Olympia 2018: CSU will Bürger abstimmen lassen

Garmisch-Partenkirchen/Oberammergau - Die ersten Zahlen liegen auf dem Tisch. Die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 auszutragen, soll zwischen 2,84 und 3,51 Milliarden Euro kosten – von heute an gerechnet.

Mit der Post haben die Mitglieder des Marktgemeinderates Garmisch-Partenkirchen ein dickes Kuvert bekommen: die Einladung zur nächsten Sitzung und ein Paket von Unterlagen zur Bewerbung von München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau für die Winterspiele 2018. Das soll die Mandatsträger auf einen wichtigen Beschluss vorbereiten: die Eckpunkte des Mini-Bid-Books, des Bewerbungsbuchs, und erste Garantien für das Internationale Olympische Komitee (IOC).

So fordert das IOC, dass die Bewerber die olympische Charta anerkennen, eine Vereinbarung über die Vermarktung des olympischen geistigen Eigentums schließen und dass Hotels klassifiziert werden. „Es ist eine politische Absichtserklärung, dass wir hinter der Bewerbung stehen“, sagt Bürgermeister Thomas Schmid (CSB). Bayerns Innenminister Joachim Hermann (CSU) habe den Bewerbern schriftlich erklärt, dass damit noch keine finanziellen Zusagen gemacht werden.

Das Eckdatenpapier listet erste Kalkulationen auf. So beläuft sich der Etat für die Organisation der Spiele (OCOG-Budget) auf gut 1,18 Milliarden Euro. Dieses Budget wird mit Einnahmen aus den Übertragungsrechten für Fernsehen, Rundfunk und Internet, durch Sponsoren, Ticket-Verkauf, Lizenzen und weitere Einnahmen gedeckt. Bisher ließ sich dieser Etat bei allen Spielen decken. Dennoch haben Bund, Freistaat und Kommunen zu garantieren, dass sie für Lücken eintreten. Der Haushalt für die erforderliche Infrastruktur summiert sich auf 1,66 bis 2,33 Milliarden Euro.

Im Detail sind die Schätzungen für die Sportstätten und weitere Anlagen in Garmisch-Partenkirchen aufgelistet. Das Gesamtvolumen der Investitionen beträgt mehr als eine Milliarde Euro. „Niemand würde so sehr von den Winterspielen profitieren wie wir“, meint Schmid.

Die Dimension ist gewaltig. Und sie führt bei einigen Mitgliedern des Gemeinderats zu Diskussionen. Die CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch räumte bei einer Klausur ihrer Partei ein: „Wir überlegen uns, ob wir ein Ratsbegehren machen.“ Grundsätzlich soll in Frage gestellt werden, ob Garmisch-Partenkirchen um diesen Preis Partner für die Bewerbung sein möchte. Der Gemeinderat müsse eine „so tief greifende Entscheidung“ treffen, für die eigentlich die Rückendeckung der Bürger erforderlich sei. Allerdings habe der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Thomas Bach, bereits deutlich gemacht: „Dann können Sie diese Bewerbung vergessen“, zitiert Koch.

„Für ein Bürger-/Ratsbegehren zur Grundsatzentscheidung ist es nun zu spät, da bereits alle maßgeblichen Beschlüsse gefasst sind“, meint Bürgermeister Schmid. „Eine Grundsatzdebatte ist hier fehl am Platz.“ Tatsächlich ist der Zug längst in voller Fahrt: Seit Mitte Oktober liegen München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau/Königssee offiziell im Rennen. Würde ein Ratsbegehren zu einem Bürgerentscheid führen und sich eine Mehrheit gegen die Beteiligung aussprechen, wäre Deutschland aus dem Rennen. „Natürlich gibt es noch viele Fragezeichen“, meint auch Schmid. „Aber das ist ein Prozess. Die offenen Fragen werden gestellt und die Antworten gegeben." Auch den Bürgern, die Schmid stärker einbinden will. (matt)

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