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DSV-Alpin-Direktor Wolfgang Maier mit Susanne Riesch.

„Vielleicht habe ich zu spät auf den Tisch gehauen“

Garmisch-Partenkirchen - Alpin-Direktor Wolfgang Maier sieht in der schweren Niederlage des DSV-Slalomteams aber auch eine Chance.

Die Mienen sprachen Bände: Maria Riesch blickte sauertöpfisch in die Runde – man merkte, dass sie wenig Lust verspürte, etwas erklären zu müssen, mit dem sie nur am Rande zu tun hatte –, Susanne Rieschs Gesicht war eingefroren, obwohl über dem Gudiberg die Sonne lachte, Fanny Chmelar verbarg ihre Gefühle hinter einer Maske des Lächelns. Grimmig und etwas fassungslos sah Wolfgang Maier aus. Am Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbands nagte der Frust nach dem Debakel des hochgelobten deutschen Slalomteams. „Das kann ich nicht so einfach wegstecken und sagen, das macht nichts.“

Bis auf Maria Riesch, die über ihren vierten Platz nicht besonders glücklich war („Ich bin schon Weltmeisterin und Olympiasiegerin geworden, deshalb kann ich es verschmerzen“), versagten alle anderen. Zweitbeste hinter der zweifachen Bronzemedaillengewinnerin wurde Fanny Chmelar auf Rang 15., Susanne Riesch schied ebenso aus wie Christina Geiger. Katharina Dürr beendete das Rennen auf Rang 23.

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In der Aufwallung seiner Gefühle wollte Maier keinen Kommentar abgeben zu den Leistungen – zunächst. „Fragen sie doch die, die gerade den Berg runtergefahren sind“, ätzte er. Doch Maier wäre nicht Maier, hätte er es dabei belassen. Der 50-Jährige liebt das offene Wort und klare Meinungsäußerungen. „Die Maria hat ihr Ziel erreicht, die anderen nicht. Es war enttäuschend, was hier abgeliefert wurde.“

Den Absturz hatte er kommen sehen – zuletzt bei den Weltcup-Rennen in Zwiesel und schon Wochen zuvor. „Der Trend, dass wir im Slalom langsam an Boden verlieren, hat sich seit Dezember abgezeichnet. Zwiesel war der Höhepunkt, deshalb musste ich sagen: So kann es nicht weitergehen. Heute hat man gesehen, dass ich damit nicht so Unrecht hatte.“ Nach der schwachen Vorstellung in Niederbayern hatte er gedroht, nicht alle WM-Startplätze zu besetzen, es aber bei der Ankündigung belassen. Im Rückblick womöglich die falsche Entscheidung. Maier hat es verpasst, ein Zeichen zu setzen, und die Quittung dafür haben ihm Susanne Riesch, Fanny Chmelar, Katharina Dürr und Christina Geiger ausgestellt. „Vielleicht habe ich ein bisschen zu spät auf den Tisch gehauen.“

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Den Haudrauf will Maier nicht weiter geben, die Situation aber intensiv analysieren und seine Schlüsse daraus ziehen. „Im Slalom/Riesenslalom haben wir über Jahre hinweg eine gewisse Stärke gezeigt. Jetzt haben wir in unseren zwei Hauptdisziplinen nichts gewonnen, aber deshalb dreht sich die Welt auch weiter. Jetzt gilt es, das Thema bei den Frauen richtig aufzuarbeiten.“

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: Maier sieht im Schock vom Gudiberg und dem sehr durchwachsenen Abschneiden auch eine Chance. Manchmal brauche es einen Schuss vor den Bug, damit man wieder aufwache und die Dinge konsequent wieder weiter betreibt. Allerdings scheint im deutschen Frauen- Lager mehr nicht zu stimmen – neben der Leistung. „Ich denke, bei uns ist das alles nicht so familiär wie bei anderen Mannschaften, die extrem viel miteinander reisen“, sagte Chmelar. Statt gemeinsam über den Schaden zu reden, den es angerichtet hatte, zerstreute sich schon am Samstag das Team in alle Himmelsrichtungen. „Ich glaube, die eine oder andere fährt nach Hause und lässt sich von ihren Eltern trösten“, verriet Chmelar.

Die Rückkehr zu alter Stärke scheint allerdings nicht ganz ausgeschlossen. Maier fordert eine Rückbesinnung und harte Arbeit: „Leistungssport ist kein Wunschkonzert. Man muss mit den Niederlagen umgehen. Nur aus den Niederlagen kommen wieder große Siege.“ Mit Slalomerfolgen ist frühestens am 12. März zu rechnen. Zu diesem Termin steht in Spindlermühle (Tschechien) ein Weltcuprennen im Programm.

VON PETER REINBOLD

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