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Räume schaffen: Auch Danilo Barthel (r.) trug dazu bei, dass Dennis Schröder beim 75:63-Sieg gegen die Ukraine 32 Punkte gelangen.

Basketball-EM

Zwei Punkte für den Erfolg

  • Christopher Meltzer
    vonChristopher Meltzer
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Tel AvivDie Aktion, die Danilo Barthel in Erinnerung bleiben wird, war wenig spektakulär. Unter dem Korb fing er einen feinen Pass Dennis Schröders, schirmte den Ball geschickt ab, ehe er ihn mit der rechten Hand in den Korb gleiten ließ. Eine Bewegung, an der Barthel täglich feilt. Und doch war sie dieses Mal besonders. Sie glückte im Auftaktspiel der Europameisterschaft, das Deutschland gestern in Tel Aviv mit 75:63 (39:33) gegen die Ukraine gewann. Sie glückte bei Barthels EM-Debüt.

Eigentlich hatte der Basketballer des FC Bayern diesem Moment schon vor zwei Jahren entgegengefiebert. Vor der Heim-EM in Berlin hatte Bundestrainer Chris Fleming ihn als zweiten Power Forward hinter Dirk Nowitzki vorgesehen. Doch der eigene Rücken bremste Barthel aus. Aus der Ferne musste er mitansehen, wie Deutschland bereits in der Vorrunde scheiterte – und die Mannschaft enttäuscht auseinanderging.

Als sich die deutschen Basketballer ein Jahr später wieder versammelten, meldeten sich viele Spitzenspieler ab, um ihre Vereinskarrieren voranzutreiben. Barthel hätte sich ihnen anschließen können, der FC Bayern hatte ihn gerade als Neuzugang vorgestellt. Doch verbrachte er den Sommer nicht in den Trainingshallen Münchens, sondern quälte sich mit der Nationalmannschaft durch die EM-Qualifikation.

Als er an diesem Mittwoch die Halle in Tel Aviv nach dem Abschlusstraining verließ, huschte unter seinem zotteligen Bart schließlich ein Lächeln hervor. „Es ist schon eine große Vorfreude, dass es endlich klappt“, sagte er. Sein Körper hat ihn seit zwei Jahren nicht mehr ausgebremst.

Chris Fleming freut das besonders, profitierte er in dieser Zeit doch vom treuen Barthel. „In den letzten zwei Jahren war Danilo unser konstantester Spieler“, sagt der Bundestrainer. „Gerade, weil er diese Konstanz bringt und extrem zuverlässig ist in allem, was er macht.“

Barthel der als einziger Profi des FC Bayern im deutschen Aufgebot steht, erledigt zahlreiche Aufgaben. Die Vielseitigkeit ist sein Vorzug. „Ich versuche, mit viel Energie für das Team zu spielen“, sagt der 2,11-Meter-Mann selbst, „ich mache das, was notwendig ist: Rebounds, Punkte, gute Verteidigung. Ich bin ein ganz guter Allroundspieler.“ Auch in München schätzen sie das. Bayern-Trainer Aleksandar Djordjevic vertraute dem Neuling in seiner ersten Saison viele Spielminuten an.

Zu den Allerbesten zählt Barthel mit 25 Jahren noch nicht, doch hat das Ukraine-Spiel beweisen, dass er auch auf internationalem Niveau Akzente setzen kann. Zwar sammelte er nur zwei Zähler, stellte sich aber gerade in der Verteidigung clever an. Er sucht den Körperkontakt – und besetzt damit eine Nische im deutschen Team. „Ich bin die erste Option im Low Post“, sagt Barthel. „Ich attackiere und schaffe viele Freiräume für die anderen.“ Im Low Post, der Zone direkt unter dem Korb, kennt er viele Tricks. Er selbst sagt: „Ich versuche, da zu sein, wo es weh tut.“ Das ist ein typischer Barthel-Satz. Er stellt sich in den Dienst der Mannschaft. Das Aufsehen erregen andere, allen voran Dennis Schröder, der zum Auftakt mit 32 Punkten glänzte.

Wenn Deutschland morgen (14.45 Uhr) im zweiten Gruppenspiel gegen Georgien antritt, wird Barthel Schröder unterstützen. Er wird Blocks stellen und Freiräume schaffen. Er wird mal wieder die Arbeit verrichten, die wenig spektakulär, zugleich aber unverzichtbar ist.

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