„Die Mannschaft ist nicht so eingespielt, wie man das gerne hätte“, warnt Bundestrainer Chris Fleming. Foto: dpa

Basketball-EM

Viele Vielleichts vor dem Start

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Tel AvivKurz vor der Europameisterschaft hat die deutschen Basketballer noch eine Videobotschaft erreicht. Fußball-Bundestrainer Jogi Löw sprach ihnen aus der Heimat Mut zu. Eine Aufmerksamkeit unter Sportsleuten, die an sich nicht weiter beachtenswert wäre, hätte Löw am Ende der kleinen Ansprache nicht noch einen Spruch nachgelegt. Er sagte: „Holt euch vielleicht den Titel!“

Das Merkwürdige an diesem Satz ist, dass Löw das Wörtchen „vielleicht“ eingeschoben hat. Letztlich ist das Warum dahinter. Vermutlich weiß auch Löw sehr wohl, dass ein deutscher Titelgewinn ziemlich unwahrscheinlich ist. Auch egal, hat der Fußballfachmann Löw doch ungewollt die chronische Ungewissheit im deutschen Basketball auf den Punkt gebracht. Wann immer die Nationalmannschaft in den letzten Jahren nämlich in ein großes Turnier gestartet ist, schwebte über ihr ein großes Vielleicht.

Jetzt steht mit der EM mal wieder ein solch großes Turnier an. In Tel Aviv steigt Deutschland heute (14.45 Uhr) gegen die Ukraine in die Vorrunde ein. Und mal wieder gibt es viele Vielleichts. „Es ist kaum zu beurteilen, wo diese Mannschaft steht“, sagt Stefan Koch, in der Bundesliga zweimal zum Trainer des Jahres gewählt. „Das große Problem der deutschen Nationalmannschaft ist: Es ist sehr schwer, alle Spieler zusammenzubringen.“

Chris Fleming plagt dieses Problem seit fast drei Jahren. Im Dezember 2014 trat der Amerikaner als Bundestrainer an. Mit der besten Auswahl durfte er nie arbeiten. Auch jetzt bleibt ihm das verwehrt. Maxi Kleber und Paul Zipser sagten Fleming ab, um sich auf die anstehende NBA-Saison vorzubereiten. Andere, wie etwa der Berliner Niels Giffey, fehlen verletzt. Dirk Nowitzki trat schon vor zwei Jahren aus der Nationalmannschaft zurück. Und weil Fleming das Amt des Bundestrainers nach der EM an seinen Assistenten Henrik Rödl weitergibt, wird er sich nur ausmalen können, wie gut diese Mannschaft in Bestbesetzung hätte sein können.

Fleming begleitete den deutschen Basketball in einer Zeit des Umbruchs. Dieser war überfällig, machte seinen Job jedoch nicht leichter. In Tel Aviv stehen ihm zwölf Spieler zur Verfügung, die in dieser Konstellation noch nie berufen worden sind. Der Trainer selbst gestand nach dem Abschlusstraining gestern, dass „die Mannschaft nicht so eingespielt ist, wie man das gerne hätte“.

Trotz solcher Feststellungen herrscht im deutschen Lager Zuversicht – was sehr viel mit Dennis Schröder zu tun hat. In Europa gibt es nur wenige Spielmacher, die es mit dem NBA-Profi der Atlanta Hawks aufnehmen können. „Seine Beschleunigung ist überragend“, sagt Stefan Koch, „seine Tempo- und Richtungswechsel die besten im ganzen Turnier.“ Auch Johannes Voigtmann und Daniel Theis, der ab Oktober ebenfalls in der NBA spielt, haben sich zu europäischen Spitzenspielern entwickelt. Daher glaubt Fleming: „Wir haben ein gewisses Talentlevel, das uns hoffentlich nach Istanbul bringt.“

Am Bosporus steigt die Endrunde der Europameisterschaft. Erobern die Deutschen in ihrer Sechsergruppe einen der ersten vier Plätze, dürfen sie weiterreisen. Nach dem Auftakt gegen die Ukraine wartet am Samstag Georgien. In Anbetracht der weiteren Gruppenrivalen Israel, Italien und Litauen sollten die Deutschen die ersten beiden Spiele gewinnen. Ein Vielleicht können sie sich nicht erlauben.

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