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"Vielleicht kommt die WM einen Tick zu früh"

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Vor drei Wochen in Italien 1:4 verloren, jetzt 4:1 gewonnen gegen die USA. Welches Ergebnis sagt die Wahrheit im Hinblick auf die WM?

Ballack: "Die Italiener sind natürlich eine wesentlich stärkere Mannschaft. Allerdings haben wir gegen die USA ein Heimspiel gehabt. Wir haben am Anfang nicht das Tor gemacht, das Selbstvertrauen schwand danach ein wenig. Die Zuschauer haben gemurrt, aber sie sind standhaft geblieben und dafür belohnt worden. Nach dem Tor ist bei dem einen oder anderen der Knoten geplatzt, und wir haben befreit aufgespielt. Da sieht man, dass die Mannschaft steht und fällt mit ihrem Selbstvertrauen."

Sie hatten das Spiel als entscheidend für die Stimmung im Land, das Selbstvertrauen und eine ruhige WM-Vorbereitung bezeichnet. Ist das jetzt alles gegeben?

Ballack: "Ich glaube schon. Es war wichtig für uns, dass es ein klarer Sieg war. Jetzt hoffe ich, dass wir uns alle in den letzten Bundesligaspielen so ein Selbstvertrauen und so eine Fitness holen, dass wir gesund in die Vorbereitung gehen können. Da können wir an unseren Schwächen arbeiten und dann gut vorbereitet in die WM gehen."

In der ersten Hälfte hat man ein neues, sehr offensives System mit drei Spitzen ausprobiert, aber nach der Pause wieder auf die Raute im Mittelfeld und zwei Stürmer umgestellt. Was ist das bessere System?

Ballack: "Wir wollten Druck machen. Das hat am Anfang geklappt. Aber dann haben wir trotz der drei Stürmer nicht mehr so viele Chancen herausgearbeitet. Der Poldi hing ein bisschen in der Luft, wusste nicht genau, wie er mit seiner Rolle umgehen sollte. Zweite Halbzeit lief es besser, als Schweini kam. Da war wieder eine klare Ordnung im Spiel zu erkennen."

Bleibt es ein schmaler WM-Grat, auf dem die Mannschaft wandelt?

Ballack: "Das war von Vornherein klar: Wir haben mit einem neuen Trainer angefangen, der immer noch dabei ist, eine junge Mannschaft aufzubauen. Viele sagen, dass die Weltmeisterschaft vielleicht einen Tick zu früh kommt. Es ist nicht so, dass wir eine große gestandene Mannschaft hätten, die in die WM geht und sagt: 'Wir erwarten ganz, ganz Großes'. Die Ergebnisse in letzter Zeit waren so, dass man auch mit Ausrutschern rechnen muss. Es muss halt alles passen bei uns. Wir haben großes Potenzial, aber wir sind noch nicht so gefestigt. Deshalb ist das immer ein schmaler Grat."

Hat sich Jens Lehmann schon bei Ihnen beklagt, dass Sie vor dem Spiel im Torwart-Duell Partei für Oliver Kahn ergriffen haben?

Ballack: "Ich habe keine Partei ergriffen. Ich habe nur zum Ausdruck gebracht, was ich darüber denke. Oliver hat heute eine gute Leistung gebracht und einen sehr wichtigen Ball gehalten - und das braucht eine Mannschaft."

Glauben Sie, dass die Kritik an Jürgen Klinsmann nach dem Sieg verstummen wird?

Ballack: "Natürlich war der Sieg auch für den Trainer wichtig nach so einer Niederlage in Italien. Wenn danach Nebenkriegsschauplätze zum Hauptschauplatz eröffnet werden, ist es klar, dass es Diskussionen gibt. Aber der Trainer hat sich vor die Mannschaft gestellt, hat sehr viel Kritik eingesteckt und von der Mannschaft weggenommen. Es freut mich für den Trainer, dass wir uns jetzt in Ruhe vorbereiten können."

Klaus Bergmann, dpa

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