Zum offenen und ehrlichen Meinungsaustausch in Sachen Olympia rief Christl Unruh, Vertreterin der Vermieter, Bürger und direkt Betroffene auf.

Olympia 2018: Gegner oder Befürworter - wer hat die besseren Argumente?

Oberammergau - Als Wettkampfstätte für Langlauf und Biathlon gilt Oberammergau im Falle eines Zuschlags der Olympischen Winterspiele 2018 für München. Noch indes besteht viel Klärungsbedarf.

Etwa „fünf bis zehn Prozent der Oberammergauer“, so schätzt Franz Windirsch, sind gegen Olympische Spiele im eigenen Dorf. Aber eben diese kleine Gruppe war es, die die Stimmung beim von Windirsch mitorganisierten Symposium „Olympia 2018: die Chance für Oberammergau“ massiv bestimmt hat. Darunter die betroffenen Landwirte, die sich über fehlende Informationen zu den Flächen beschwerten, die sie für Langlauf- und Biathlon-Wettkämpfe bereitstellen sollen. Die Bauern betonten lautstark, nicht gegen Olympia zu sein. Zeitgleich drohten sie aber, vorerst nichts unterschreiben zu wollen.

„Wir brauchen Sie und wollen Sie überzeugen“: Der Appell vom Matthias Schöner, mit viel Elan auftretender „Masterplaner“ der Bewerbung, war dennoch nicht nur an die Landwirte gerichtet, sondern an alle Oberammergauer. Denn nur wenn das ganze Dorf hinter der Idee stehe, und Begeisterung nach außen trage, mache die gemeinsame Bewerbung mit Garmisch-Partenkirchen und München Sinn. „Es gibt zwar einen Plan B“, sagte der Fachmann vom Frankfurter Planungsbüro Albert Speer zu dem Fall, dass die Wettkämpfe in Oberammergau nicht realisierbar wären. Aber das Internationale Olympische Komitee (IOC) würde eine solche Änderung der Bewerbung sehr wohl wahrnehmen, und die Chancen für den Zuschlag dadurch entsprechend sinken.

Schöner versicherte den Bauern, „dass wir die Wiesen wieder so verlassen werden, wie wir sie vorgefunden haben.“ Dass trotzdem mit Unannehmlichkeiten zu rechnen sei, von denen sich in der Zeit vor den Spielen die normalen Touristen belästigt fühlen könnten, gab Korbinian Freier zu bedenken: „Das wird den Qualitätstourismus länger beeinflussen.“

Nicht die einzige kritische Wortmeldung an diesem Abend, durch den Moderator und Tagblatt-Redakteur Ludwig Hutter in souveräner Manier führte: Christl Unruh, die „generell Potenzial für einen Olympiaort Oberammergau“ sieht, erinnerte daran, dass die Spiele in Deutschland die nachhaltigsten aller Zeiten sein sollen. Zeitgleich müsse aufgrund der Südlage der Romanshöhe darüber nachgedacht werden, wie diese beschneit werden können, und woher das dazu benötigte Wasser beschafft werden kann. „Das ist nicht gerade ökologisch gedacht“, sagte Unruh. Ein Punkt, den Monika Lang ansprach, war ihr Eindruck von Gesprächen mit Gästen. Einigen hätten ihr zufolge geäußert, dass durch so ein Ereignis der dörfliche Charakter Oberammergaus leide.

„Wir müssen wissen, wo wir hinwollen“, erklärte Ammergauer-Alpen-Chef Jörg Christöphler. Zeitgleich sprach er sich dafür aus, nicht immer nur auf die alten Zeiten zu schauen. „Hier geht es jetzt um die Zukunft.“ Ein Statement, für das Christöphler viel Applaus bekam. Genauso wie Hotelier Robert Feldmeier für seinen leidenschaftlichen Redebeitrag. Er kritisierte die absolut „negative Stimmung“ im Saal. Es würde nur auf die Probleme geschaut. „Also stecken wir lieber den Kopf in den Sand und geben’s anderen, oder?“, fragte er rhetorisch in die Runde. Olympia sei eine einmalige Chance, die nicht von den Gegner aufs Spiel gesetzt werden dürfe.

Im daraufhin entstehenden Gesprächstumult setzten sich mit den lautesten Redebeiträgen die Grundeigner Anton Niggl und Herbert Köpf durch. Sie seien nicht generell gegen Olympia, aber sie fordern genaueste Informationen zum Streckenverlauf: „Ohne die unterschreiben wir nichts!“

Dass die Klärung der Situation mit den Landwirten vordringliches Problem ist, nahm Matthias Schöner als Eindruck an diesem Abend mit. (nah)

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