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Erstes Highlight in der Münchner Eishalle: die Tischtennis-WM 1969. Voll war‘s, wie die Aufnahme von der Siegerehrung im Doppel zeigt.

Vor 50 Jahren: Münchens erstes olympisches Gebäude geht in Betrieb

Was die Eishalle sonst noch konnte

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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1967 wurde das heute als Olympia-Eishalle bekannte Eisstadion am Oberwiesenfeld seiner Bestimmung übergeben. Wobei: Es sollte weit mehr sein als eine Stätte nur für den Eissportbetrieb. Erdacht war es als Multifunktionshalle. Tatsächlich verwandelte es sich bisweilen und hat in einem halben Jahrhundert einiges erlebt.

Von Günter Klein

1970 ging es in der damals drei Jahre alten Halle nicht ganz sportgerecht zu. Es war auch anderes Publikum da als das übliche.

Konzert-Zeit, ein Festival, Rock pur! Tobias Kohler, der heute für die Olympiapark GmbH die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet, ist in die Archive eingetaucht und hat Material gefunden über diese Veranstaltung von 1970. Mit Status Quo und Deep Purple, sie waren die groß angekündigten Hauptbands. Im Rahmenprogramm damals und viel kleiner auf den Plakaten: Black Sabbath. „Jetzt wäre es wohl umgekehrt“, findet Kohler. Er hat auch Bilder gefunden, die zeigen, dass in der Halle geraucht wurde. Und nicht die handelsübliche Filterzigarette. „Die Joints kreisten.“

Die Eishalle als Musikarena – Zukunft hatte das nicht. 1972 ging in der Nachbarschaft die Olympiahalle in Betrieb, Debüt-Gäste waren Deep Purple. „Aber 1970“, blickt Arno Hartung, bis Ende 2016 Geschäftsführer im Olympiapark, zurück, „war München noch Konzert-Diaspora“. Wo auch hätte ein Star auftreten sollen? Erst als Olympia-Stadt hatte München alle Möglichkeiten, die Besten zu bekommen.

Eine Konzertnutzung war für das Eisstadion am Oberwiesenfeld, in dem am 27. Januar 1967 das erste Eishockeyspiel stattfand und das am 12. Februar 1967 mit den Bayerischen Eiskunstlauf-Meisterschaften offiziell eröffnet wurde, die Ausnahme. Dem Anspruch von Multifunktionalität wurde die Halle jedoch im Sportbereich gerecht. Das erste große Ding: die Tischtennis-Weltmeisterschaften im April 1969.

Zehn Tage lang, mit 53 Nationen am Start. Begeisterte Zuschauer, häufig ein ausverkauftes Haus (6000 Besucher). Erst die Mannschaftswettbewerbe (mit den deutschen Herren sensationell im Finale gegen Japan), dann die Einzel (mit, weitere Mega-Überraschung, Eberhard Schöler als Gewinner der Silbermedaille). Erst das große Schlottern, dann das große Schwitzen, denn die Halle gab die Wetterlage, die draußen herrschte, wieder. Die Isolierung und Klimatisierung, sagt Arno Hartung, war immer das Problem der Halle. Im Winter installierte man darum mit der Zeit Wärmestrahler, um für etwas Komfort auf den Rängen zu sorgen. Aber grundsätzlich reifte mit den Jahren die Einsicht, „dass an Multifunktionshallen andere Ansprüche gestellt werden“.

Doch auch nach 50 Jahren noch versieht die Halle am Oberwiesenfeld ihren Dienst. Neben Eishockey sowie Veranstaltungen in Shorttrack, Eiskunstlauf und Eisstockschießen bewährte sie sich in folgenden Sportarten:

Boxen: 1972 fand in der Olympia-Eishalle das olympische Boxturnier statt. Stefan Schneider, seit 28 Jahren Stadionsprecher bei den Münchner Eishockeyklubs, war damals als Bub erstmals in der Halle: „Ich habe drei Volleyballtickets gegen eine Karte fürs Boxen getauscht.“ Viele erinnern sich an den Olympiasieg des Hamburgers Dieter Kottysch nach einigen wahrhaften Ringschlachten.

Im Juli 2011 mietete Marco Huck, deutscher Weltmeister, die Halle für eine Titelverteidigung an, auch die Kickboxszene mit Glamour Girl Christine Theiss war mal da.

Action Sport: X-Games und Munich Mash sollten den Olympiapark nach dem Auszug des Fußballs bereichern. Für die mehrtägigen Sportfestivals wurde auch die Eishalle hergenommen, die Fläche in eine Rampenlandschaft verwandelt. Auch die Qualifikation für erste Gastspiel der Red-Bull-Serie Crashed Ice (eine Hindernis-Abfahrt auf Schlittschuhen) fand hier statt.

Basketball: Eine Saison lang (2010/11) nutzten die Bayern, damals noch Zweitligist, die Halle im Wechsel mit dem EHC. Die Zuschauerkapazität war aber eingeschränkt auf 3225 – und der Umbau von Eis auf Parkett aufwändig.

Handball: Spontan sprang die Eishalle ein, als das Handball-Supercupfinale 2012 zwischen Kiel und Flensburg nicht in der Olympiahalle (gesperrt wegen eines Problems mit dem Dach) stattfinden konnte. Besondere Erinnerung: Von den Handballern genutzt wurde die Kabine des EHC München. Danach fehlten Eishockeytrikots. . .

E-Hockey: Die Weltmeisterschaft 2014 im Elektrorollstuhl-Hockey fand am Oberwiesenfeld statt.

Mit den Jahren wuchs der Komplex. 1991 bekam München die Eiskunstlauf-WM. Die Wettbewerbe fanden in der Olympiahalle statt, doch die Eishalle bekam einen Anbau, der seitdem vor allem für Eiskunstlauf genutzt wird. 1967 hatte es auch noch eine Eislauf-Freifläche gegeben, sie bekam 1983 eine Zelt-Überdachung, wurde aber 2004 in eine Hallenfußball-Arena (SoccerFive) umgewandelt.

Dramatische Szenen erlebte die Olympia-Eishalle 2008. Überall lagen blutende Menschen. Passiert war: gar nichts. Es handelte sich um eine Katastrophenschutzübung.

Auch das konnte diese Halle, die nie richtig prachtvoll war, aber zäh. Und so auf erstaunliche 50 Lebensjahre kam. Und es geht ja noch weiter.

Nächste Woche:

Zum Abschluss der kleinen Jubiläumsserie ein Blick hinter die Kulissen, ein Spaziergang durch verborgene Gänge. Und die Klärung der Frage: Gibt es Leute, die dieses alte Gemäuer lieben?

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