Haching-Präsident Manfred Schwabl Unterhaching zeigt den Daumen nach oben.
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Daumen hoch: Haching-Boss Manni Schwabl blickt positiv in die Regionalliga-Zukunft.

Interview mit dem Haching-Boss

Schwabl nach dem Abstieg: „Den regionalen Klopp findet man nicht in der Badehose...“

  • Uli Kellner
    vonUli Kellner
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Nach dem Abstieg ist vor der Herausforderung Regionalliga. Bei der SpVgg ist der Optimismus zurück, verkörpert durch den umtriebigen Präsidenten Manni Schwabl.

Tapetenwechsel nach dem Corona-Lockdown, Abstand gewinnen nach dem bitteren Abstieg aus der 3. Liga? Nicht mit Haching-Boss Manni Schwabl, der sagt: „Wenn ich jetzt in Urlaub fahren würde, in meiner Funktion – dann hätte ich meinen Job verfehlt.“ Stattdessen sagt der umtriebige Vereinspräsident: „Ich bin schon wieder in Attacke-Form.“ Unser Interview.

Manni Schwabl, wir tippen mal: Montagabend lief bei Ihnen der Fernseher, der EM-Krimi der deutschen U 21 gegen Dänemark.

Schwabl: Richtig getippt. Das war natürlich ein Pflichttermin, nachdem der Karim von Stefan Kuntz einberufen wurde für die Endrunde. Verdient, aber auch ein bisschen überraschend, denn als 2002er-Jahrgang ist er fast vier Jahre jünger als der Älteste dort.

Karim Adeyemi, der Durchstarter von Haching über Red Bull Salzburg bis ins U21-Nationalteam . . .

Schwabl: Genau. Ich fand’s super, dass er sofort ins Spiel reingefunden hat. Und was mich brutal gefreut hat, war sein Lauf nach hinten, mit dem er das 0:2 verhindert hat. Offensivaktionen kann er ja, das wissen wir. Aber dass er seine unmenschliche Geschwindigkeit auch defensiv einsetzt, das zeigt seinen tollen Charakter – und dass wir in Haching bei der Ausbildung nicht viel falsch gemacht haben.

Wird es solche Karrieren auch weiterhin geben? Haching spielt ja künftig in der Regionalliga.

Schwabl: Ich wüsste nicht, was dagegen sprechen soll. Wenn wir jetzt mit Talenten sprechen, merken wir überhaupt keinen Unterschied zur 3. Liga. Fallbeispiele wie der Karim und der Nico (Mantl) helfen uns da natürlich unheimlich.

Wie weit sind Sie denn mit der Kaderplanung für die Regionalliga?

Schwabl: Abgeschlossen ist sie noch nicht, denn es stehen noch wichtige Gespräche mit unseren Ankerspielern aus. Stahl, Hain und Welzmüller haben zwar gültige Verträge, aber sie kommen auch alle aus schweren Verletzungen. Da muss man schauen, ob sie die physische Power haben, diesen Weg noch mal mitzugehen. Ich hoffe es, aber jetzt sollen sie erst mal im Urlaub die letzte Saison abstreifen und den Kopf freikriegen. Unsere Schüsse müssen sitzen, denn wir wollen sofort wieder angreifen. Ziel muss natürlich sein, direkt in die 3. Liga zurückzukehren.

Als Trainer schwebt Ihnen nach dem Abschied vom Niederländer Arie van Lent ein bayerischer Klopp vor. Wie läuft die Suche?

Schwabl: Die ist nicht so einfach, aber auch nicht unmöglich. Den regionalen Klopp findet man aber nicht in der Badehose am Strand, sondern wenn man vor Ort ist (lacht).

Haben Sie sich im Kopf schon auf die 4. Liga eingestellt?

Schwabl: Klar, hilft ja nix. Den Abstieg müssen wir uns nicht schön reden, aber ich bin kampfesbereit – und hab mich auf die neue Situation eingestellt. Die Tristesse, die zwischenzeitlich herrschte, ist absolut vorbei. Wir müssen die Regionalliga mit Respekt annehmen, denn wenn ich schaue: Bayern II, Bayreuth, Aschaffenburg, vielleicht Schweinfurt – die wollen auch alle hoch in die 3. Liga.

Die Tristesse, die zwischenzeitlich herrschte, ist absolut vorbei.

Haching-Präsident Manni Schwabl.

Ist das der Fluch der guten Tat, dass Bayern II mit Haching runter ist?

Schwabl: Mir ist klar, dass die Augen bei dem Spiel am 36. Spieltag auf uns gerichtet waren, aber Mauscheleien – das gibt’s bei uns nicht. Jeder weiß, dass ich eine gewisse Verbindung zum Uli (Hoeneß) habe, aber so was geht komplett gegen unser beider Naturell. Ich will nicht Präsident von einem Verein sein, der da was rumschiebt, um einen eigenen Vorteil zu erlangen. Die Werte, für die wir stehen, haben wir eindrucksvoll unterstrichen (mit dem 2:1-Sieg als bereits feststehender Absteiger/Red.) – obwohl wir jetzt vielleicht den Schaden haben. Aber noch mal: Ich bin stolz, einen Verein mit diesem Charakter zu führen – und habe auch wahnsinnig positive Resonanz aus ganz Fußball-Deutschland erhalten.

Haben Sie auch schon Resonanz von Claus Schromm bekommen, der sich im Frühjahr eine Auszeit als Sportdirektor genommen hat? Sehen Sie in ihm Klopp-Potenzial?

Schwabl: Seine Rückkehr auf die Trainerbank ist nicht vorgesehen. Wir müssen jetzt eine Lösung finden, die für Haching passt. Ich hoffe, er entscheidet sich für unser Projekt. Wir haben schon so viele Schlachten gemeinsam geschlagen. Mein Angebot steht, die Tür für Claus ist jederzeit offen.

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