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Nach seiner Knieverletzung arbeitet Hachings Kapitän Seppi Welzmüller in der Reha hart für sein Comeback auf dem Fußballplatz. 

„Die Rückendeckung vom Verein ist einmalig“

Josef „Seppi“ Welzmüller (30) ist seit etwa fünf Jahren Kapitän der Spielvereinigung Unterhaching. Für den Fußball-Drittligisten auf dem Platz stehen – das bedeutet dem Innenverteidiger viel. Doch gerade muss er sich die Spiele von der Tribüne aus ansehen. Sein Kreuzband ist im September bei einem Testspiel gegen Heidenheim gerissen. Zum dritten Mal in seiner Karriere. Ob er ans Aufhören denkt, wie ihn sein Verein unterstützt und wie er mit seinen langwierigen Verletzungen umgeht, verrät Welzmüller im Interview.

UnterhachingJosef „Seppi“ Welzmüller (30) ist seit etwa fünf Jahren Kapitän der Spielvereinigung Unterhaching. Für den Fußball-Drittligisten auf dem Platz stehen – das bedeutet dem Innenverteidiger viel. Doch gerade muss er sich die Spiele von der Tribüne aus ansehen. Sein Kreuzband ist im September bei einem Testspiel gegen Heidenheim gerissen. Zum dritten Mal in seiner Karriere. Ob er ans Aufhören denkt, wie ihn sein Verein unterstützt und wie er mit seinen langwierigen Verletzungen umgeht, verrät Welzmüller im Interview.

Herr Welzmüller, wie geht es Ihnen?

Mir geht es soweit gut. Ich habe eine erfolgreiche Operation gehabt und auch die Reha klappt hervorragend.

Wie haben Sie gemerkt, dass Ihr Kreuzband wieder gerissen ist?

Auf dem Spielfeld war ich mir schon relativ sicher, dass das Kreuzband gerissen ist. In der Kabine hat unser Physio dann einige Tests gemacht, die sind komischerweise negativ ausgefallen. Da macht man sich natürlich Hoffnungen, dass es doch nicht so schlimm ist. Im MRT kam jedoch ein Kreuzbandriss raus. Das war schon sehr bitter.

Ihr erster Gedanke, als die Diagnose fest stand?

Ich hatte am Anfang schon schwere zehn Minuten, da bin ich ehrlich. Aber nachdem ich meine Familie angerufen habe, habe ich in einen Comeback-Modus umgeschaltet und bin nach Unterhaching gefahren und habe Krafttraining gemacht und mit der Reha angefangen. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass der Kopf eine riesige Rolle für die Heilung spielt.

Nach der Diagnose haben Sie sofort Ihre Familie angerufen? Wie wichtig ist der Rückhalt – auch der Ihres Vereins?

Auf beiden Seiten war die Unterstützung unfassbar groß. Meine Eltern und meine Brüder haben sich rührend um mich gekümmert. Das ist nicht selbstverständlich. Aber auch die Rückendeckung vom Verein ist einmalig. Sowohl von der Vereinsspitze, über Trainer und natürlich die Mannschaft. Bei unserem nächsten Spiel sind sie mit T-Shirts mit meinem Gesicht drauf aufgelaufen, auch „Kopf hoch Captain“ stand drauf. Dann lag ich zuhause und musste grinsen, weil man wusste, die Jungs stehen hinter mir. Das gibt unendlich Kraft.

Als Kapitän können Sie Ihrer Mannschaft gerade nicht auf dem Platz helfen. Was ist das für ein Gefühl?

Das ist schon schwer. Markus Schwabl ist mein Vertreter auf dem Platz, und er macht einen super Job. Wir tauschen uns viel aus. Aber dadurch, dass ich oft in der Kabine bin, krieg ich vom Mannschaftsalltag viel mit.

Ihr Verein hält, trotz den Verletzungen, immer an Ihnen fest. Was bedeutet das für Sie?

Normalerweise ist es im Profifußball ja so, dass man den Vertrag nach einer schweren Verletzung erst einmal auslaufen lässt. Bei meinem Kreuzbandriss vor zwei Jahren ist Manfred Schwabl zu mir gekommen und hat gesagt: „Seppi, das erste was wir machen ist, Deinen Vertag langfristig zu verlängern.“ Das ist ein Zeichen, das findet man mit Sicherheit bei keinem anderen Verein im Profifußball. Das gibt natürlich auch Motivation, den ganzen Rückhalt zurückzuzahlen.

Was motiviert Sie neben Ihrem Verein die harten Monate durchzustehen?

Als Kapitän habe ich auch eine Vorbildfunktion, zu zeigen, dass man sich nicht hängen lässt. Ich glaube es ist wichtig, das Herz und die Leidenschaft – das schreiben wir in Haching ja groß – zu demonstrieren. Aber auch ich selbst motiviere mich. Wenn das nicht mehr so ist, dann lasse ich es sein.

Das hört sich alles sehr optimistisch an. Hat man nach so schweren Verletzungen aber auch Tiefpunkte?

Ich schau relativ oft beim Training zu. Da ist es schon so, wenn man die anderen spielen sieht, dass man sich denkt, wie gerne wäre ich jetzt auch da dabei. Aber gleichzeitig ist das auch eine Motivation für die eigene Arbeit. Diese klassischen Down-Momente habe ich eigentlich nicht.

Ein Kreuzbandriss ist für einen Fußballer mit die schlimmste Verletzung. Haben Sie sich psychologische Hilfe geholt?

Seit Anfang der Saison hat der Verein einen Sportpsychologen engagiert . Ich arbeite mit ihm auch zusammen, aber auch schon vor meiner Verletzung. Denn die Rehaphase ist nicht das Problem, sondern später wieder auf dem Platz zu stehen.

Wovor haben Sie Angst?

Am Anfang ist es immer ein bisschen ungewohnt. Ich bin auch ein sehr sensibler Mensch. Und in meinem Alter, ich bin ja schon fast aus dem besten Fußballeralter raus, hört man genau in seinen Körper, und es fängt da und dort an zu zwicken. Aber am Ende ist es oft gar nicht so schlimm, wie der Körper es wahrnimmt. Das sind meine Problemstellen, wo mir der Sportpsychologe viel hilft.

Haben Sie trotzdem Mal ans Aufhören gedacht?

Fairerweise wäre es fahrlässig, nicht einmal darüber nachzudenken, ob man nicht mit Fußball aufhört. Mein BWL-Studium läuft ja auch nebenbei. Der Gedanke war schon kurz da, aber ich habe mich auf allen Ebenen ziemlich schnell dagegen entschieden. Ich mach alles dafür, dass ich schnell zurückkomme.

Wann können Sie wieder auf dem Platz stehen?

Das ist eine gute Frage. Meine Kreuzbandrisse dauern schon recht lang, ich habe einen Körper der etwas Zeit braucht. Die Heilung der beiden anderen Verletzungen hat knapp eineinhalb Jahre gedauert. Mein persönliches Ziel ist es, am Ende der Saison noch ins Mannschaftstraining einzusteigen und in der nächsten Saison wieder voll da zu sein.

Ist der Fußball eine Hassliebe für Sie?

Nein, tatsächlich einfach eine Liebe. Fußball spielen ist für mich wirklich eine Liebe. Ich habe nie damit gerechnet, Fußballprofi zu werden. Deshalb bin ich umso dankbarer, diesen Job machen zu dürfen.

Das Gespräch führte
Laura Forster.

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