"Welt-Ikone" füllt Vakuum

- Leverkusen - Sieben Monate nach seinem Rücktritt als Teamchef der Nationalelf kehrt Rudi Völler als starker Mann bei Bayer Leverkusen auf die Fußball-Bühne zurück. Locker und gelöst präsentierte sich der 44-Jährige gestern in der BayArena, rund 150 Journalisten und ein Dutzend TV-Teams hatten sich zur Präsentation versammelt.

"Ich habe das Gefühl, nie weg gewesen zu sein, denn auch als Teamchef hatte ich ein Büro hier und eine gewisse Nähe zu Bayer", sagte Völler. Der Weltmeister von 1990 einigte sich mit dem Klub auf einen Vertrag als Sportchef bis Juni 2007 und wird bei Bayer große Entscheidungsfreiheit erhalten. "Rudi Völler braucht keine Kompetenzen, als Welt-Ikone des Fußballs hat er Kompetenz. Er schließt die Lücke zwischen Geschäftsführung und sportlichem Bereich", erklärte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. In letzten Verhandlungsrunden wurde auch Einigung über Völlers Werbeaktivitäten sowie dessen Rolle als WM-Botschafter gefunden. Er soll in Leverkusen rund 500 000 Euro pro Jahr verdienen.

Nachdem er auch seine Amtszeit als Teamchef beim italienischen Vizemeister AS Rom im vergangenen Jahr nach nur 26 Tagen beendet hatte, hatte sich der 90-malige Nationalspieler eine Auszeit erbeten, um sich darüber klar zu werden, ob er seine Zukunft auf der Trainerbank oder als Sportdirektor sehe. In den letzten Wochen und Monaten hatte er zahlreiche Offerten bekommen. "Es waren Angebote aus dem In- und Ausland, als Trainer oder als Manager. Es gab auch Telefonate, ich habe eine Nacht drüber geschlafen.

Starker Mann mit allen Freiheiten

Doch ich habe gemerkt, dass ich eine Pause brauche", meinte er. Eine Rückkehr auf die Trainerbank schloss Völler allerdings nicht aus: "Wenn ich mich für etwas entschieden habe, werde ich das auch durchziehen. Ich bin aber noch jung, das heißt nicht, dass ich nicht irgendwann was anderes mache."

Von 1996 bis 2000 amtierte Völler in Leverkusen schon einmal als Sportdirektor, damals allerdings noch im Schatten des allmächtigen Managers Reiner Calmund. Nach dessen überraschendem Rücktritt im vergangenen Juni und den Abgängen von Sportdirektor Jürgen Kohler und Manager Ilja Kaenzig war in der sportlichen Führung der Rheinländer ein Vakuum entstanden. Dies soll Völler nun füllen.

Der Ex-DFB-Teamchef ist ein enger Freund von Calmund, über dessen Abgang er sagt: "Jeder weiß, dass es Differenzen gab. Es herrscht nicht Friede, Freude, Eierkuchen, nur weil ich jetzt da bin. Ich weiß aber, dies hat mir Holzhäuser versichert, dass Reiner Calmund immer willkommen ist."

Neben Holzhäuser beteuern auch der bisherige Sportchef Michael Reschke und Trainer Klaus Augenthaler, keinerlei Probleme mit Völlers Kompetenzen zu haben. Reschke, ein fleißiger Arbeiter, aber kein Mann der Öffentlichkeit, erklärte, er habe "überhaupt kein Problem" und liege "mit Rudi auf einer Wellenlänge". Augenthaler, mit Völler 1990 Weltmeister, stellte klar: "Wir alle freuen uns auf Rudi. Er hat Fachkompetenz und Erfahrung." Ihre Dissonanzen nach Augenthalers Foul an Völler im November 1985 haben die beiden ausgeräumt. Auge hatte damals im Trikot des FC Bayern den Bremer so grob gefoult, dass der einen Adduktorenabriss erlitt und im Meister-Rennen beider Klubs fünf Monate ausfiel. Die Szene galt als Beginn der großen Rivalität zwischen Bayern und Werder, Bremer Fans schickten Augenthaler damals Morddrohungen.

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