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„Woast no, Sepp?“ An der Stätte ihrer WM-Triumphe, an der Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen, trafen sich die früheren Ski-Helden Michael Veith (oben l.) und Sepp Ferstl zum gemeinsamen Skitag – und um schöne Erinnerungen aufleben zu lassen.

„Ich glaub’, der Veith feiert immer noch“

Garmisch-Partenkirchen - Die Abfahrtshelden Michael Veith und Sepp Ferstl erinnern sich an die WM 1978: An Franz Klammer als Motivator - und an eine Feier mit weiblichen „Betreuern“.

Sie sind zwar nicht mehr ganz so schnell unterwegs wie vor 33 Jahren. Den Skitag auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen aber haben Sepp Ferstl (56) und Michael Veith (54), zwei der besten Abfahrer, die Deutschland je hatte, genossen. Es war gleichzeitig die Rückkehr an die Stätte eines ihrer größten Erfolge. Bei der Ski-WM 1978 gewann der Tegernseer Veith die Silbermedaille in der Abfahrt hinter dem Österreicher Sepp Walcher. Sepp Ferstl aus Vogling bei Siegsdorf wurde undankbarer Vierter, hauchdünn geschlagen von einem weiteren Österreicher, Werner Grissmann. Der Ärger über das verpasste Edelmetall war aber schon wenige Tage später vergessen. Am Gudiberg sicherte er sich im Slalom noch Silber in der Kombination.

Herr Ferstl, haben Sie eigentlich schon die Abfahrtsmedaille bei Werner Grissmann abgeholt?

Ferstl: Nein, noch nicht. Aber ich denke immer wieder dran. Wenn wir uns treffen, sagt er immer zu mir: „Dei Medaille hängt fei bei mir im Wohnzimmer, woaßt eh’.“ Es waren ja nur drei Hundertstel, das ist kein Zeitabstand. Der Grissmann hat in seiner ganzen Laufbahn nur ein einziges Mal nach der Zwischenzeit Bestzeit gefahren. Er war zwar oft im oberen Teil der Schnellste, aber unten ist ihm das nur bei der WM 1978 gelungen.

Veith: Der Grund ist ganz einfach. Er hat keine Kraft mehr gehabt, um zu bremsen. Er hat den Ski einfach laufen lassen müssen.

Wie oft sehen Sie denn Ihre früheren Konkurrenten noch?

Ferstl: Man trifft sich immer wieder. In Kitzbühel zum Beispiel, wo ich jedes Jahr bin. Oder bei Legendenrennen.

Veith: Aber da fährt der Grissmann nicht mehr mit.

Ferstl: Naaa. Der kommt ja gar nicht mehr in die Gondel rein. Er hat da Probleme mit’m Einsteigen.

Veith: Beziehungsweise mit der Maximallast.

„Der Grissmann kommt ja nicht mehr in die Gondel rein“

An was erinnern Sie sich speziell, wenn Sie an die WM 1978 denken?

Ferstl: Am Tag vorher war noch schönes Wetter. Die Piste war ruppig und hart. Dann war am Abend die Startnummern- Auslosung, und ich habe Nummer drei bekommen. Super, hab’ ich gedacht. Der Michi hat Nummer 15 bekommen und sich total geärgert. Wir hatten ja gedacht, das Wetter bleibt so. Aber dann hat es über Nacht geschneit, und alles war wieder schlecht. Wenn man ein bisschen aus der Spur gekommen ist, hat man im Neuschnee viel Zeit verloren. Und je mehr gefahren sind, umso breiter und schneller ist die Ideallinie geworden.

Michael Veith (im Siegerfoto links) gewann damals die Silbermedaille in der Abfahrt, jubelte mit Weltmeister Sepp Walcher und Werner Grissmann. Michael Veith betreibt heute eine Sportmarketing-Firma in Tegernsee.

Veith: Für mich war das natürlich ideal. Außerdem ist vor dem Start noch der Klammer Franz zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass er mit Nummer 15 Olympiasieger und Bernhard Russi Weltmeister geworden ist. Das waren gute Voraussetzungen. Und so ist es dann ja auch gekommen. Gut, sieben Hundertstel haben gefehlt, aber der zweite Platz war für mich eine tolle Geschichte.

Wie haben Sie sich denn auf das Rennen fokussiert?

Ferstl: Da hat jeder sein eigenes System gehabt.

Veith: Was hattest Du da mit deinen Socken? Er hatte immer die ältesten mit Löchern drin . . .

Ferstl: Nanana, ich hab’ immer drei Paar Socken angehabt. Aber ganz dünne, damit die Kraftübertragung passt. Ich hatte einen Schuh, der mir so gut getaugt hat, dass ich ihn drei Saisons lang gefahren bin. Dadurch hat sich die Schale ein bisschen geweitet, aber ich wollte nix Neues. Damit ich einen festen Sitz hab’, musste ich halt immer wieder einen zusätzlichen Socken anziehen.

