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"Ja - ich will die Tour gewinnen"

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- Für Andreas Klöden war bei T-Mobile zunächst die Tour-Rolle des Edelhelfers vorgesehen; nach der Suspendierung von Jan Ullrich eröffnete sich für ihn die Chance, selbst um einen Spitzenplatz zu kämpfen. Zwar musste der Tour-Zweite von 2004 im März einen Rückschlag einstecken; bei einem Trainingssturz zog sich der 31-Jährige eine Schultereckgelenkssprengung zu. Trotz der dreimonatigen Rennpause kam er zuletzt aber immer besser in Schwung. Jetzt macht er sich sogar Hoffnungen auf den Tour-Sieg.

Andreas Klöden, wie hat Ihr Team die Suspendierung von Kapitän Jan Ullrich verkraftet?

Andreas Klöden: Der Spannungsbogen, den wir uns aufgebaut hatten, war natürlich mit einem Mal zusammengebrochen. Ich hatte dann beim Prolog sicher noch nicht die besten Beine, weil ich mit dem Kopf nicht richtig beim Rennen war. Mit Kesslers Etappensieg und Michael Rogers, der am Gelben Trikot dran ist, haben wir aber bewiesen, dass wir hundertprozentig in Form sind. Wir versuchen, das jetzt auszunutzen, und werden den Kopf nicht in den Sand stecken. Diese Tour fahren wir auch für Jan.

Das heißt also, die Mannschaft glaubt nicht, dass Ullrich gedopt hat?

Klöden: Solange das nicht hundertprozentig bewiesen ist, halten wir Jan für unschuldig.

Wie bewerten Sie die aktuelle Dopingdiskussion?

Klöden: Jetzt wird natürlich alles rausgekramt. Das könnte ruhig mal aufhören. Wir fahren die Tour, das ist hart genug für uns. Ich will endlich den Kopf freikriegen, um an meine Power ranzukommen.

Wie viel Power trauen Sie sich nach Ihrer schweren Schulterverletzung zu?

Klöden: Ich habe meine Form noch relativ gut hingekriegt. Sie ist gut, aber noch steigerungsfähig. Ich fahre derzeit auf den Flachetappen einfach mit, versuche nicht zu stürzen, um mit einem geringen Rückstand in die ersten Berge reinzukommen.

Auffallend war bisher, dass Sie bei allen Etappen unter den ersten 20 ins Ziel gekommen sind.

Klöden: Das hat mir Jan in den letzten Jahren beigebracht: Man muss vorne weg fahren, um dem Stress weiter hinten aus dem Weg zu gehen.

Sie haben nun mehr Freiheiten; ist die Tour durch Ullrichs Ausschluss für Sie persönlich sportlich reizvoller geworden?

Klöden: Nö, gar nicht, das kann man so nicht sagen. Ich hätte vor der Saison ja woanders hingehen können. Aber ich wollte bei dieser Tour den Helfer für Jan machen. Jetzt versuche ich halt, für ihn in die Bresche zu springen.

Das klingt nach großen Zielen . . .

Klöden: Ich schiele schon auf das Gesamtklassement.

Sie wollen also die Tour gewinnen?

Klöden: Ich denke dran. Auf alle Fälle.

Das Gespräch führte Armin Gibis

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