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Mächtig angefressen ob der desolaten Vorstellung: Haching-Boss Manfred Schwabl.

Schwabl tobt: „Null Prozent 3. Liga“

  • vonChristian Amberg
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Die 0:2-Niederlage der SpVgg Unterhaching gegen Türkgücü gleicht einer sportlichen Bankrotterklärung.

Unterhaching – Das kleine Fünkchen Hoffnung, doch noch ein Wunder im Kampf um den Klassenerhalt zu schaffen, hat die SpVgg Unterhaching am Mittwoch eindrucksvoll selbst gelöscht. Große Ernüchterung statt neues Aufbäumen herrschte nach erschreckend schwachen 90 Minuten im Sportpark und dem 0:2 im Münchner Derby gegen Türkgücü. Trainer Arie van Lent sprach ziemlich bedient von „einem unserer schlechtesten Spiele“, Präsident Manfred Schwabl hatte schon in der Halbzeit erzürnt „null Prozent Dritte Liga“ gesehen.

Für den Abstiegskampf bedeutet das nun wohl das vorzeitige Aufgaben, auch wenn der Chefcoach wie üblich „einfach weitermachen“ will und immer noch an ein „Mini-Wunder“ glauben möchte. Die Realität ist eher die, dass Schwabl Recht hatte, als er aus der Englischen Woche vier Punkte als „das absolute Minimum“ bezeichnet hatte. Nach zwei von drei Spielen sind es null Punkte, womit die Zeichen nun immer eindeutiger auf Abschied aus der Dritten Liga stehen. Zumal die Konkurrenz fast durchweg punkten konnte, womit der Rückstand von Tabellen-Schlusslicht Unterhaching zum rettenden Ufer fünf Spieltage vor Schluss sogar noch auf sieben Punkte angewachsen ist.

Alarmierender als diese Zahlen war diesmal allerdings die Vorstellung der Heim-Elf. Die war dermaßen schlecht, dass sämtliche Erklärungsversuche von zahlreichen vorangegangenen Partien mit guter Leistung, aber schlechtem Ausgang in 90 Minuten ad absurdum geführt wurden. Die Qualität und wohl auch die Einstellung reichen in Unterhaching nicht mehr für Profifußball. Sportlich gesehen waren zweieinhalb Hachinger Torchancen, davon ein Freistoß und ein reines Zufallsprodukt, eine Bankrotterklärung.

Gegner Türkgücü spielte zwar das frühe 0:1 in der 2. Minute in die Karten – dadurch war aber immerhin ausreichend Zeit für eine Antwort. Die kam nicht. Das zweite Gegentor nach einem Konter kurz vor dem Abpfiff fiel nicht ins Gewicht.

„Es hat alles gefehlt“, musste van Lent zugeben, „wir haben es bis zur 90. Minute nicht geschafft ins Spiel zu kommen. Wir hatten es heute echt nicht verdient zu gewinnen.“ Eine ganze Portion deftiger fiel das Fazit von Kapitän Markus Schwabl aus: „Ich weiß nicht, was da los war, wenn du so ein Spiel hast und dann mit so einer Spannung reingehst. Da fragst du dich einfach, ob jedem bewusst ist, um was es hier geht. Aber das frage ich mich schon länger.“

Zum inneren Frieden – so der wie nach außen stets transportiert überhaupt wirklich existiert – tragen solche Aussagen natürlich nicht bei. Aber da der Klassenerhalt nun endgültig verspielt ist, können derlei Diskussionen nur eine reinigende Wirkung haben. „Es müssen sich einige selber hinterfragen, ob sie abends in den Spiegel schauen können oder nicht“, legte Schwabl junior im Interview bei „Magenta Sport“ nach, „viele träumen ja schon, wo es nächstes Jahr hingeht. Und das hat sich ein bisschen durchgezogen, das war für mich heute nochmal die Krönung obendrauf.“

Wo es für den Verein hingeht, ist nun so gut wie klar: Es wird die Regionalliga sein. Ob es ein Vorteil ist, wie Präsident Schwabl schon vor Wochen erklärte, dass fast alle Spieler auch dafür Verträge haben, ist zu hinterfragen. Wer den berühmten Karren nächste Saison wieder aus dem Dreck zurück in die Dritte Liga ziehen will, bleibt eine offene Frage.

Eine Antwort gab der Mittwoch Abend: Derzeit ist es sogar fraglich, ob es die SpVgg als Mannschaft schafft, sich wenigstens anständig aus der Liga zu verabschieden, ohne an den letzten Spieltagen noch komplett auseinanderzufallen.

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