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Mitten in St. Moritz: Das Eurosport-Studio in einer durchsichtigen Halbkugel.

Eurosport zeigt „jede Olympia-Sekunde“

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Heute in einem Jahr beginnen die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea. Für die Fernsehzuschauer in Deutschland wird sich eine große Umstellung ergeben. Nicht mehr ARD und ZDF übertragen das Großereignis, dafür wird es bei Eurosport laufen. Was erwartet uns da?

Von Günter Klein

St. Moritz– Tatsächlich, sie laufen gegeneinander die 100 Meter: Jesse Owens, der Held von 1936. Carl Lewis, der Star, der 1984 zu seinem Jahr machte, und Usain Bolt, die Sprint-Erscheinung der Neuzeit. Ein jeder auf der Höhe seines Schaffens. Sie haben die Bahnen nebeneinander, Ihr Wettrennen sieht real aus.

Es ist natürlich ein Trick. Originalaufnahmen aus verschiedenen Epochen virtuell vereint. „Time Machine“, Zeitmaschine, nennt sich die Spielerei, mit der der Sender Eurosport für Aufsehen sorgen und bei den Zuschauern punkten will.

Tina Maze arbeitet an etwas Ähnlichem. Der Super-G der Damen bei der alpinen Ski-WM in St. Moritz ist gerade vorbei, und vor zwei Jahren wäre es noch das Business der Slowenin gewesen, (Sieger-)Interviews zu geben. Jetzt sitzt sie im Übertragungswagen von Eurosport, in den kaum Tageslicht dringt. Erleuchtet wird er von einer Vielzahl von Monitoren und den Pegelzuckungen der Mischpulte. Tina Maze hat auch hier – wie zu aktiven Zeiten – die lila Wollmütze ihres Sponsors auf, immer noch ist sie das Milka-Girl. Aber nun eben auch „The Coach“. Ihre neue Rolle im TV. Die Erklärerin, die Analystin. Sie ist hochkonzentriert, als sie die Läufe mehrerer Fahrerinnen übereinander projizieren lässt. Es geht sehr ins Fachliche hinein, das Fernsehen wird zum Telekolleg Skischule: Ist die engere Linie die bessere? Oder bringt die weitere am Ende mehr? An welchem Tor hat Athletin X wie viele Hundertstel liegen lassen? Tina Maze arbeitet sich durch den Kurs, und das geht nicht wie früher auf Skiern in einer Minute zwanzig.

Viel an Information zu vermitteln, das ist einer der Ansprüche, die Eurosport formuliert. St. Moritz ist der Testlauf für so vieles in den kommenden Jahren. Einst war Eurosport ein Nischenkanal, eine Resterampe, der den Markt Europa berieselte mit dem, was die Großen nicht versendeten. Nun gehört er zum US-Konzern Discovery, agiert weltweit und mit verschiedenen Programmfenstern für verschiedene Länder. Und längst muss nicht mehr alles der gute alte Sigi Heinrich kommentieren und auch nicht mehr aus einer Box in einem fernen Studio in Paris oder München.

Eurosport ist vor Ort und hat die Premiumrechte erworben. Die Olympischen Spiele 2018 (Pyeongchang), 2020 (Tokio), 2022 (Peking) und 2024 (Ort noch offen) zeigt Eurosport – Südkorea im kommenden Jahr nach derzeitigem Stand in Deutschland sogar exklusiv. ARD und ZDF haben keine Sublizenzen gekauft, der Zuschauer muss daher Abschied nehmen von Vertrautem: Den öffentlich-rechtlichen Experten, den Kommentatorenstimmen – und von Katrin Müller-Hohenstein und ihrer Norwegerpulli-Kollektion.

Doch was kommt? Kann Eurosport das leisten, was die großen Sender an Qualität etabliert haben? Die Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sind hoch. Mehr Zuschauer denn je auf mehr Bildschirmen sollen erreicht werden – es geht auch um den technologischen Fortschritt in der Verbreitung der Bewegtbilder. „Wir wollen das Beste aus der bisherigen Berichterstattung übernehmen und es weiterentwickeln“, sagt JB Perrette, der Präsident von Discovery International Networks. Früher hat er für den US-Riesen NBC die Spiele als Fernsehereignis inszeniert, er nennt Olympia „eine großartige Franchise“.

