mit unserer Zeitung Stellung zu der Doping-Affäre um Floyd Landis.

Ewald Strohmeier, wie haben Sie den Landis-Schock verkraftet?

Strohmeier: Ich bin natürlich entsetzt. Soviel Dreistigkeit ist ja unbeschreiblich. Wie kann ein Mensch so dumm sein! Das, was der Landis da gebracht hat, ist für den Radsport noch schlimmer als der Skandal um Jan Ullrich.

Inwiefern?

Strohmeier: Ullrich war der Auslöser der Krise. Aber man hat dann gesagt: So, jetzt sind wir an einem Punkt, da muss man mit dem Stahlbesen durchgreifen. Und jetzt, in der heißesten Phase, wo allen bei der Tour der Kopf raucht, setzt der Landis noch einen drauf. Das ist unvorstellbar.

Der Radsport steht nun - besonders in Deutschland - unter Generalverdacht. Die vorherrschende Meinung ist: Die sind alle gedopt . . .

Strohmeier: Das ist diskriminierend und stimmt mit Sicherheit nicht. Außerdem darf man nicht vergessen, dass in anderen Sportarten auch gedopt wird. Schauen Sie sich nur die Fußballer an, wie die fitgespritzt werden.

Fest steht, dass der Radsport Riesenprobleme hat. Sind diese überhaupt noch zu bewältigen?

Strohmeier: Man kann den Radsport auf jeden Fall nicht sterben lassen - das wäre ein Schmarr'n. Stattdessen müssen wir um den Sport kämpfen wie die Teufel.

Hans-Michael Holczer, Chef des Team Gerolsteiner, hat vorgeschlagen, nach jedem Dopingfall den Rennbetrieb für sechs Wochen einzustellen.

Strohmeier: Das ist nicht machbar, das ist ihm wahrscheinlich nur so flapsig rausgerutscht. Aber denkbar wäre, dass, wenn ein Fahrer des Dopings überführt wird, gleich das ganze Team für einen Monat gesperrt wird.

Welche Maßnahmen sind noch möglich?

Strohmeier: Die Kontrollen müssen noch mehr verschärft werden. Und dann sollten die Tour-Verantwortlichen auch darüber nachdenken, ob man nicht einen Berg rauslassen könnte und ob die Zeitfahren unbedingt so lang sein müssen. Und es muss auch ein Anti-Doping-Gesetz her. Wir brauchen da aber keine nationale sondern eine europaweit einheitliche Regelung. Weltweit ist das leider nicht möglich - denn für die USA ist das kein Thema. Doping und Krieg machen die Amerikaner ja mit Vorliebe.

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