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Die Zeit der Orgien ist vorbei - auch beim VfL

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- Vielleicht hat die letzte Saison dem VfL Wolfsburg die Augen geöffnet. Bis dahin war der Klub für den durchschnittlichen Bundesligafan eben existent, mehr aber auch nicht. Als sich am 34. Spieltag jedoch urplötzlich die Möglichkeit auftat, den Werksklub wieder in den Tiefen der Zweiten Liga verschwinden zu lassen, ergriff ganz Fußball-Deutschland mit Kaiserslautern, dem Rivalen im Abstiegskampf, Partei.

Am Ende hielt Wolfsburg knapp die Klasse, dennoch: das Imageproblem bleibt. Man ist geneigt, die "Wölfe" als "graue Maus" zu bezeichnen, was allerdings ein Widerspruch in sich ist und zudem einen lauten Aufschrei und Beschwerden in den Bielefelds und Bochums dieser Welt zur Folge hätte.

Der Auftrag für die neue Saison ist also klar: endlich für ein gutes Image sorgen. Und da bieten sich ja vielfältige Möglichkeiten. Man könnte beispielsweise als besonders verschworene Truppe auftreten, das "Modell Mainz" sozusagen. Beste Voraussetzungen dafür wurden bereits in der gezielten Transferpolitik geschaffen. Jeder Mannschaftsteil wurde mit einem qualitativ guten Neuzugang verstärkt. Alexander Madlung, der aus Berlin kam, soll der Abwehr Stabilität verleihen, Jacek Krzynowek (ehemals Bayer Leverkusen) im Mittelfeld wirbeln und der Ex-Bielefelder Isaac Boakye für mehr Tore sorgen. Hinzu kommt Jonathan Santana, der von River Plate Buenos Aires zu den Wolfsburgern stößt.

Dank dieser geringen Zahl an Neuankömmlingen sollte gewährleistet sein, dass sich die Spieler zu Saisonbeginn untereinander mit Namen kennen. Neu in der VW-Stadt, wo bisher (in Anlehnung an die Konzernführung) alljährlich wahre Transferorgien gefeiert wurden. Als problematisch könnte es sich allerdings erweisen, dass die Akteure neben den Kollegen wohl auch alle Fans mit Namen kennen. Die hochmoderne VW-Arena ist meist nur zur Hälfte gefüllt. Da die Anhänger in Mainz aber einen wichtigen Faktor darstellen, sollte man sich in Sachen Image noch ein zweites Standbein schaffen, etwa das: die Liga mit Zauberfußball begeistern.

Hier kommt genannter Jonathan Santana ins Spiel. Der Argentinier ist zwar keine "klassische 10", aber die will nach dem Riesenmissverständnis um die Diva Andres d'Alessandro ohnehin niemand mehr. In einer Sternstunde besagter (Transfer-)Orgien hat man d'Alessandro übrigens mit einem Siebenjahres-Vertrag ausgestattet, weshalb er nun zwangsweise verliehen wird. "Santana ist nicht vergleichbar mit ihm. Ich stelle mir vor, dass er die Rolle spielt, die Ballack bei der WM innehatte", sagt Trainer Klaus Augenthaler. Mit WM-Fahrer Mike Hanke, dem Gaucho-Duo Menseguez/Klimowicz und Krzynowek zählt die Offensive zu den ligaweit besten. Das mit dem Zauberfußball wäre also zumindest im Bereich des Möglichen.

Und notfalls hat man noch Trainer Klaus Augenthaler. Der Ur-Bayer zeigte in der Operation "Ruf-Verbesserung" ein hohes Maß an Eigeninitiative, indem er den Strafenkatalog änderte. Beim VfL Wolfsburg muss man für seine Vergehen zukünftig vor versammelter Mannschaft ein Lied anstimmen. Für alle ausländischen Spieler wurde die deutsche Nationalhymne als Vortragsstück ausgewählt. "Einen hat's schon erwischt", verrät Augenthaler, "der hat gesungen: Einigkeit und Recht und Freizeit." Das "Modell Wolfsburg" ist geboren. Eigentlich ungerecht, dass Augenthaler trotz dieser kreativen Ansätze als Topfavorit auf die erste Trainerentlassung gilt. Dieser Ansicht ist zumindest der in München wohlbekannte Wettanbieter "Betandwin".

In der Tabelle strebt der VfL Wolfsburg, nach Konzernplan eigentlich schon amtierender Meister, die internationalen Ränge an. Und wenn der Durchschnittsfan das Erreichen des Uefa-Cups mit einem Feierabendbier begießt, haben in Wolfsburg alle ihre Arbeit gemacht.

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