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Welche Bedeutung hatten bei Ihnen die Kitzbühel- Rennen eine Woche vor der WM, bei dem Sie, Herr Veith, Dritter wurden und Sepp Ferstl zeitgleich mit Sepp Walcher gewonnen hat?

Veith: Ich bin ja nur um drei Hundertstel am Sieg vorbeigeschrammt. Da hab’ ich gewusst, ich bin nah dran an den Jungs. Aber das Medieninteresse und der ganze Druck war auf den beiden anderen. Das war eine gute Ausgangsposition für mich.

Der Ferstl Sepp schaute nach Platz vier recht sauer drein. Heute hat Ferstl ein Fuhrunternehmen und drei Söhne (Michael/25, Josef/ 22 und Christian/18). Der Älteste hat seine Skikarriere beendet, die beiden Jüngeren fahren in Nachwuchskadern des DSV.

Ferstl: Es ist auch vorher immer knapp hergangen. Bis zur Weltmeisterschaft hat jedes Rennen ein anderer gewonnen. Es gab keinen Seriensieger wie den Klammer 1976 und ’77.

Veith: Aber der Walcher war irgendwie schon Favorit. In Kitzbühel hatte er ja beide Abfahrten gewonnen. Am ersten Tag war der Sepp 18. und ich 22.. Und 24 Stunden später gewinnt der Sepp und ich werd’ Dritter. Da ist der Knopf aufgegangen. Das war für uns das Signal für die WM in Garmisch-Partenkirchen, dass wir jetzt dran sind.

Und dann haben Sie als letzter der erste Startgruppe Ihren Spezl vom Podium runtergefahren ...

Ferstl: In dem Moment war ich natürlich sehr enttäuscht. Erst steht man am Podest, und dann auf ein Mal so knapp daneben. Im Endeffekt bin ich aber selber schuld gewesen. Ich hab’ ja auch gewusst, wo ich die Zeit verloren hab’.

Stimmt es, dass Sie sich so geärgert haben, dass Sie sogar der Rosi Mittermaier, die fürs Fernsehen unterwegs war, ein Interview verweigert haben?

Ferstl: Ja, ich war halt enttäuscht.

Veith: Das ist immer blöd. Gewinnen tut halt immer der, der am wenigsten Fehler macht. Und das Rennen war eben von Neuschnee geprägt.

Veith: Für mich war der wichtigste Orientierungspunkt immer, wo der Klammer Franz liegt. Das war der Mann, den ich schlagen wollte. unser Konditionstrainer Thomas Weckerlein hat mir vor dem Start bloß gesagt: ,Der Sepp ist vor dem Franz.‘ Mehr hab’ ich als Motivation nicht gebraucht.

Herr Ferstl, die Medaille, die Sie später in der Kombination gewonnen haben, war das eine gleichwertige Entschädigung?

Ferstl: Ganz klar. Die Abfahrt war zwar meine Disziplin. Aber die Kombinationsmedaille ist ebenso wertvoll. Ich hab’ genauso eine Silbermedaille wie jeder andere auch. Veith: Wo und wie man eine Medaille gewinnt, das ist im Endeffekt ja wurscht. Das ist eine Trophäe, die man dir nicht mehr nehmen kann.

„Slalom-Fahrer müssen ja Stangen hinstellen, um runterzufinden“

Herr Ferstl, Sie haben sich die Medaille im Slalom gesichert. Also dort, wo sich ein Abfahrer ja gar nicht wohl fühlt, oder?

Ferstl: Ich hatte die Kombination ja schon ein bisschen im Auge. Aber so richtig Slalom trainiert hatte ich nicht. Die Konzentration lag ganz klar auf der Abfahrt.

Veith: Zum Zickzack-Fahren haben wir Abfahrer ja grundsätzlich ein gespaltenes Verhältnis. Die Slalom-Fahrer müssen sich alle paar Meter Stangen hinstellen, damit sie runterfinden. Uns haben sie kilometerweit allein gelassen.

Nochmal kurz zurück zur Abfahrt. Sepp Ferstl war enttäuscht. Und wie ging es Ihnen, Herr Veith, da ist es dann so richtig rund gegangen, oder?

Ferstl: Freilich, bei dem war alles vorbei. Der hat High-Life gehabt. Ich musste ja noch Riesenslalom und Slalom fahren. Und am nächsten Tag war wieder Training.

Veith: Wir haben gut gefeiert, auf jeden Fall. Irgendwann haben wir dann noch den Walcher und den Grissmann getroffen. Das war gut, ein schöner feucht-fröhlicher Abend mit entsprechend weiblichem Betreuer-Personal. Es war eine gute Siegesfeier. So oft gewinnt man ja auch keine WM-Medaille.

Ferstl: Ich glaub’, der Veith hat noch gar nicht aufgehört. Der feiert immer noch.

Der Rummmel um Sie beide und die erfolgreichen Frauen war bei 1978 sehr groß. Wie sind Sie damit umgegangen?

