Leidenschaftliche Schwedinnen holen Gold

Vancouver - Schwedens Curlerinnen küssten sich leidenschaftlich und hielten nach einem dramatischen Finale gegen Kanada ein Plädoyer für sportliche Mütter bei Olympia.

“Das Gold ist viel mehr wert als vor vier Jahren. Wir haben alle Familien mit Kindern und leiden sehr unter den vielen Reisen“, sagte Eva Lund, “aber wir sind wie Schwestern und fangen das gemeinsam auf.“ Vor den Augen des schwedischen Königspaares Carl XVI. Gustaf und Silvia besiegte das Team um die 43 Jahre alte Anette Norberg am Freitag (Ortszeit) vor 5600 Zuschauern im ausverkauften Olympic Center das Team der Gastgeber mit 7:6 nach Extra End.

Als erste auf dem olympischen Eis triumphierten die Skandinavierinnen ausgerechnet im Hexenkessel von Vancouver zum zweiten Mal nacheinander. “Ich hatte gar nichts mehr zu verlieren“, erzählte Skip Norberg nach dem aufregenden Finish, bei dem sie kaum noch ihr eigenes Wort unter den “Let's go Canada“-Rufen von den Rängen verstand. “Ich hoffe, dass Curling jetzt Nationalsport Nummer 1 in Schweden wird“, meinte die blonde Skandinavierin lächelnd.

Dabei weiß das Quartett, dem wie in Turin auch noch Cathrine Lindahl und Anna Le Moin angehörten, noch gar nicht, ob es gemeinsam weitermacht. Nächstes Projekt nach dem insgesamt fünften Curling-Gold für Schweden könnte eine Rock'n'Roll-CD sein, meinte Norberg - das erste Musikvideo “Hearts of fire“ war schon erfolgreich.

Bei den Fans der Gastgeber im Canada Hockey Place herrschte nach dem letzten Stein blankes Entsetzen. “We love you Cheryl“ hallte es durch den Curling-Tempel, als Skip Bernard bis zum letzten End führte und dann Nerven zeigte. “Man hat nur einmal im Leben so eine Chance, Gold im Heimatland zu gewinnen, es tut mir so leid“, sagte die attraktive Mannschaftsführerin aus Calgary, die schon ein Buch über die Psychologie in ihrem Sport geschrieben hat. Ein wenig Trost lieferte allein der Einzug der “Ahornblätter“ ins Eishockey-Finale wenig später.

“Cheryl hat uns erst zu Olympia geführt“, sagte Susan O'Connor, “ich hätte niemand anderem auf dieser Welt diesen letzten Stein gegeben.“ Die Niederlage war bitter, sie hätten auch gern zu den starken kanadischen Frauen bei diesen Winterspielen gezählt, die ganz oben auf dem Podium standen. “Morgen, übermorgen, und erst recht nächstes Jahr werden wir stolz sein. Es gibt eine Million Curler in Kanada, die alles gegeben hätten, umso weit zu kommen wie wir“, sagte O'Connor.

dpa

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