Wettanbieter im Verteilungskampf

- München - Neuerdings läuft im Radio dieser Werbespot: Franz Beckenbauer empfiehlt Oddset. "Mit jeder Wette helfen Sie der Fifa-WM 2006. A guade G'schicht", bayert der Kaiser. Nun ja, jede Wette ein Segen für das Großereignis des deutschen Fußballs, wird der Hörer spontan fragen? Auf Paderborn - HSV und Braunschweig - St. Pauli, die von Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer geleiteten Partien, wurde bei Oddset schließlich auch gesetzt - und daraus entstand ein Schadenfall: für die staatliche Lotteriegesellschaft in Höhe von etwas mehr als einer Million Euro und natürlich für Schiedsrichterwesen, DFB und irgendwie auch die WM.

Die Beckenbauer-Reklame bleibt auf Sendung. "Man könne, erklärt Oddset-Präsident Erwin Horak, nicht das Auftreten "krimineller Energie" bei einer lang geplanten Werbekampagne berücksichtigen. Der Fall Hoyzer hat in knapp einer Woche alle überrollt - auch Oddset.

Die staatliche Sportwette ist in die Offensive gegangen. Der Fall der verschobenen Spiele würde "von illegalen Wettanbietern gegen Oddset instrumentalisiert", klagt Horak. Es ist der klassische Konflikt auf dem boomenden Markt der Sportwetten. Oddset muss mehr Steuern und zweckgebundene Abgaben abdrücken als die private Konkurrenz, die übers Ausland oder über in Endzeiten der DDR und durch den Einheitsvertrag legitimierte Lizenzen wirkt und attraktivere Quoten anbieten kann. Einige der Privaten fordern nun einen Lizenzentzug für Oddset, weil dort anonymer gewettet werden könne als bei den Internet-Anbietern. Oddset wiederum prozessiert seit Jahren gegen die Zulassung von Betandwin und Co.

Und nun wird Oddset auch gegen Schiedsrichter Hoyzer Anzeige erstatten - wegen Betrugs. Geschädigt wurde die Lotterie in zwei Fällen, von einem Berliner Großspieler, den man namentlich ermittelte. Wer es ist, wird nicht publik gemacht. "Spielgeheimnis", wehrt Horak ab. "Und der Kunde hat danach auch wieder verloren." Die Manipulationen bei anderen Hoyzer-Spielen trafen private Anbieter.

Mit denen soll sich Oddset in einer DFB-Kommission treffen. "Wir wissen davon nur aus den Medien, vom DFB haben wir noch nichts", sagt Oddset-Präsident Horak. "Aber an einem Tisch mit denen zusammensetzen werden wir uns nicht." Zum Skandal kommt jetzt noch der Verteilungskampf der Wettanbieter - koa guade G'schicht.


 

Auch interessant

Kommentare