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„Wir müssen den Schwung mitnehmen“: WM-OK-Chef Peter Fischer.

Fischer: "Neue WM-Bewerbung ist absolut notwendig"

Garmisch-Partenkirchen - Peter Fischer, Chef des Organisationskomitees, spricht im Merkur-Interview über Geld, Lob, seine Zukunft und eine neuerliche WM-Bewerbung.

Herr Fischer, wie viel haben Sie denn geschlafen in den vergangenen zwei Wochen?

Wenig und schlecht. Ich bin einfach kaputt, aber das sind andere auch. Nun werde ich erst einmal versuchen, zur Ruhe zu kommen.

Wie fällt Ihre persönliche WM-Bilanz aus?

Sehr, sehr positiv. Bauchschmerzen hatte ich neben dem Sport auch wegen des Verkehrs. Im Vorfeld, war die Frage: Klappt das alle? Das Verkehrkonzept hat sehr gut gepasst. Das Schönste für mich war allerdings die Atmosphäre. Garmisch-Partenkirchen hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Die Freundlichkeit und auch die Gastfreundlichkeit waren überragend. Das hat auch den Internationalen Skiverband beeindruckt.

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Nochmal zurück zum Verkehr. Im Vorfeld der WM hatten viele ein Verkehrschaos erwartet. Das ist nicht eingetreten.

Stimmt. Es waren Horrorszenarien entworfen worden, die nie ein Thema waren. Gefreut hat mich, dass die Zuschauer vor allem die Bahn angenommen haben. Ein ganz besonderes Highlight waren die Zeremonien. Aber ich will mich selber nicht loben, das obliegt anderen Und noch eins: Der Chef, das möchte ich ausdrücklich betonen, kann immer nur so gut sein wie sein Team. Das sage ich immer wieder gebetsmühlenartig.

Gab’s auch etwas Negatives?

Von meiner Seite nicht. Vielleicht kommt das noch von den Leuten, die alles besser wissen.

Es gab Probleme mit der Zeitnahme.

Dies war kein Problem der Zeitnahme, sondern ein Data- Problem. Aber natürlich darf es solche Probleme nicht geben. Data-Timing ist und muss Standard sein. Dies war aber kein Problem des OK, sondern der ausführenden Firma.

Es gab viel Lob von Christian Pirzer, dem Chef des Vermarkters Tridem, aber auch Kritik. Ein bisschen hat ihm bei dieser WM die Investitionsfreude gefehlt. Wie sehen Sie die Vorwürfe?

Locker. Weil das ein Vermarkter gesagt hat. Aus der Sicht von Christian Pirzer, der seine Kunden sieht, ist das legitim. Ich habe vor kurzem mit einem noch größeren Vermarkter, Infront, gesprochen, der das so nicht nachvollziehen kann.

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Ein weiterer Pirzer-Kritikpunkt: Ein WM-OK sei nicht dazu da, Gewinn zu machen. Macht das Organisationskomitee denn Gewinn?

Da drehe ich den Spieß um. Auch er muss Gewinn machen. Wenn wir keine schwarzen Zahlen schreiben würden, dann würden alle über mich herfallen und sagen: Der Fischer ist nicht in der Lage, so etwas zu machen. Die Kritiker würden sagen: Ihr könnt mit Geld nicht umgehen. Was wollt ihr mit Olympischen Spielen, wenn ihr nicht einmal eine WM machen könnt? Es ist das Wunschziel eines jeden Veranstalters, mit einer schwarzen Zahl rauszukommen.

Sie schließen also mit Gewinn ab. In welcher Höhe denn? Sechsstellig, siebenstellig?

Das kann ich nicht genau beziffern. Wir kommen jetzt erst in die Abrechnungsphase.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wie hoch ist der Gewinn?

Sicher weiß ich, was rausschaut. Wir werden sehr gut abschließen.

Bis zu welchen Termin wird’s diesen Abschluss geben?

Das wird sich bis in den Sommer reinziehen. Ein vorläufiges Ergebnis wird’s früher geben.

Das Plus geht an wen? Wird es aufgeteilt an den DSV und oder die Marktgemeinde?

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Der DSV ist 100-prozentiger Gesellschafter. Also erhält er auch das Plus. Im Umkehrfall müsste er auch das Minus tragen.

Da wird der DSV stolz auf Sie sein.

