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Seit Jahrzehnten Löwe: Sechzger-Fan Herbert Schroeger.

60er-Fan erinnert sich:

„Waren mit prügelnden Polizisten eingeschlossen“

München - Vor fünf Jahren gerieten Sechzger-Anhänger und Polizei nach einem Spiel im Grünwalder Stadion aneinander. Aus Sicht der Fans handelte es sich um einen grundlosen Polizei-Übergriff, bei dem Unbeteiligte verletzt wurden. Am Samstag erinnert ein Demonstrationszug daran .

Herbert Schroeger von den „Löwen-Fans gegen Rechts“ erklärt, warum er an diesem Samstag ab 12 Uhr an einem Demonstrationszug von der Post an der Tegernseer Landstraße bis zum Stadion teilnehmen wird.

-Herr Schroeger, wie viele Fußball-Spiele hatten Sie 2007 schon gesehen?

Puh, das waren schon einige. Seit 40 Jahren gehe ich zu den Löwen.

-Da wird es öfter ruppiger zugegangen sein zwischen Polizei und Fans. War der 9. Dezember 2007 wirklich so besonders?

Ja, das war er. Dabei war es zunächst ein normaler Stadionbesuch. Am nächsten Tag stand im Polizeibericht: Keine besonderen Vorkommnisse.

-Was ist nach dem Spiel passiert?

Schon eine Viertelstunde vor Spielende durften die etwa 1500 Fans aus der Westkurve nicht raus – nicht mal Frauen oder Kinder aufs Klo.

-Offenbar wurden Ausschreitungen befürchtet.

Dazu gab es keinen Anlass. Es gab überhaupt keine besonderen Aggressionen.

-Die Vorwürfe der Fans beziehen sich vor allem auf den Polizeieinsatz nach dem Spiel.

Als meine Frau und ich lange nach dem Spiel endlich aus dem Block durften, standen davor Polizisten in Zweier-Reihen und haben mit Knüppeln grundlos auf Leute eingeschlagen. Am Boden lagen Blutende. Ich dachte: Das gibts doch nicht. Man kam aus dem Stadion nicht raus. Wir waren eingeschlossen mit prügelnden Polizisten.

-Wie viele Fans sind Ihrer Einschätzung nach verletzt worden?

Wir haben nur zwei gefunden, die den Mut hatten, zu klagen. Es müssen viel mehr gewesen sein. Ich alleine habe eine handvoll Verletzte gesehen.

-Wenn sich alles abgespielt hat, wie Sie sagen: Warum sind die Polizisten nie belangt worden?

Die Ermittlungen und die juristische Aufarbeitung sind der große Skandal. In einem Bescheid räumte die Staatsanwaltschaft sogar ein, dass Frauen und Kinder ohne Grund geschlagen worden sind.

-Und das ohne „besondere Vorkommnisse“?

Irgendwann war die Rede von „aggressiven Fans“, die Knüppel seien zur Abwehr hochgehalten worden. Das Video der Polizei ist aus einem gesicherten Schrank verschwunden. Ein Computer wurde „routinemäßig“ gelöscht. Die Beamten sind nie befragt worden, nur Gruppenführer.

-Warum sind die Verfahren gegen die Polizisten letztlich immer wieder eingestellt worden?

Man konnte die Beamten nicht identifizieren. Jetzt liegt unsere Klage beim Verfassungsgericht – seit eineinhalb Jahren.

-Sie fordern Einsicht in alle Akten, aber auch die Kennzeichnungspflicht. Was wäre besser gewesen, wenn Beamte Ihren Namen oder eine Dienstnummer auf der Uniform tragen würden?

Ich bin mir nicht sicher, ob sowas dann nicht passiert. Aber die Chancen sind größer, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Mischung aus Korpsgeist und Freiheit, die solche Einsätze ermöglicht, gäbe es nicht.

-Gehen Sie eigentlich noch zum Fußball?

Ich schon. Einer unserer Kläger ist nie wieder gegangen. Den anderen habe ich zur Demo eingeladen. Er wurde damals von hinten mit einem Knüppel niedergeschlagen. Auf der Demo würde die ganze Gaudi für ihn wieder hochkommen, sagt er. Dann könnte er wochenlang nicht schlafen.

Interview: Felix Müller

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