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Der vierte Versuch gelingt endlich

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- Wimbledon - Kein einziges Wort hätte sie sagen müssen, um zu beschreiben, was dieser Sieg wert war; als Antwort genügte ihr Freudensprung. Nach drei gescheiterten Versuchen im Halbfinale schaffte es Amélie Mauresmo im vierten endlich, bis zum Schluss standhaft zu bleiben. Mit dem Sieg gestern gegen Maria Scharapowa (6:3, 3:6, 6:2) zog sie zum ersten Mal in Wimbledon ins Finale ein, und danach hob sie ab, als habe sie gerade das entscheidende Tor für Frankreich bei der Fußball-WM geschossen.

Sie selbst morgen im Finale gegen Justine Henin-Hardenne, die Fußballspieler drüben in Deutschland am Tag danach im Endspiel gegen Italien - sieht ganz nach einem tollen Wochenende für Frankreichs Rasensport aus.

Die drei gescheiterten Versuche hat sie auch diesmal nicht aus ihren Gedanken vertreiben können. Wie hoch sie auch führte, wie gut sie auch spielte, es sah immer so aus, als könne noch irgendwas passieren. Vor allem, als sie im entscheidenden Satz nach einer 4:0-Führung die wie immer eindrucksvoll kämpfende Scharapowa auf 4:2 herankommen ließ, und dann mit einem Breakball konfrontiert wurde. Und obwohl ein einzelner Schlag natürlich kein ganzes Spiel entscheiden kann, war jenes Ass, mit dem sie den Breakball abwehrte, wie ein Signal.

Von diesem Moment bis zum Ende des Spiels vergingen nicht viel mehr als fünf Minuten, und mit grenzenloser Erleichterung sah sie zu, wie Scharapowa die gelbe Kugel beim zweiten Matchball ins Aus drosch. Die Russin meinte zum Abschied, immerhin könne sie jetzt das tun, worauf sie sich in London stets freue: ausgiebig auf Einkaufstour zu gehen. Mauresmo hat mit trendigen Klamotten nichts im Sinn; die gibt ihr Geld bekanntlich lieber für guten, alten Wein aus.

Jene Flasche, die sie nach dem Titelgewinn bei den Australian Open öffnen wollte, liegt allerdings immer noch im Keller. Und das liegt nicht daran, dass der Sieg Ende Januar ein merkwürdiger Sieg gewesen war. Justine Henin-Hardenne sagt, an das Finale von Melbourne denke sie nicht mehr, das sei schon sehr weit weg. Sie hatte zu Beginn des zweiten Satzes, geplagt von Magenkrämpfen, aufgeben müssen.

"Ich denke, es ist gut, dass es diesmal im Finale wirklich nur um Sport gehen wird", meint Mauresmo, "und ich bin sicher, dass Justine das genauso sieht." Die Belgierin präsentierte sich jedenfalls bei ihrem Halbfinal-Sieg gegen die alte belgische Rivalin Kim Clijsters (6:4, 7:6) in verlässlich starker Form. Sie hat die Chance, die Sammlung ihrer Grand-Slam-Titel zu komplettieren und Mitglied einer ganz besonderen Liga zu werden: Als zehnte Frau in der Tennis-Geschichte, die jeden der vier Grand-Slam-Titel mindestens einmal gewonnen hat. Doch darüber, sagt sie, werde sie erst nach dem Finale nachdenken. So wie Mauresmo sich dann erst Gedanken machen wird, welchen Wein sie als Wimbledonsiegerin öffnen könnte.

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