Das wird er vielleicht sein. Ja. Es ist ja auch schwierig, ein Großevent wie diese WM mit Gewinn abzuschließen. Wir mussten ein Minus von einer Million Euro ausgleichen, weil die Zuschauerzahlen plötzlich limitiert wurden, und zwei Millionen, was gerne vergessen wird, die wir als Zuschuss anlässlich des Baus des neuen Kandaharexpress bezahlt haben. Das sind drei Millionen Euro, die aus diesem Haushalt abgezogen wurden. Deshalb wird der Gesellschafter sicher stolz sein.

Das hat der Verband am Freitag bereits zum Ausdruck gebracht und Sie als besten OK-Chef in Deutschland bezeichnet, den es jemals gegeben hat. Der DSV will Sie an sich binden, Ihr Wissen, Ihr Können. Werden Sie diesem Wunsch des Verbandes denn nachgeben?

Zuerst: Das Lob ehrt mich sehr. Zum DSV werde ich nicht gehen. Aber dieses Zitat war auch bezogen auf Olympia. Darüber habe ich mit DOSB-Chef Thomas Bach gesprochen, aber das ist nicht mein Thema.

Können Sie dazu eine klarere Aussage treffen?

Zuallererst muss das Olympia-Thema geklärt sein. Ich selbst werde mich nicht ins Spiel bringen. Die Arbeitsbasis muss von anderen geschaffen werden, nicht von mir.

Wenn man die schaffen würde, könnten Sie sich einen Olympia-Job vorstellen?

Würde, würde, würde. Wir reden dauernd im Konjunktiv. Würden wir Olympia überhaupt kriegen. Wenn ja, dann würde ich diese Arbeit übernehmen, aber nur zu meinen Regeln. Vorrangig ist für mich dabei die Frage, wie man mit den Menschen in der Region Garmisch-Partenkirchen umgeht. Ich bin von vielen Medien auf meine Person und Olympia angesprochen worden. Ich möchte mich dazu eigentlich nicht mehr weiter äußern, weil das nicht mein Thema ist.

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Wenn nicht Olympia, was dann?

Mein Vertrag mit dem OK läuft noch bis Ende Oktober.

Und danach?

Danach werde ich Geschäftsführer beim Weltcup-OK. Das ist Tatsache. Ich hatte noch zwei weitere Angebote aus der freien Wirtschaft. Zudem hatte ich eine Offerte aus dem Ausland, die ich aber nicht angenommen habe, weil mir mein Enkel sehr, sehr wichtig ist und ich die Zeit mit ihm keinesfalls versäumen möchte.

Wäre es eine Herausforderung, noch einmal eine Alpine Ski-Weltmeisterschaft nach Garmisch-Partenkirchen zu holen?

Wenn ich mir die neuen Diskussionen im Gemeinderat anschaue über Pisten und Beschneiung, zudem SPD-Fraktionsvorsitzende Sigrid Meierhofer fordert, den Vertrag mit dem Deutschen Ski-Verband zu kündigen, dann muss Garmisch-Partenkirchen erst einmal wissen, was es will. Will man Weltcup-Standort mit vier Rennen bleiben? Will ich den Schwung aus dieser WM mitnehmen oder fangen wir wieder endlos zu diskutieren an? In der Grundeinstellung muss da sein, dass wir wieder einmal eine WM wollen. Wir dürfen auf alle Fälle nicht wieder 33 Jahre warten. Orte wie St. Moritz oder Oberstdorf machen es uns vor. Ich halte eine neuerliche Bewerbung für absolut notwendig. Das ist meine Empfehlung. Wir müssen einfach diesen Schwung mitnehmen.

Dann wieder mit Peter Fischer?

Das muss unabhängig von meiner Person sein. Ich bin dann zu alt.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel plädiert offenbar dafür, einen festen Rhythmus mit zehnjährigem Turnus für die Ausrichterländer einzuführen: Deutschland, Österreich und die Schweiz gesetzt, dazu jeweils zwei Exoten – angeblich hält er auch Italien dafür.

Vom sportlichen Gesichtspunkt würde ich diese Idee mittragen, aber sie wird sich nicht realisieren lassen. Die FIS ist der Verband der Verbände, auch kleinere Nationen müssen beachtet werden.

Der ganze Druck fällt jetzt von Ihnen ab. Werden Sie erst einmal ein paar Tage Urlaub machen?

Ich habe vier Jahre keinen Urlaub gehabt. In ein paar Wochen werde ich mal kurz gehen und im Sommer dann länger. Der Akku muss aufgeladen werden.

Das Gespräch führten Peter Reinbold und Alexander Schwer.

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