Katrin Zeller (rechts, Evi Sachenbacher-Stehle (Mitte), Miriam Gossner (links) und Claudia Nystad (oben links) feiern Silber in der Staffel
+
Katrin Zeller (rechts, Evi Sachenbacher-Stehle (Mitte), Miriam Gossner (links) und Claudia Nystad (oben links) feiern Silber in der Staffel

Waffenstillstand im deutschen Langlauf-Lager

Vancouver - Nach dem erstem Frust hat das Gold im Teamsprint von Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad einen radikalen Stimmungsumschwung bewirkt. Auch der Bundestrainer will nicht nachtreten.

Janko Neuber, der Chef der deutschen Langlauf-Frauen, schien nicht einmal sonderlich überrascht zu sein von Silber. „Die Mädchen schweben derzeit auf der Euphoriewelle“, erklärte er den famosen Staffel-Auftritt im Olympic Park von Whistler. Nach schneidigem Finish erreichte Schlussläuferin Claudia Nystad als Zweite hinter Norwegen die Ziellinie und sorgte damit dafür, dass die DSV-Damen ihr olympisches Soll übererfüllten. „Wir wären hier auch mit Bronze nicht unzufrieden nach Hause gefahren“, sagte Neuber.

So schön sind die deutschen Olympia-Damen

So schön sind die deutschen Olympia-Damen

So schön sind die deutschen Olympia-Damen

Die Hochgefühle, die nunmehr die deutschen Langläuferinnen so beseelen, waren nach der ersten

Lesen Sie dazu:

Gold-Evi: Ihr junges Glück, ihr alter Ärger

Der nackte Wahnsinn: Gold mit nichts drunter

Olympia-Woche nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Da hatte Chefcoach Jochen Behle noch mächtig gepoltert und das angeblich mangelhafte Trainingspensum der DSV-Damen pauschal angeprangert. Doch nach erstem Frust hat das von Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad am Montag errungene Gold im Teamsprint einen radikalen Stimmungsumschwung bewirkt.

Und so wollte sich auch Behle nicht mehr auf alte Diskussionen einlassen. „Lasst uns heute über Silber sprechen“, sagte er. Und da spielte Claudia Nystad eine tragende Rolle. Behle befand: „Sie ist ein perfektes Rennen gelaufen.“ Und das auch in taktischer Hinsicht. „Ich habe mich in der ersten Runde zusammenreißen müssen, dass ich nicht zu schnell angehe. In der zweiten Runde habe ich gemerkt, dass ich die Stärkste war“, erzählte die 32-Jährige aus Oberhof.

Deutschland top! Der ewige Medaillenspiegel

Deutschland top! Der ewige Medaillenspiegel

Deutschland top! Der ewige Medaillenspiegel

Ihrer Attacke konnte dann die finnische Schlussläuferin Aino-Kaisa Saarinen nichts mehr entgegen setzen. „Wir wussten, wie stark Claudia ist. Sie hat dann früh angegriffen, so dass ich schon Angst hatte. Aber sie hat derzeit das Selbstvertrauen, um das durchziehen zu können“, erklärte Neuber. Ebenfalls ein couragiertes Rennen bot Katrin Zeller als Startläuferin. Die Oberstdorferin übergab als Dritte: „Es lief viel besser als geplant“, erzählte die 30-Jährige. Von Behle wurde ihr ein „sehr gut“ zuteil.

Nicht ganz so flott war dagegen bei kanadischem Aprilwetter Evi Sachenbacher-Stehle im klassischen Stil unterwegs. Als einzige klagte die 29-Jährige aus Reit im Winkl über Materialprobleme: „Der Ski hat auf der zweiten Runde abgebaut.“ Sie verlor fast eine Minute und fiel auf Rang sechs zurück.

Doch dann war es die Jüngste, die das deutsche Team wieder nach vorne brachte. Miriam Gössner bot auch den Weltklasseläuferinnen Kristin Stoermer Steira (Norwegen) und Riitta-Lisa Roponen (Finnland) Paroli. „Da kennt die nichts“, sagte Behle zum Kampfgeist der 19-Jährigen aus Garmisch-Partenkirchen. „Man hat gesehen, dass sie ein absolutes Ausnahmetalent ist“, rühmte Neuber die leichtgewichtige Schnellläuferin, die das DSV-Team auf Medaillenkurs brachte. Wie schon im Vorjahr bei der WM in Liberec.

Dabei ist Miriam Gössner, wenn man so will, nur eine Leihgabe. Sie kommt aus dem Biathlon-Lager und wechselte nur für die Winterspiele das Metier. Behle aber scheint die Hoffnung noch nicht aufgegeben zu haben, die Skijägerin dauerhaft in seine Dienste einspannen zu können: „Ich habe hier schon das Loch gebuddelt, wo ihre Waffe rein soll“, sagte er.

Armin Gibis

Auch interessant

Kommentare