Peter Hutton ist der CEO, also der Chef von Eurosport. Ein kleiner Engländer, er erläutert das Konzept: Information mit all den Spielereien ist eine Säule, die andere natürlich die Action, außerdem will Eurosport es menscheln lassen (weswegen eine mehrteilige Dokumentation mit der Comeback-Spezialistin Lindsey Vonn bereits im Programm ist) und auch die Atmosphäre vor Ort einfangen. Und vor allem „wollen wir zeigen, dass Eurosport nicht mehr der paneuropäische Sender ist, der er mal war, sondern ein deutscher Sender mit deutschen Gesichtern für deutsche Zuschauer“.

Ein paar Expertenverpflichtungs-Coups hat Eurosport schon gelandet: Sven Hannawald und Martin Schmitt fürs Skispringen, dann Tina Maze, die gut Deutsch spricht. Als Tennisvermittler hat sich gerade erst bei den Australian Open Boris Becker mit Rekordquoten etabliert, und schon lange am Start ist im Alpinbereich Frank Wörndl, bei dem sich die Kollegen auch nach Jahrzehnten noch wundern, wie er auch ohne Kenntnis von Zwischenzeiten erfasst, ob einer gut oder hoffnungslos unterwegs ist („Du musst selbst gefahren sein, um das zu spüren“, sagt er selbst),

Wichtig auch für Olympia: Es wird ein Studio geben, in das Gäste wie die Medaillengewinner kommen. In St. Moritz thront Eurosport in der Ortsmitte. Auf einem Parkhaus und dem Kantonalgericht entstand eine durchsichtige Halbkugel. In ihr steht das Moderationspult. Die Teams aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Italien und den Niederlanden müssen es sich halt teilen. Die englischen Zuschauer bekommen dann Jonathan Edwards, den immer noch drahtigen, aber ergrauten und immer noch amtierenden Dreisprung-Weltrekordler, zu sehen. Er hat nach seiner Sportlerlaufbahn Karriere bei der BBC gemacht.

Und was von den Olympischen Spielen wird Eurosport nun zeigen? „Alles“, sagt CEO Hutton und gibt das Jede-Sekunde-kommt-Versprechen. Im Fernsehen vor (bei Eurosport 1) und hinter der Bezahlwand (bei Eurosport 2 – mancherorts aber in Kabelpaketen enthalten), in Livestreams über den Eurosport Player.

Problem, womöglich – und bei den leer ausgegangenen Öffentlich-Rechtlichen lästern sie darum schon: Die interessanten Ereignisse laufen bei den Spielen in Südkorea nach deutscher Zeit in der Nacht. Peter Hutton glaubt dennoch, „dass der Fan aufstehen wird. Ich habe das auch getan, als ich 1990 in Indien gelebt habe und bei der Fußball-WM in Italien England – Argentinien kam.“ Und ohnehin sei olympischer Sendebetrieb rund um die Uhr, 24/7.

In der Fernsehbranche hört man, dass ARD- und ZDF-Reporter, die Olympia nicht missen wollen in ihrem Berufsleben, die Bewerbungen schon nach Paris geschickt haben in die Eurosport-Zentrale. Peter Hutton lächelt betont diskret: „Wir sind eine populäre Organisation.“

Die wichtigste Frage, die man Eurosport ein Jahr vor dem Olympia-Einstieg stellen muss, ergibt sich aus der Sorge der kritischen Zuschauer: Versteht sich der Sender als reine Abspielstation des Sports – oder wird er auch in die Hintergründe eintauchen? In die Felder Doping, Korruption, Sportpolitik?

„Wenn da was passiert, werden wir uns nicht wegducken, es nicht übermalen, sondern werden berichten. Wir sind nicht dazu da, Propaganda fürs IOC zu machen“, sagt Peter Hutton. „Wir sind Journalisten, und als Journalist kann ich nur bewundern, was Hajo Seppelt für die ARD mit seinen Enthüllungen geleistet hat.“ Lieber ist es Eurosport natürlich, wenn Olympia ein reines Fest werden würde. Wie früher (vielleicht mal).

Übrigens: Das Zeitmaschinen-Rennen über die 100 Meter hat – klar – Usain Bolt gewonnen. Eine Überraschung offenbarte es dennoch: Der beste Mann auf den letzten zehn Metern war mit Abstand Jesse Owens.

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