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Warten auf die erlösende Post

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- Herzogenaurach - Einiges, sagt Evi Sachenbacher-Stehle, habe sich seit dem letzten Winter spürbar zum Positiven verändert. Ihre Trainingsgruppe zum Beispiel ist gewachsen. Sie sind jetzt zu viert, weil auch Steffi Böhler, Nicole Fessel und Katrin Zeller unter der Anleitung von Wolfgang Pichler am Stützpunkt in Ruhpolding arbeiten.

Mit Böhler und Zeller ist Sachenbacher (25) vor sieben Jahren als Juniorin zum WM-Silber in der Staffel gelaufen, nun durchmessen sie gemeinsam die Trainingsloipen, und sei es gegen die Launen der Natur. "Bei schlechtem Wetter", berichtet Sachenbacher, "fällt es einem leichter, gemeinsam raus zu gehen."

Die Trainingsmonate sind also ziemlich angenehm gewesen, wenn man mal außer Acht lässt, dass zwei Infekte die Langläuferin aus dem Chiemgau kurzzeitig aus der Bahn warfen. Erkältungen waren in der Vergangenheit ein heikles Thema bei ihr, doch diesmal gibt sie Entwarnung. Es war nicht so schlimm wie vor zwei Jahren, als sie öfter krank als gesund war. "Nur ein bissel" habe sie geschwächelt, und das eine Mal steckte eigentlich eine Zahnerkrankung dahinter. Zusammengefasst startet Evi Sachenbacher mit Enthusiasmus in die neue Saison. Dass sie neulich bei der Leistungskontrolle fehlte, weil eben die zweite Erkältung dazwischen kam, ist zwar ärgerlich ("Ich weiß nicht, wo ich stehe"), aber auch nicht tragisch. "Mit den vier Mädels" waren die letzten Monate trotzdem "super".

Die Einkleidung in Herzogenaurach war ein deutliches Signal, dass es mit den Sprintwettbewerben am Düsseldorfer Rheinufer nun bald losgeht. Lieber wäre Sachenbacher aber ein anderes Signal gewesen. Seit Wochen wartet sie auf eine Nachricht vom Weltverband Fis, mit dem der DSV seit Olympia im Clinch liegt. Sachenbacher ist damals vor dem ersten Rennen wegen eines erhöhten Hämoglobin-Wertes mit fünf Tagen Schutzsperre belegt worden, seitdem wehrt sie sich gegen den Verdacht, mit Eigenblut-Doping nachgeholfen zu haben. Unter den vielen Trainingsrennen mit den Mädels waren auch welche im Auftrag der Fis, die im Sommer zwei Testphasen mit Sachenbacher und dem Rest des DSV-Kaders durchführte. Bis Saisonbeginn sollen die Resultate vorliegen. Doch jetzt ist es nur noch eine Woche bis Düsseldorf. Und nichts passiert.

Das einzige, was verlässlich kommt, sind die Fragen nach ihren Werten. Eigentlich wisse sie gar nichts, antwortet sie dann jedes Mal, aber sehr befriedigend ist das weder für sie noch für die Fragesteller. Sachenbacher möchte sich nur noch "auf meinen Sport konzentrieren" und kann es doch nicht.

Zu ihrem Glück sieht der Weltcup-Winter in diesem Winter keine Reise in die Berge des Piemont vor. Die Olympiastrecke in Pragelato Plan ist ein Ort, den Sachenbacher nie wieder sehen will, selbst wenn sie mit der Staffel dort Silber holte. In den ersten Tagen nach Olympia war sie so schwer angeschlagen, "dass nicht mehr viel gefehlt hat, um zu sagen: Ich lasse es". Noch heute weiß sie nicht, was passiert wäre, wenn sie nicht in den folgenden Rennen zwei Siege und zwei dritte Plätze gefeiert hätte. "Da konnte ich zeigen, dass ich es drauf habe."

Doch geschlossen ist das traurige Kapitel für sie erst, wenn das Schreiben der Fis tatsächlich ihre Version stützt, dass ihr Körper auf Höhentraining empfindlich reagiert. Eine Konsequenz hat der DSV aus dem Fall bereits geschlossen. "Dieses Jahr", sagt Sachenbacher, "trainiere ich nicht auf der Höhe. Damit erledigt sich das Problem." Hofft sie.

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