Veith: Ja gut, nach den Erfolgen hatten wir viele Schulterklopfer um uns rum. Aber im Grunde genießt man es. Es war eine wahnsinnige Begeisterung. Aber so im Fokus, wie die Athleten heute stehen, war es bei uns nicht. Ich möchte nicht tauschen.

Ferstl: Der Grund für den ganzen Rummel im Vorfeld war auch Kitzbühel. Es hat bis dahin ja keine Abfahrer mehr in Deutschland gegeben. Dann kamen unsere Erfolge und gleich danach die WM im eigenen Land. Klar, dass das Interesse groß war.

Veith: Dass Timing war optimal. Direkt vor der WM in Kitzbühel zwei Deutsche am Podest. Auf einmal sind alle hellhörig geworden.

A propos Kitzbühel. Über 30 Jahre, Herr Ferstl, liegen nun Ihre Siege dort zurück (1978 und 1979). Wie lange dauert es, bis wieder ein Deutscher die Abfahrt dort gewinnt?

Veith: Das kann man nicht sagen. Zu unserer Zeit wurde im Deutschen Skiverband die Entscheidung gefällt, eine Abfahrtsmannschaft neu aufzubauen. Dann sind wir jungen, so zehn, zwölf Leute, auf die Abfahrt getrimmt worden. So ist über vier, fünf Jahre eine Mannschaft entstanden.

Warum gelingt das heute nicht?

Veith: Verstehe ich auch nicht. Andere Nationen, wie die Franzosen oder die Kanadier, schaffen es ja auch. Egal in welcher Disziplin. In den schnellen Disziplinen bringen wir ums Verrecken seit Jahren niemanden hin. Jetzt hatten wir wenigstens den Keppler. Der hätte bei der WM echt die Chance auf eine Überraschung gehabt. Aber leider hat er sich jetzt verletzt.

Ferstl: Aber das ist auch nur einer und keine Mannschaft.

Veith: Richtig. Seit Markus Wasmeier 1994 in Lillehammer (Olympiasieger in Super- G und Riesenslalom) bringen wir in den schnellen Disziplinen keinen mehr dauerhaft in die Weltspitze. Gut, wir hatten auch Pech mit Max Rauffer oder Florian Eckert. Die waren vorne dran, haben sich dann auch verletzt.

Herr Ferstl, Sie kennen das ja aus eigener Erfahrung. Zwei Ihrer drei Söhne sind ebenfalls Rennfahrer. Wo liegt das Problem?

Ferstl: Wir haben ja schon bald jedes Jahr einen anderen Trainer. Wir hatten damals einen Trainer, mit dem wir lange zusammengearbeitet haben. Das war eine echte Mannschaft. Da ist Vertrauen da gewesen. Auch wenn es mal nicht gelaufen ist – sie haben immer wieder Chancen bekommen. So war es ja auch bei Stephan Keppler. Wie lange hat der gebraucht, bis er wieder ein Top-Ergebnis gebracht hat? Auf einmal sieht man, dass Potenzial da ist.

Veith: Bei den Männern sind wir in einer schwierigen Situation. Ich kenne mich in den Verbandsstrukturen nicht so gut aus. Es ist aber erstaunlich, dass wir bei den Möglichkeiten, die der Verband hat, seit Jahren keine Fahrer in den schnellen Disziplinen herbringen. Das ist für mich unverständlich.

„Den Jungen fehlt ein starker Fahrer zur Orientierung“

Ferstl: Wir haben mit dem Andreas Sander zum Beispiel einen Junioren-Weltmeister im Super-G (2008, d. Red). Der fährt im Abfahrtstraining in Gröden die drittschnellste Zeit. Von dem Zeitpunkt an, ist der Keppler plötzlich auch zum Fahren gekommen. Da muss man sich doch mal Gedanken machen.

Veith: Die jungen Talente sind sicherlich da. Sie haben es nur noch nicht geschafft, sich durchzusetzen. Ich glaube, ihnen fehlt vor allem ein starker Fahrer. Wenn so einer da ist, dann können sich die jungen an ihm orientieren.

Veith: Vor der Maria ziehe ich wirklich den Hut. Wie sie den Medienrummel mit ihrem Sport kombinieren kann und trotzdem Top-Leistungen bringt, das ist bewundernswert. Der Druck wird für sie in Garmisch-Partenkirchen natürlich nicht weniger. Sie hat da ein ganz schön großes Packerl zu tragen.

Ferstl: Für die Maria und den Felix Neureuther wird es zweimal schwer. Sie sind von hier und sind die großen Medaillenhoffnungen.

Glauben Sie, dass sie damit umgehen können?

Veith: Ich denke schon. Nur so unbekümmert, wie es bei uns war, wird es für die beiden sicher nicht. An dem einen Tag muss halt alles passen. Bei der Heim-WM was zu reißen, das ist eine Riesen- Leistung. Es ist auch eine Kunst, sich brutal genau auf dieses eine Rennen konzentrieren zu können.

Interview: Jörg Köhle und Alexander Schwer

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