Scharfe Kritik an der Olympia-Bewerbung übte Naturschützer Axel Doering (vorn). Rechts hinter ihm ist der Salzburger Olympia-Kritiker Willi Rehberg zu sehen. Foto: Kaiser

Naturschützer klar gegen Olympia

Garmisch-Partenkirchen - Ein striktes "Nein" für die Bewerbung um die Olympischen Winterspiele: Der Bund Naturschutz sieht in wintersportlichen Groß-Ereignissen eine zu hohe Belastung für die Umwelt.

Unkontrolliert ansteigende Kosten, die sinnlose Zerstörung der Landschaft sowie auf Dauer wenig Nutzen für den Tourismus und die Bevölkerung: Das waren die wichtigsten Argumente, mit denen sich die Referenten einer Fachtagung des Bundes Naturschutz (BN) in Garmisch-Partenkirchen gegen wintersportliche Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele aussprachen.

Rund sechzig Naturschützer, aber auch der bayerische Grünen-Vorsitzende Dieter Janecek, Landtagsabgeordneter Ludwig Hartmann sowie die Bürgermeister Adolf Hornsteiner (Mittenwald) und Martin Wohlketzetter (Farchant), waren dabei. Unter den Experten war auch der Chef des Alpenforschungsinstituts, Thomas Bausch, und der Salzburger Olympia-Kritiker Willi Rehberg.

Die wichtigsten Argumente gegen die Bewerbung schilderte der heimische BN-Vorsitzende Axel Doering. So seien die Spiele unter anderem nicht nachhaltig, denn eine Nutzung der Sportstätten nach 2018 sei zweifelhaft. Auch das Argument, dass „alles bereits vorhanden“ sei, stimme nicht. So müssten beispielsweise das Snow-Village für 2500 Sportler und das Mediacenter für 3500 Mitarbeiter erst gebaut werden. Überdies würden die Verkehrsprojekte zwischen Eschenlohe und Garmisch-Partenkirchen eine Riesen-Baustelle nach sich ziehen und den Tourismus jahrelang zum Erliegen bringen.

Warum die Umweltschützer zunächst dennoch in die Bewerbung involviert waren, erklärte Doering so: „Wir haben uns erst in die Planungen einbinden lassen, dann wurde mit allerlei Begründungen gebaut wie es den Funktionären, aber nicht uns passte.“

Der Salzburger Olympiagegner Willi Rehberg riet ebenfalls von einer Bewerbung ab. Insbesondere befasste er sich mit dem „Host-City-Contract“ zwischen Bewerbern und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Der sei ein reiner Knebelvertrag, in dem sich die Herren aus Lausanne sämtliche Rechte einräumten. „Allein das IOC entscheidet, was bezahlt wird“, betonte Rehberg. „Und die ,olympische Familie‘ verlangt sogar noch Steuerfreiheit für sich. Ab der Unterschrift herrscht in München und Garmisch-Partenkirchen für die kommenden sieben Jahre ein gesetzloser Zustand.“

Schließlich wies Tourismus-Professor Bausch in seinem Referat darauf hin, „dass lediglich 18 Prozent der deutschen Urlauber einen Aktivurlaub wollen, Tendenz kaum steigend“. Lediglich acht Prozent seien auf Sport bedacht und nur 15 Prozent hielten Skifahren für unverzichtbar. „Nichts gegen Wintersport und seine hiesige Tradition, aber ich wehre mich gegen seine touristische Überhöhung.“

Um mehr Gäste in die Marktgemeinde zu locken, müsse deshalb in erster Linie das Angebot verbessert werden. „Für Olympia gilt es abzuwägen, ob man sich für eine solche Veranstaltung weiter massiv verschuldet, nur weil man es sich ,leisten‘ will.“ So sei eine kaum realisierbare Steigerung der Tourismuszahlen nötig, um allein die 30 Millionen Euro für die jüngsten Investitionen wie die Schanze und Beschneiungsanlagen abzuzahlen.

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