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Warten auf den Boom

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München – Johann Peltzers Handy klingelt in diesen Tagen besonders häufig. Er wird dann gebeten, von dem Boom zu erzählen, der dem Darts-Sport seit Jahren angeheftet wird; von den außergewöhnlichen Spielern, den stetig steigenden TV-Quoten, den vielen Fans in ihren verrückten Kostümen. Was Peltzer aber berichtet, passt nicht so ganz in das Bild des Aufschwungs. Er sagt: „Den Darts-Boom kann ich so nicht bestätigen.“

Peltzer, 67, ist seit zweieinhalb Jahren Präsident des Deutschen Dart Verbandes (DDV). Er hat bereits hingesehen, als die Kameras noch nicht filmten. Vor fast vier Jahrzehnten hat er das erste Darts-Amt angenommen, weshalb er all jene, die folgten, auswendig gar nicht mehr aufzählen kann. Manche waren kleiner, manche größer, den Landesverband in Nordrhein-Westfalen führte er lange als Präsident. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat Peltzer aber noch einmal besonders genau hingeschaut. Er tingelte durchs Land, besuchte Vereine und Turniere – und stellte fest, dass die Kameras meistens noch immer fehlen. Es waren jedoch andere Beobachtungen, die ihn beunruhigen. „Unsere Ranglisten-Turniere werden immer schlechter besucht“, klagt er. Der DDV versuchte, seinem Produkt mehr Attraktivität zu verleihen, er tüftelte am Spielsystem, auch das Punktesystem änderte der Verband. Die Hallen aber blieben leer.

Wer den Boom sucht, der muss ab diesem Samstag nach München blicken, ins Zenith, um genau zu sein. Für drei Tage quartiert sich dort der europäische Ableger der einflussreichen Professional Darts Corporation (PDC) ein, um den German Darts Grand Prix zu veranstalten. Alle 18 000 Tickets sind bereits verkauft.

Die PDC beherrscht den Markt mit einer einfachen Gleichung: Sie schüttet das meiste Preisgeld aus (11,4 Millionen pro Jahr), was eben nicht nur die weltbesten Spieler anlockt, sondern in der Folge auch viele Tausende Zuschauer. Der Verband versteht sich als Premiumprodukt. Ein Selbstbild, das eng mit seiner Geschichte verknüpft ist. 1992 spalteten sich mehrere Spitzenspieler von ihrer britischen Dachorganisation BDO ab, um sich selbst geschickter zu vermarkten. Bis heute ist die damals entstandene PDC eine Liga der Elite geblieben.

Ihre prominenten Figuren treten auch in München auf, etwa der Ranglistenerste Michael van Gerwen, Paradiesvogel Peter Wright oder PDC-Weltmeister Rob Cross. Sie alle zirkeln die Pfeile so präzise aufs Brett, dass sie inzwischen Millionen damit verdient haben. Zu den PDC-Events gehören aber eben auch die verkleideten Fans, die trinken und tanzen. Auch sie werden das Zenith schmücken.

Peltzer betrachtet diese Entwicklung skeptisch. Natürlich freut er sich, dass Darts, einst als Kneipensport verrufen, inzwischen ernst genommen wird. Er sagt aber auch: „Die PDC bläht sich immer weiter auf. Die macht uns kaputt.“ Zwar hatte Barry Hearn, der Präsident der PDC, im vergangenen Jahr behauptet, dass das „Darts-Interesse in Deutschland explodiert“. Nur kann Peltzer das nicht bestätigen. Als der DDV 2010 dem DOSB beitrat, zählte er 11 019 Mitglieder. Bei der letzten Erhebung 2017 waren es 10 639. Wie kann das sein?

Die PDC habe einen „Zuschauer-Boom“ ausgelöst, formuliert es Peltzer. Sie sei vor allem bestrebt, ihr eigenes Produkt zu refinanzieren. Alleine in München erhält der Turniersieger nämlich 28 500 Euro. Die Ausnahmestellung saugt sämtliche Aufmerksamkeit auf. Es sei schwer dagegen anzukämpfen, sagt Peltzer.

Trotzdem will er das Potential nutzen. „Wir müssen uns professionalisieren“, sagt er. Die Chance dafür scheint günstig, erstmals hat der DDV staatliche Fördergelder erhalten. Peltzer, der Ende Oktober sein Amt abgeben wird, hat die Maßnahmen bereits eingeleitet. Er will einen hauptamtlichen Sportdirektor einstellen, mehrere Trainerstellen schaffen, die Nationalspieler sollen dazu stärker unterstützt werden. „Wir sind ein Amateur-Verband“, sagt er. Doch genau das empfindet er als das stärkste Argument des DDV. „Bei uns kann jeder mitmachen. Die PDC kannst du dir nur anschauen.“

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